Walter Lübcke war schon lange in der kommunalen Politik tätig und in diversen Konflikten erprobt.
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Walter Lübcke war schon lange in der kommunalen Politik tätig und in diversen Konflikten erprobt.

Walter Lübcke

Mann klarer Worte

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Walter Lübcke galt als lebensbejahend und bodenständig – ein Porträt.

Hemdsärmelig, bodenständig, engagiert – das sind die Worte, mit denen Walter Lübcke von seinen politischen Wegbegleitern beschrieben wird. Der Mann, der vor einem Jahr auf seiner Terrasse im nordhessischen Wolfhagen-Istha erschossen wurde, war bundesweit bekannt geworden durch sein resolutes Eintreten für eine menschenwürdige Unterbringung von Geflüchteten im Jahr 2015.

Bei einer Bürgerversammlung in Lohfelden warb er in hitziger Atmosphäre für eine Unterkunft. „Es lohnt sich, in unserem Land zu leben. Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen“, sagte Lübcke. Diese Worte, die oft verkürzt wiedergegeben wurden, brachten ihm massive Anfeindungen aus der rechtsextremen Szene ein.

Lübcke war in Konflikten erprobt. Er hatte lange Kommunalpolitik betrieben, ehe er 1999 für die CDU in den hessischen Landtag einzog. Dort machte sich der gelernte Bankkaufmann und promovierte Wirtschaftswissenschaftler für den Ausbau der Autobahnen und den Bau des Flughafens Kassel-Calden stark.

Bei der Landtagswahl 2009 verlor Lübcke sein Mandat. Doch schon wenige Monate später wurde er von dem damaligen Innenminister Volker Bouffier (CDU) zum Regierungspräsidenten in Kassel ernannt.

Offiziell endete Lübckes Dienstzeit am 31. März 2019, zwei Monate vor seiner Ermordung. Auf Wunsch von Ministerpräsident Bouffier verlängerte der Parteifreund um sechs Monate. Er sei eben „Beamter auf Lebenszeit“, kommentierte der Nordhesse. Niemand konnte ahnen, dass sein Leben so jäh beendet werden würde.

Die CDU-Landtagsfraktion erinnerte zum Prozessauftakt an den „lebensbejahenden Mensch, einen Brückenbauer, der die Interessen der Bürger in Nord- und Osthessen und weit darüber hinaus mit großer Empathie vertreten“ habe. „Es war sein Demokratieverständnis, das ihn immer wieder klare Worte für die Werte unserer freiheitlichen Gesellschaft finden ließ“, sagte CDU-Fraktionschefin Ines Claus. „Umso unverständlicher ist, dass es genau diese vorbildlichen Tugenden waren, die ihm menschenverachtende Anfeindungen und puren Hass entgegenbrachten.“

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