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„Precht & Lanz“: Aus der Untiefe des russischen Raums

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Von: Jörg Schneider

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Markus Lanz und Richard David Precht sprechen in ihrem Podcast über aktuelle Gesellschaftliche und politische Themen – von Corona-Krise bis Ukraine-Krieg.
Markus Lanz und Richard David Precht sprechen in ihrem Podcast über aktuelle Gesellschaftliche und politische Themen – von Corona-Krise bis Ukraine-Krieg. © Christian Bruch/ZDF

Markus Lanz und Richard David Precht debattieren in ihrem Podcast über Wladimir Putins Angriff auf die Ukraine. Das Ergebnis ist überraschend vielschichtig.

Vorab: Ich bin jemand, der sich seine eigenen Vorurteile nur äußerst ungern durch eventuell neu hinzugewonnene Erkenntnisse verwässern lässt und dergestalt ließ mich die Nachricht, die Herren Precht und Lanz hätten seit geraumer Zeit einen gemeinsamen Podcast das Schlimmste ahnen, wenn nicht gar befürchten … wahrscheinlich sogar in dieser Reihenfolge.

Hielt ich es zuerst noch zweckoptimistisch für etwas aus dem Schattenreich der Mythen und Legenden, etwa vergleichbar mit einer Live-Sendung von Nessie und dem Yeti aus dem Bermuda-Dreieck, leuchtete mir dann aber die Schlüssigkeit dieser Zusammensetzung doch überraschend schnell ein. Denn obwohl sich Markus Lanz in seiner gleichnamigen Talkshow – gefühlt (um es hoffentlich juristisch sauber zu halten) - bisweilen sogar noch bei Interviews mit Holocaustüberlebenden immer mal wieder ebenso bedenkenlos wie penetrant in den Vordergrund schwätzt, um zwischen deren unfassbarem Leid mit seinen Antarktiserfahrungen aufzutrumpfen, schien mir sein Dauergast Richard David Precht in seiner gegenpart‘schen Eigenschaft als Plauderbuddy und eloquenter Alleserklärer doch eine recht plausible Wahl.

„Lanz & Precht“: aktuelle Podcast-ThemenDatum
Ukraine-Krieg26. Folge am 25.02.2022
Corona-Pandemie, Ukraine-Konflikt, Bundespräsidentenwahl25. Folge am 18.02.2022
Ukraine-Konflikt24. Folge am 11.02.2022
Missbrauch in der katholischen Kirche23. Folge am 04.02.2022
Olympische Winterspielen in Peking und Fußball-WM in Katar22. Folge am 28.01.2022

Doch ich muss gestehen: Im Podcastformat hat mich Herr Lanz durchaus angenehm überrascht. Ob es damit zu tun hat, dass man nicht sieht, wie er auf seiner Sesselkante den vermeintlich Interviewten immer dichter und damit gleichsam auch dem halbwegs empathischen Zuschauer zunehmend unangenehmer auf die Pelle rückt, oder aber ob in einem Gespräch auf Augenhöhe - wie es die beiden in ihrem Podcast führen - bewegte Bilder ganz allgemein eher irritieren, vermag ich nicht zu beurteilen … und ist an dieser Stelle offen gestanden auch nur ein mehr oder weniger sinnfreies Anhängsel, um den Satz rhythmisch einigermaßen solide nach Hause zu ruckeln.

Lanz und Precht: Kontroverse Diskussion über Russlands Militäroffensive auf die Ukraine

Jedenfalls analysieren die Herren in ihrer mittlerweile 26. Podcastfolge vom 25.02. die aktuellen Katastrophenentwicklungen im von Wladimir Putin initiierten und inszenierten Krieg in der Ukraine. Und das – vor allem in der weitaus interessanteren zweiten Sendungshälfte - erfreulich kontrovers! Inhaltlich wird auch dem sich thematisch im Bilde Wähnenden einiges an Informationen, Hintergründen und eben auch Analytischem zum Ukraine-Konflikt geboten, das in dieser angenehm unaufgeregten Form nicht zwingend zu erwarten war.

Und so gelingt es erstaunlich vielschichtig, die Aggressionsmotivation eines Mannes zu beleuchten, der sich (analog zum praktisch beschreibungsresistenten Paradebeispiel seines früheren amerikanischen Amtskollegen) offenbar nicht zwischen Minderwertigkeitskomplex und Größenwahn entscheiden kann, sondern sicherheitshalber einfach beides auf einmal annektiert.

Doch auch ich lauschte 2001 gebannt vor dem Fernsehgerät als Putin seinerzeit im Deutschen Bundestag – zumal in einem überaus stilsicheren Deutsch, das heutzutage bspw. nur die wenigsten AfD-Redner zu stemmen imstande wären – von einer riesigen europäischen Freihandelszone fantasierte und kurze Zeit später sogar einen NATO-Beitritt Russlands in den damals noch friedlichen Ring scharwenzelte.

Was also ist in der Zwischenzeit mit diesem Mann passiert oder war die ganze Nummer auch seinerzeit lediglich Maskerade, die er spätestens mit seinem zweiten Kriegsangriff auf die Ukraine innerhalb von sieben Jahren ein für allemal beendete?

Besonders die zweite Hälfte des „Lanz & Precht“-Podcasts zu Russlands Ukraine-Krieg ist empfehlenswert

Da dies hier lediglich eine „TV-Kritik“ mit überschaubarer Zeichenzahl ist, erspare ich uns allen an dieser Stelle meine persönliche klugscheißerische Sicht der Dinge und verweise diesbezüglich schlichtweg nochmals auf die zweite Podcasthälfte der erwähnten Sendung. Drei kleine persönliche Anmerkungen seien mir aber hoffentlich dennoch gestattet … bzw. wurscht, ich schreib‘s ja ohnehin:

Erstens: Vergessen wir beim Pauschalisieren auch bitte nicht diejenigen Russen, die momentan in Moskau und anderen russischen Städten auf die Straßen gehen, dort für Frieden, Meinungsfreiheit und Demokratie nicht nur ihren Arsch, sondern auch den gesamten Restkörper riskieren, während sich hierzulande nicht wenige Hochleistungsschwachköpfe in einer Meinungsdiktatur wähnen - das auch lautstark auf der Straße johlend äußern und dafür mit ganz genau keinerlei Repressalien zu rechnen habe. Zweitens: Auch ich (der sonst wirklich fast alles weiß … und das nicht nur besser, sondern im Nachhinein sogar schon meist im Vorfeld) muss in diesem Fall zugeben, ausnahmsweise über mehr Fragen als Antworten zu verfügen.

Und uninteressant ist final auch Folgendes: Seit jeher wünschen sich die Menschen, ihre politischen Anführer mögen ihre kriegerischen Auseinandersetzungen bitte eigenhändig und ohne die Beteiligung eigentlich Unbeteiligter ausfechten.
Wie schön wäre da ein unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindendes Vier-Augen-(bzw. in diesem Fall wohl eher „Zwei-blaue-Augen)-Gespräch zwischen Wladimir Putin und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Aber, hey ... Putin „kann ja Judo“. Man vergisst es immer wieder. (Jörg Schneider)

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