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Protagonistin der Seifenoper: Omarosa Manigault.

USA

Manigaults spektakulärer Rausschmiss

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Nach dem Abgang von Sean Spicer, der Intrige gegen Reince Priebus und dem Rauswurf von Anthony Scaramucci folgt die nächste Seifenoper im Weißen Haus: Omarosa Manigault, die Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit, wird nach einem Streit mit Stabschef John Kelly aus dem Gebäude geleitet.

Das Erfolgsgeheimnis jeder Fernsehserie besteht in ihrer beständigen Spannung.  Man kennt die Akteure, erleidet mit ihnen Schicksalsschläge – und weiß immer, dass das nächste Drama nur 24 Stunden oder eine Woche entfernt ist. Auf der politischen Bühne beherrscht der einstige Reality-TV-Star Donald Trump das Genre wie kein Zweiter. Doch hat er die tägliche Seifenoper aus dem Weißen Haus zuletzt etwas vernachlässigt: Nach dem Abgang von Pressesprecher Sean Spicer, der Intrige gegen Amtschef Reince Priebus und dem Rauswurf von Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci hing die Handlung etwas durch.

Jetzt werden die Fans des realen „House of Cards“ mit dem fulminanten Start einer neuen Staffel entschädigt: Am Dienstagabend, als Trump in seiner Dienstwohnung den Untergang seines Kandidaten in Alabama verfolgte, hat sich wenige Meter entfernt im Westflügel des Weißen Hauses ein echtes Schauspiel abgespielt: Nach Ohrenzeugenberichten gerieten Stabschef John Kelly und Omarosa Manigault, die Direktorin für Öffentlichkeitsarbeit, lautstark aneinander. Aus Verärgerung über seine Kündigung soll der einstige Serienstar aus Trumps Show „The Apprentice“ versucht haben, direkt zum Präsidenten vorzudringen und sich zu beschweren. Daran wurde sie gehindert und angeblich aus dem Gebäude geleitet.

Was war der Anlass für den Streit?

Soweit decken sich die Berichte in verschiedenen amerikanischen Medien, die sich jeweils auf Quellen in der Regierung stützen. Manigault selber weist die Darstellung zurück. Auch ist unklar, was genau der Anlass für die Auseinandersetzung war. Unstreitig ist: Nun sorgt die Sache in Washington für erheblichen Wirbel. Immerhin war Manigault die einzige afro-amerikanische Frau in Trumps Regierung, und der Präsident hatte offenbar einen persönlichen Draht zu ihr. „Viele haben ein Problem mit meiner 14-jährigen Verbindung zum Präsidenten. Natürlich habe ich einen besseren Zugang als sie“, erklärte Manigault am Donnerstag im amerikanischen Frühstücksfernsehen.

Ihre zahlreichen Kritiker werfen der exaltierten 43-Jährigen hingegen berufliches Versagen und nervige Extratouren vor. Unvergessen ist, wie sie im April mit ihrer Hochzeitsgesellschaft im West Wing auftauchte, um ein Erinnerungsfoto zu machen, dessen Veröffentlichung dann unterbunden wurde. Öfter soll die Top-Beamtin mit einem Jahresgehalt von 179.000 Dollar auch in Meetings hineingeplatzt sein, zu denen sie keinen Zugang hatte. Bei der Kontaktanbahnung mit der schwarzen Zivilgesellschaft war sie nicht ganz so erfolgreich. Auch soll ihre Jobbeschreibung völlig unklar gewesen sein.

Offenbar war Ex-General Kelly der unkontrollierte Zugang Manigaults zum Präsidenten ein Dorn im Auge. Der Rausschmiss sei Teil des „nötigen Großreinemachens“ im Weißen Haus gewesen, heißt es in seinem Umfeld. Manigault hingegen behauptet, sie habe ihrerseits gekündigt. „Als einzige afro-amerikanische Frau in der Regierung habe ich viel erlebt, bei dem ich mich unwohl fühlte“, sagt sie. Das gibt der Seifenoper eine politische Note. Beobachter weisen freilich darauf hin, dass Manigault bislang Trumps Politik stets loyal verteidigt habe.

Die Story bietet also reichlich Potenzial für eine Fortsetzung, zumal sich nun der Secret Service  zu Wort meldet: Seine Personenschützer seien nicht an der Eskorte zum Tor des Weißen Hauses beteiligt gewesen, betont der sonst eher schweigsame Dienst per Twitter. Allerdings habe man Manigaults Hausausweis eingezogen. Offiziell bleibt die Politberaterin noch bis zum 20. Januar im Amt. Dann hat sie ein volles Dienstjahr erreicht. „Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg“, rief Trump ihr in einem Tweet hinterher.

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