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Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste vor dem US-Kongress aussagen. Seine Erklärungen wirkten unglaubwürdig.

Facebook-Datenskandal

Mark Zuckerberg kann nicht überzeugen

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg muss im US-Senat zum Datenskandal aussagen. Seine Entschuldigungen klingen wenig überzeugend. Und Erklärungen bleibt er schuldig.

Die Anhörung im übervollen Sitzungssaal 216 des Hart-Senatsgebäudes unweit des Washingtoner Kapitols läuft schon eine gute Stunde, als Mark Zuckerberg ziemlich ins Stolpern gerät. Der republikanische Senator Lindsey Graham, nicht unbedingt ein Experte für moderne Medien, hat eine ziemlich simple Frage gestellt. „Wenn ich mir einen Ford kaufe und bin damit nicht zufrieden, kaufe ich mir beim nächsten Mal einen Chevy“, sagt Graham: „Was mache ich, wenn mir Facebook nicht gefällt? Haben Sie einen Wettbewerber?“

Unbedingt, antwortet der Gründer der weltweit größten Online-Plattform mit mehr als zwei Milliarden Nutzern: „Man muss da drei Kategorien unterscheiden“. Zuckerberg beginnt, irgendetwas von Google und diversen Apps zu erzählen. Graham ist ungeduldig, Zuckerberg scheint aus dem Konzept. „Glauben Sie nicht, dass Sie ein Monopol haben?“, stößt der Politiker nach. „Es fühlt sich für mich nicht so an“, erwidert der Milliardär etwas hilflos.

Zuckerberg hat seinen Auftritt in Rollenspielen geübt  

Gerne ist der 33-jährige Konzernchef nicht nach Washington gekommen. Als Student hat er 2004 seine Firma gegründet, und er schwärmt auch bei einem zweistelligen Milliardenumsatz immer noch von den „optimistischen und idealistischen Zielen“, die Facebook verfolge. Zuckerberg redet nicht gerne vor großem Publikum, er trägt meist Jeans und ein graues T-Shirt und wollte nach Bekanntwerden des jüngsten Skandals, bei dem die Daten von 87 Millionen Nutzern abgegriffen und weitergegeben wurden, lieber einen Vertreter zur Anhörung vor dem Kongress schicken. Doch seine Berater drängten ihn, sie schulten ihn in Rollenspielen und steckten ihn in den dunkelblauen Anzug mit fliederfarbener Krawatte, in dem er nun vor den Senatoren und unzähligen Kameraobjektiven sitzt.

Das Ereignis sei ungewöhnlich und spektakulär, hat Senator Chuck Grassley, der Vorsitzende des Justizausschusses, gleich zur Begrüßung gesagt. Immerhin sitzen Zuckerberg insgesamt 44 Senatoren gegenüber, weil auch der Handelsausschuss angerückt ist: „Das mag keine große Gruppe in den Maßstäben von Facebook sein, aber für den Senat ist es bemerkenswert“, hat Grassley gescherzt. Der Andrang der Medien ist gewaltig, die Zuschauer im Saal haben teilweise sechs Stunden angestanden, um einen der begehrten Plätze zu ergattern. 

Politik ist sauer auf Facebook 

Doch nicht nur das Interesse der Öffentlichkeit ist gewaltig, sondern auch die Unzufriedenheit der Politik über die Hass-Nachrichten auf der Online-Plattform, den Missbrauch durch russische Geheimdienst-Trolle und den laxen Umgang mit den Persönlichkeitsrechten der Kunden. „Lange habe ich geglaubt, dass die Tech-Konzerne sich am besten selbst regulieren. Aber das mag sich ändern“, sagt John Thune, der republikanische Vorsitzende des Handelsausschusses. Ein klares Signal.

Zuckerberg wirkt gut vorbereitet. Er bleibt meist regungslos und nippt gelegentlich an seinem Wasserglas. Gleich zu Beginn hat er die vorformulierte Entschuldigung heruntergespult und erklärt, dass man sich bessern wolle. Man habe nicht genug getan, um den Missbrauch der Plattform zu verhindern, liest er vom Papier ab: „Es war mein Fehler, und es tut mir leid.“ Doch wenn er geglaubt hat, er werde mit Samthandschuhen angefasst, hat er sich getäuscht. „Seit 14 Jahren hat sich Facebook immer wieder entschuldigt“, hält ihm Thune entgegen: „Warum sollen wir Ihnen dieses Mal vertrauen?“ Wieder räumt Zuckerberg Fehler ein, die allerdings unvermeidlich seien, wenn man sich so schnell aus einem Start-up in der Studentenbude entwickele. Doch derzeit durchlaufe das Unternehmen „einen philosophischen Wandel“, beteuert er. 

Platte, gute einstudierte Floskeln 

Auch andere Antworten klingen glatt und sind offenbar gut einstudiert. Bei detaillierten Nachfragen muss der Firmenchef mehrfach passen. Ob er schon einmal etwas von dem Software-Anbieter Palantir gehört habe, der offenbar mit der Skandalfirma Cambridge Analytica zusammenarbeitete, will eine Senatorin wissen. Zuckerberg fragt zweimal nach, ist sich dann nicht sicher. Überhaupt sei er nicht in alle Aktivitäten seines Konzerns involviert, weicht er bei nächster Gelegenheit aus. „Das will ich genau überprüfen, bevor ich antworte“, sagt er ein anders Mal, oder: „Mein Team wird das nachreichen.“

Ein Fiasko bleibt Zuckerberg erspart. Aber den Eindruck, dass er die Problematik seines Geschäftsmodells wirklich begriffen hat, gewinnt man nicht. Der Konzern lebt von der Nutzung der Daten seiner Kunden. Auf jeden Fall wolle er zumindest eine Version von Facebook weiter kostenlos anbieten, erklärt Zuckerberg. „Als Gegenleistung betrachten Sie meine Daten also als ihr Eigentum?“, hakt der demokratische Senator Bill Nelson nach. Zuckerberg schüttelt den Kopf und greift nach seinem Wasser. „Die Leute haben die Kontrolle, wie ihre Informationen gebraucht werden“, behauptet er.

Der jüngste Datenskandal hat gezeigt, dass die Wirklichkeit anders aussieht. 

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