Mannheim

Ermittlungen nach Tod in U-Haft

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Ruandischer Rebellenführer starb in Mannheim. 

Die Anwältin des in deutscher Haft gestorbenen ruandischen Rebellenführers Ignace M. erhebt schwere Vorwürfe. Sie hat nach eigenen Angaben Anzeige etwa wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung oder fahrlässiger Tötung erhoben. „Die Rolle des deutschen Staats ist fragwürdig und problematisch“, sagte Anwältin Ricarda Lang.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim bestätigte den Eingang der Anzeige: Es sei ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet und die Obduktion des Leichnams habe stattgefunden. Aber erst nach dem schriftlichen Ergebnis der Autopsie sei zu beurteilen, ob und wie die Ermittlungen weitergehen.

Der in Deutschland als Rädelsführer einer ausländischen Terrorvereinigung im Ostkongo verurteilte M. war am 16. April mit 55 Jahren in einer Mannheimer Klinik gestorben. Neuneinhalb Jahre saß er dann schon in Untersuchungshaft. Der Gesundheitszustand des Chefs der Vereinigung „Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas“ (FDLR) hatte sich nach Angaben des Oberlandesgerichts Stuttgart am 11. April in der U-Haft plötzlich verschlechtert.

Die Anwältin berichtete hingegen von einer längeren Erkrankung an der Wirbelsäule, auf die nicht angemessen reagiert worden sei. „Meinem Mandanten wurde zu spät geholfen“, sagt sie. „Er war seit vier Wochen bettlägerig. Als er ins Krankenhaus kam, ist er binnen einiger Tage gestorben. Wäre er da früher hingegangen, hätte er möglicherweise überlebt.“ Eine vom Orthopäden empfohlene Untersuchung sei wegen eines Defekts des Röntgengeräts im Gefängnis auf die lange Bank geschoben worden, kritisierte die Anwältin. Zudem sei der mutmaßliche afrikanische Kriegsverbrecher aufgrund seiner strengen Haftbedingungen in einem schlechten Allgemeinzustand gewesen.

Das OLG Stuttgart hatte M. 2015 wegen Rädelsführerschaft in Tateinheit mit Beihilfe zu vier Kriegsverbrechen zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil jedoch im Dezember 2018 teilweise auf.

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