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Mangel an Ausrüstung

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Von: Jan Dirk Herbermann

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Das Gesundheitssystem in der Ukraien könnte schon bald zusammenbrechen.

Knapp zwei Wochen nach Beginn der Aggression Russlands nähert sich das Gesundheitssystem der Ukraine dem Kollaps. Der Regionaldirektor für Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Hans Henri Kluge, warnt vor einer „menschlichen Katastrophe“ in dem überfallenen Land. Als unmittelbar lebensgefährlich erweisen sich die militärischen Attacken auf Gesundheitseinrichtungen. Bislang konnte die WHO 16 Angriffe auf Einrichtungen bestätigen, bei denen rund zwei Dutzend Menschen verletzt oder getötet wurden. Weitere Militärschläge werden untersucht. Der WHO-Direktor lässt offen, wer für die Angriffe verantwortlich ist. Andere UN-Vertreter wie der Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, betonen, dass der Beschuss von Zivilisten und zivilen Einrichtungen „das schlimmste Kriegsverbrechen“ darstellt.

Insgesamt befinden sich nach WHO-Einschätzung Hunderte von Krankenhäusern, Arztpraxen und andere medizinischen Anlaufstellen in den Kampfzonen und in Gebieten, die bereits von den russischen Invasoren erobert worden sind. „Die Menschen dort trauen sich wegen der Kämpfe und der Explosionen nicht, zu einer nötigen Behandlung zu gehen“, sagt Tarik Jasarevic, WHO-Sprecher, derzeit in der Ukraine. Auch Gesundheitspersonal wagt sich oft aufgrund der extrem angespannten Sicherheitslage nicht zum Arbeitsplatz. Ein Brennpunkt der eskalierenden Gesundheitskrise ist die südliche Hafenstadt Mariupol, die unter starkem russischem Beschuss steht. Der Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, Ewan Watson, spricht von einer „apokalyptischen Situation“ in dem eingeschlossenen Ort, in dem in Friedenszeiten mehr als 400 000 Menschen leben.

Die humanitären Vorräte des Roten Kreuzes in Mariupol, darunter medizinische Güter, sind nach Angaben des Sprechers aufgebraucht. Ebenso herrscht in den Gesundheitseinrichtungen anderer Regionen der Ukraine ein großer Mangel an Medikamenten und Ausrüstung. Die Stromversorgung ist in vielen Gebäuden des Gesundheitswesens unterbrochen und sauberes Wasser nicht mehr verfügbar. Bislang brachte die WHO zwei Konvois mit 76 Tonnen medizinischem Material in die Ukraine; die Gewalt verhindert aber eine schnelle Auslieferung der Güter an die Krankenhäuser.

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