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Machte Fox News zu einem Sender populistisch-patriotischer Propaganda: Roger Ailes.

Roger Ailes

Der Mann, der Trump gemacht hat

Fox-Chef Roger Ailes muss nach Anschuldigungen über sexuelle Belästigung zurücktreten. Wie kein anderer schuf er in den USA das Klima, das den Aufstieg von Trump ermöglichte.

Von Sebastian Moll

Das Timing entbehrte nicht einer gewissen Pikanterie. Nur wenige Stunden, bevor am Donnerstagabend Donald Trump in Cleveland seine Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten zelebrierte, wurde bekannt, dass der Mann, der Trump gemacht hat, von der öffentlichen Bühne verschwinden muss. Es war ein wenig so, als ob Trump auf dem Gipfel seines Erfolges nicht mehr auf die Trittleiter angewiesen ist, die ihn dorthin gebracht hat.

Die Rede ist von Roger Ailes, dem Chef des TV Netzwerks Fox News, der nach Anschuldigungen über sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz an diesem Wochenende zurücktreten muss. Ailes trug wie kein anderer dazu bei, in Amerika das Klima zu schaffen, das den Aufstieg Donald Trumps ermöglicht hat. Als Medienmogul Rupert Murdoch Mitte der 90er Jahre nach jemandem suchte, der eine politische Alternative zu den seiner Meinung nach linkslastigen TV-Sendern der Zeit schaffen konnte, schien Roger Ailes bei weitem die beste Wahl zu sein. Ailes hatte Richard Nixon ins Weiße Haus gebracht, indem er ihm half, als erster Politiker einen modernen, das Fernsehen gezielt einbeziehenden Wahlkampf zu führen. Ähnliches tat er für die konservativen Präsidenten Ronald Reagan und George Bush, die er beide vor und während ihrer Präsidentschaft beriet.

Fox News, von Ailes als „patriotische“ Alternative zu den etablierten Fernsehnetzwerken gedacht, erlebte seinen Aufstieg an die Spitze der nationalen Einschaltquoten in den Jahren 2000 und 2001. Zunächst verteidigte der Sender den frisch gewählten Präsidenten Bush gegen seine liberalen Kritiker. Dann wurde der Sender zur Heimat der nationalistischen Gefühlswelle, welche die Anschläge des 11. September ausgelöst hatte.

Grundlage des Erfolgs von Fox News war indes, dass Ailes einen völlig neuen Tonfall in die Medienlandschaft brachte. Ailes übernahm für Fox eins zu eins die Prinzipien, die ihn bei der PR-Beratung von Kandidaten geleitet hatte. Fox machte nie einen Hehl daraus, der Propaganda-Arm der republikanischen Partei zu sein.

Endlosschleife von ideologischen Phrasen

Ähnlich wie heute Trump stilisierte sich Fox als letzter Bewahrer amerikanischer Werte, die es gegen ihre Feinde zu verteidigen gilt. Diese Feinde waren für ihn selbstverständlich im linksliberalen Lager zu finden.

In den sogenannten Abendnachrichten wiederholten die Moderatoren – unter ihnen ehemalige Kandidaten wie Sarah Palin, Mike Huckabee und Newt Gingrich – unermüdlich dieselben ideologischen Phrasen. Seit dem Amtsantritt von Barack Obama war dies die „Katastrophe“ von Obamas Gesundheitsreform, die Gefahr illegaler Einwanderung, und die Bedrohung durch den Islam – alles Lieblingsthemen von Donald Trump. Berichterstattung im klassischen Sinn fand nicht mehr statt.

Der Erfolg dieses Konzeptes zwang die anderen Fernsehnetzwerke zu reagieren. NBC rief einen ähnlich parteiischen liberalen Sender, MSNBC, ins Leben. Und selbst CNN, obgleich sich das Netzwerk bemühte, die Stimme der Besonnenheit zu bleiben, ersetzte immer mehr echten Journalismus durch „Debatte“ – den Austausch der immer gleichen verbohrten ideologischen Argumente durch sogenannte Experten zur besten Sendezeit.

So schuf Fox unter Ailes die politische Gemengelage, die Donald Trump den Weg bereitete. Trump hatte es leicht, er musste sich lediglich des Tonfalls und des Publikums bedienen, die Ailes bereits geschaffen hatte.
Fox wird nach dem Rücktritt seines Schöpfers nun einstweilen von Konzernchef Rupert Murdoch selbst geführt. Murdoch wird sich bemühen, wenigstens bis zur Wahl im November die Kontinuität des Erfolgskonzepts zu wahren. Danach muss sich dann zeigen, wie sich das politische Klima in den USA weiter entwickelt.

Medienbeobachter wie der „New York Times“-Kolumnist James Poniewozik glauben, dass Fox langfristig wieder moderater wird – Murdochs Erben seien bei weitem nicht so politisch getrieben wie der alternde Patriarch des Medienimperiums. Im Grunde, so Poniewozik, spiele das aber auch keine Rolle mehr. Mit dem Aufstieg von Donald Trump habe der Sender seine Bestimmung erreicht. Trump brauche Fox nicht mehr, was sich zuletzt in seiner Auseinandersetzung mit Fox-Moderatorin Megyn Kelly zeigte. Trump brauche nur Trump. Und falls er im November verlieren sollte, so Poniewozik, läge nichts näher, als dass er seinen eigenen Nachrichtenkanal startet.

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