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„Diejenigen, die „Maria 2.0“ gestartet haben, sind keine radikalen Frauen am Rande.“

Maria 2.0 

Malu Dreyer: „Die Kirche muss sich bewegen“

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Ministerpräsidentin Malu Dreyer über die Frauen hinter „Maria 2.0“ und die Kirche, die sie sich für die Zukunft wünscht. 

Frau Dreyer, Katholikinnen streiken für mehr Frauenrechte. Ein entscheidendes Instrument aus der Arbeiterbewegung wandert in die Kirche ein. Wie sehen Sie das?
Diese Aktion ist aus meiner Sicht ein öffentlicher Aufschrei: So kann es nicht weitergehen! Diejenigen, die „Maria 2.0“ gestartet haben, sind keine radikalen Frauen am Rande, sondern sie kommen aus der Mitte der Gemeinden. Sie engagieren sich viele Stunden ehrenamtlich als Lektorinnen, Kommunionmütter, beim Krankenbesuch und vieles mehr. Sie kämpfen für die Zukunft ihrer Kirche. Und die große Resonanz zeigt, dass sie damit einen Nerv getroffen haben.

Gott lässt sich nicht bestreiken. Treibt der Boykott von Gottesdiensten Schindluder mit dem Heiligen, wie Kritiker sagen?
Die Aktion hat niemanden daran gehindert, in den Gottesdienst zu gehen. Hier wird nicht der Dienst an Gott bestreikt. Im Gegenteil: Die Frauen von „Maria 2.0“ stehen vor den Kirchentüren, beten, singen und feiern und zeigen so: Wir sind Katholikinnen und wollen das auch bleiben. Aber wir können nicht mehr einfach so tun, als sei nichts geschehen.

Malu Dreyer, geboren 1961, ist Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und stellvertretende SPD-Vorsitzende. Sie gehört dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an, dem Dachverband der katholischen Laien.

In Politik und Gesellschaft können Frauen alles erreichen, in der Kirche sind ihnen die Leitungsämter mit Weihe verwehrt. Wie nehmen gerade Sie als Spitzenpolitikerin und aktive Katholikin diese Ungleichzeitigkeit wahr?
Ich bin überzeugt, dass die gleiche Teilhabe von Frauen an Diensten und Ämtern mit darüber entscheiden wird, ob die katholische Kirche auch in Zukunft Menschen für das Evangelium gewinnen kann. Denn ich erlebe, dass die Argumente, die die Frauen ausschließen, niemanden mehr überzeugen. Hier muss sich die Kirche bewegen.

Zur Sache

Maria 2.0 ist eine Initiative von Katholikinnen aus Münster. Sie riefen für die laufende Woche zum Kirchenstreik auf, um gegen Missbrauch und die Ausgrenzung von Frauen in der katholischen Kirche zu protestieren.

Der Kirchenstreik fordert auch andere Reformen in der Kirche zur konsequenten Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Gibt es da überhaupt einen Zusammenhang mit der Frauenfrage oder überlagern sich hier Debatten in falscher Weise?
Es liegt in der Verantwortung der Bischöfe, aus dem jahrzehntelangen Missbrauch durch Kleriker Konsequenzen zu ziehen. Dazu gehört, dass bis in jüngste Zeit Täter geschützt und Opfer missachtet wurden. Für die Aufarbeitung muss die Perspektive der Opfer leitend sein. Es gehört aber auch dazu, die Strukturen in der Kirche unter die Lupe zu nehmen, die den jahrzehntelangen Missbrauch, das Vertuschen und Verschweigen und die Missachtung der Opfer begünstigt haben. Das geht an die Wurzel kirchlicher Strukturen. In der Frage der Rolle der Frauen in der Kirche bündeln sich viele Fragen wie in einem Brennglas.

Geben Sie der Kirche in Deutschland noch Zukunft? – Unter welchen Voraussetzungen?
Die Kirche hat eine Zukunft, aber sie muss sich auf den Weg machen und konkrete Schritte gehen, die möglichst viele mitgehen können. Als Christin wünsche ich mir eine Kirche, die für Gottvertrauen, Nächstenliebe und Solidarität steht und in der sich Männer und Frauen gleichberechtigt einbringen können.

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