1. Startseite
  2. Politik

Russische Söldner töten Hunderte Menschen in Mali – und Moskau profitiert

Erstellt:

Von: Nail Akkoyun

Kommentare

In Mali verbreiten die Söldner des russischen Militärunternehmens Gruppe Wagner Angst und Schrecken. Moskau profitiert finanziell von den Gräueltaten.

Moura – In der Stadt Moura in Mali sollen mindestens 300 Menschen von russischen Söldnern getötet worden sein. Dies berichtet die US-amerikanische Tageszeitung The Washington Post. Hintergrund ist der Anschluss Hunderter russischer Kämpfer an die malische Arme im vergangenen Winter, um Gebiete von Gruppen zurückzuerobern, die loyal gegenüber Al-Qaida und dem Islamischen Staat (IS) stehen sollen.

Bei den russischen Männern soll es sich um Söldner der Gruppe Wagner halten – nach Ansicht der USA und westlichen Verbündeten ein verdeckter, paramilitärischer Arm des Kremls. Das rechtsextreme Militärunternehmen wurde in der Vergangenheit wiederholt wegen Kriegsverbrechen angeklagt und wird beschuldigt, eine blutige Spur im Nahen Osten und in Afrika hinterlassen zu haben. Internationale Geheimdienstmitarbeiter:innen sowie Sicherheitsforschende gehen davon aus, dass die Gewinne des Unternehmens zurück nach Moskau fließen und damit Wladimir Putin samt dessen Ukraine-Krieg finanziell unterstützen – und das in einer Zeit, in der Russland wegen des Überfalls auf das Nachbarland zunehmend wirtschaftlich isoliert wird.

Mali: Militärregierung lässt sich Wagner-Dienste monatlich 10 Millionen US-Dollar kosten

Die Liste der Vorwürfe, die den Wagner-Söldnern gemacht werden, ist lang. Neben dem sexuellen Missbrauch von jungen Frauen und Mädchen sollen in den letzten Monaten zahlreiche unschuldige Menschen getötet worden sein. Dies berichteten Zeug:innen in Gesprächen mit der Washington Post. Männer, die sie für russische Agenten halten, sollen unter dem Vorwand, den Frieden wiederherzustellen, wahllos Zivilist:innen erschossen haben.

Russische Söldner hinterlassen seit Monaten eine blutige Spur in Mali. (Symbolfoto)
Russische Söldner hinterlassen seit Monaten eine blutige Spur in Mali. (Symbolfoto) © Tanguy Vabatte/Imago Images

„Es gibt eine ganze Reihe von Augenzeugenberichten über die Anwesenheit weißer Soldaten, die eine unbekannte Sprache sprechen“, sagte Héni Nsaibia, leitender Forscher beim Armed Conflict Location and Event Data Project (ACLED), das gewaltsame Ereignisse in aller Welt dokumentiert. Zunehmende Beweise würden „stark darauf hindeuten, dass es sich um private russische Militäraufträge und nicht um konventionelle russische Streitkräfte handelt“, sagte Nsaibia weiter.

Angaben von US-Militärs zufolge, die sich auf Afrika konzentrieren, sind derzeit zwischen 800 und 1000 russische Söldner in Mali aktiv und erbringen Dienstleistungen, die die malische Militärregierung monatlich bis zu 10 Millionen US-Dollar kosten. Offiziell sollen sie den Präsidentenpalast bewachen und Extremisten im Buschland verfolgen.

Russland schmiedet Allianzen in Afrika – Desinformationskampagne in Mali

Die Gruppe Wagner verschleiert ihre Aktivitäten mithilfe eines Netzwerks von Briefkastenfirmen. Doch Dokumente und Fotos, die der Washington Post vorliegen, zeigen, deuten auf eine verstärkte russische Präsenz in Mali hin. So zeigen Satellitenfotos den Aufbau einer Militärbasis außerhalb der Hauptstadt Bamako. Zudem offenbaren Flugaufzeichnungen unangekündigte Flüge russischer Luftwaffenjets nach und aus Mali.

Moskau wollte sich zu den Erkenntnissen nicht äußern. Noch im März beteuerte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow gegenüber der Washington Post allerdings, dass man „nichts mit den Aktivitäten privater Militärfirmen im Ausland zu tun“ habe. Auch die malische Regierung und die Armee reagierten nicht auf Anfragen der US-Zeitung.

Russland, welches sich seit dem 24. Februar 2022 im Krieg mit der Ukraine befindet, hat inzwischen seit Monaten auch mit den westlichen Sanktionen zu kämpfen. Zeit für den Kreml, Allianzen außerhalb Europas zu schmieden. Putin richtete sein Augenmerk bereits vor geraumer Zeit auf afrikanische Länder, darunter auf Mali. Dass Frankreich Ende letzten Jahres den Anzug tausender Truppen angekündigt hatte, spielte Moskau nur in die Karten. Inzwischen beherrschen Extremisten etwa zwei Drittel des Landes.

In Bamako hat sich die malisch-russische Beziehung als populär erwiesen – auch dank einer Desinformationskampagne, die höchstwahrscheinlich auf Moskau zurückgeht. Auf Kundgebungen in Mali sind seit geraumer Zeit regelmäßig russische Flaggen und Schilder zu sehen, auf denen die rechtsextreme Wagner-Gruppierung gepriesen wird.

Eine Kundgebung in Bamako: Zwei Männer strecken die russische Flagge in die Luft. (Archivfoto)
Eine Kundgebung in Bamako: Zwei Männer strecken die russische Flagge in die Luft. (Archivfoto) © Richard Mazzella/Imago

Wagner-Söldner in Mali: „Die schlimmste einzelne Gräueltat einer Gruppe“

Außerhalb der Hauptstadt weicht die Begeisterung jedoch der Angst. Seit der Ankunft der Wagner-Männer ist die Zahl der Malier:innen, die in das benachbarte Mauretanien fliegen, sprunghaft angestiegen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks haben sich die Registrierungen in einem Flüchtlingslager nahe der Grenze seit Februar 2022 mehr als vervierfacht.

„Ich habe Angst vor den Extremisten“, sagte ein Kuhhändler aus Moura gegenüber der Washington Post. „Ich habe Angst vor der malischen Armee und diesen weißen Soldaten. Nirgendwo ist es sicher.“ Nach Schätzungen des ACLED haben malische Soldaten und ihre russischen Partner von Januar bis Mitte April mindestens 456 Zivilist:innen getötet. Das größte Massaker hat sich in Moura ereignet, wo 300 Menschen während einer viertägigen Operation Ende März getötet wurden, wie eine Untersuchung von Human Rights Watch ergab.

„Ich habe über ein Jahrzehnt lang Gräueltaten von allen Seiten in Mali dokumentiert, und während bewaffnete Islamisten Hunderte von Menschen massakriert haben, ist dies die schlimmste einzelne Gräueltat einer Gruppe“, sagte die Autorin Corinne Dufka über die Taten der Wagner-Söldner. (nak)

Auch interessant

Kommentare