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Frankreich

Vor der Präsidentenwahl 2022: Marine Le Pen überholt Präsident Macron

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Die Rechtspopulistin Marine Le Pen führt Rennen für die Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2022 an. Ob sie aber bei einer Stichwahl gewinnen kann, ist unklar.

  • Im Frühjahr 2022 stehen in Frankreich die Präsidentenwahlen an.
  • Marine Le Pen will den bisherigen Präsidenten von Frankreich, Emmanuel Macron, herausfordern.
  • Le Pen führt in aktuellen Umfragen.

Paris - Die erste ernstzunehmende Erhebung zu den französischen Präsidentenwahlen im Frühjahr 2022 hat viele überrascht. Marine Le Pen würde gemäß dem Institut Harris den ersten Wahlgang mit 27 Prozent der Stimmen vor dem amtierenden Staatschef Emmanuel Macron mit 24 Prozent gewinnen.

Frankreich: Marine Le Pen führt wider Erwarten bei Umfragen

Abgeschlagen folgen die Konservativen Xavier Bertrand (16 Prozent) und Valérie Pécresse (14 Prozent) vor dem Linken Jean-Luc Mélenchon (elf Prozent), der Linken Anne Hidalgo (sieben Prozent) und dem Grünen Yannick Jadot (acht Prozent). Der Ausgang einer möglichen Stichwahl blieb unerforscht. Le Pen steigert sich damit gegenüber dem ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen von 2017, als sie 21,6 Prozent erhielt.

Eine Stimmenmehrheit scheint für Marine Le Pen im zweiten Wahlgang unerreichbar.

Politolog:innen glaubten im Gegenteil, der Donald Trump-Effekt sei verpufft und die Corona-Krise für Le Pen ein politischer Rückschlag. Opportunistisch stellt sie sich einmal gegen die Impfung, dann wieder dahinter; und auch gegenüber den Verschwörungstheoretiker:innen inner- und außerhalb ihrer Partei findet sie keine klare Linie. Warum startet Le Pen dennoch aus der Führungsposition in das mehr als einjährige Rennen? Zum einen wohl, weil ihr Hauptwidersacher Macron in der Pandemie keine gute Figur macht. In allen Fragen – Schutzmasken, Tests und Impfung – erweist er sich als erstaunlich unsicherer Krisenmanager.

Frankreich: Die Mittelklasse lehnt Le Pen ab

Zum anderen trügt der Schein: Le Pen, die seit zehn Jahren an der Spitze des „Rassemblement National“ (früher „Front National“) steht, hat zwar eine solide Wählerschaft bei Globalisierungsgegner:innen, Arbeiter:innen und jungen Arbeitslosen. Doch die Mittelklasse und die älteren Jahrgänge bleiben ihr weitgehend verschlossen. Im zweiten Wahlgang scheint eine Stimmenmehrheit für sie unerreichbar. Seit ihrem verpatzten TV-Duell von 2017 gegen Macron schreckt sie viele nicht nur mit ihren Hasstiraden ab, sondern auch wegen ihrer fachlichen Inkompetenz.

Macron können Le Pens gute Umfragewerte nur recht sein. Er stilisiert die französische Königswahl zu einem Glaubenskrieg zwischen bornierten Nationalisten und liberalen Demokraten. Damit sucht er Rechts- und Linkskandidaten auszuschalten, die ihm im zweiten Wahlgang gefährlicher als Le Pen werden könnten. (Stefan Brändle)

Rubriklistenbild: © FRANCOIS LO PRESTI/AFP

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