1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Konflikt bei Maischberger (ARD) - Habeck spricht von „massivem Landkrieg“

Erstellt:

Von: Teresa Schomburg

Kommentare

Robert Habeck am Mittwochabend bei „Maischberger“ in der ARD.
Robert Habeck am Mittwochabend bei „Maischberger“ in der ARD. © Screenshot: ARD-Mediathek

Nur wenige Stunden, bevor Russland eine Militäroffensive auf die Ukraine startet, diskutiert die ARD-Runde von Maischberger noch über die Lage.

Berlin – „Ganz Europa hält den Atem an: Droht ein Krieg?“, steigt Sandra Maischberger (ARD) mit Blick auf die Lage in der Ost-Ukraine hart ein. Ex-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) und der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz zeigen sich wenig überrascht von Wladimir Putins Schachzug, die ostukrainischen „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk anzuerkennen und geben sich im ersten Teil von „Maischberger. Die Woche“ erstaunlich einig in ihrer Einschätzung über die Motive Putins.

Das wiederum lässt Moderatorin Maischberger eher blass aussehen. „Putin kennt uns genau und weiß, wo unsere weichen Stellen sind“, sagt Gabriel. „Russland ist abgestiegen auf den Status eines Energie-Liferanten, aber Putin will wieder eine Großmacht daraus machen.“ Und Friedrich Merz ergänzt in der ARD: „Wir sind alle zu naiv gewesen. Putin will die europäische Landkarte neu schreiben.“

Ukraine-Konflikt wird zum Thema bei Sandra Maischberger

„Aber wie weit wird er dafür gehen?“, fragt Maischberger. Wenn sich mit zwei möglichen Kontrahenten zwar die Lage analysieren, aber nicht kontrovers diskutieren lässt, will die ARD-Moderatorin wenigstens diese Frage beantwortet haben. „Putin riskiert nicht einen Krieg, er hat ihn ja schon“, sagt Friedrich Merz in der ARD-Sendung. Und Sigmar Gabriel schafft es mit seinen Statements gleichzeitig zu beruhigen und zu beunruhigen: „Putin wird kein Nato-Territorium angreifen“, womit er vor allem auf die baltischen Staaten anspricht. „Er will aber derjenige sein, der die Fäden in der Hand hält“. Schließlich sei Russland es allein schon historisch gewohnt, über Europa und nicht mit Europa zu verhandeln, das sei 1945 ebenso gewesen wie 1989. 

Robert Habeck (B‘ 90/Grüne)Vizekanzler
Friedrich Merz (CDU)Parteivorsitzender
Sigmar Gabriel (SPD)Bundesaußenminister a.D.
Ljudmyla MelnykUkraine-Expertin
Kristina DunzRedaktionsnetzwerk Deutschland
Hubert SeipelPutin-Biograf

Erstaunliche Einigkeit bei Maischberger zum Ukraine-Konflikt zwischen Sigmar Gabriel und Friedrich Merz

Auch bei der Wahl der Mittel, die Deutschland in Sachen Ukraine nun ergreifen kann, sind sich Sigmar Gabriel und Friedrich Merz einig. „Wir müssen das Thema Abschreckung in den Vordergrund stellen und mit dem Sanktionsregime weiter machen“, sagt der CDU-Vorsitzende. Waffenlieferungen seien aber definitiv keine Option, eine militärische Intervention käme nicht in Frage. Sandra Maischberger unternimmt noch einen Versuch, provokant nachzuhaken, ob es auch wirklich klug sei vom Westen, eine militärische Antwort auszuschließen. „Ja sicher“, kontert Sigmar Gabriel leicht entrüstet, „oder wollen wir einen Nuklearkrieg mit Russland?“. Friedrich Merz nickt zustimmend. Als sich zum Ende dieses Teils der ARD-Diskussionsrunde Sigmar Gabriel und Friedrich Merz sogar noch beginnen zu duzen, entlässt Sandra Maischberger sie in den Feierabend und wendet sich ihren drei Kommentatoren zu.

Putin-Biograf Hubert Heipel spricht Mit-Diskutantin bei Maischberger die Kompetenz zum Ukraine-Konflikt ab

Hier gibt es deutlich mehr Zündstoff-Potential. Die Ukraine-Expertin Ljudmyla Melnyk hat eine klare Perspektive auf den russischen Präsidenten und seine Motive im Ukraine-Konflikt: „Putin lebt in einer anderen Welt und verdreht die Tatsachen“, sagt sie. Sich seine Rede am Montag anzuhören, sei für die Menschen in der Ukraine „sehr erniedrigend“ gewesen. Der Putin-Biograf Hubert Seipel hingegen hält diese Rede vor allem für „sehr emotional“, sie zeige: „Putin fühlt sich bedroht“.

Mit einer Reihe von Details und Fakten versucht Hubert Seipel darzulegen, warum das Bedrohungsgefühl Wladimir Putins durch die Ostwärts-Bewegungen der Nato durchaus nachzuvollziehen sei. „Putin hat beobachtet, wie sich die Nato von zwölf auf 30 Staaten aufgebaut hat und war 2008 in Bukarest dabei, als die Nato beschlossen hat, die Ukraine aufzunehmen, aber nicht sofort“. Dabei gibt Seipel, der den russischen Präsidenten schon sehr oft persönlich traf, den Putin-Versteher.

Seinen beiden Diskussionspartnerinnen, vor allem Kristina Dunz vom Redaktionsnetzwerk Deutschland, deren Einschätzung nach Putin „auf die große Weltmachtbühne will“ spricht er dagegen mit Blick auf Putins mögliche Motive die Kompetenz ab: „Woher nehmen Sie diese psychologischen Kenntnisse, Sie haben Putin ja nie getroffen?“. Kristina Dunz wiederum lässt sich nicht davon beirren und stellt die These auf: „Putin hat weniger Angst vor der Nato und mehr Angst vor der demokratischen Entwicklung in Ländern wie der Ukraine: Oppositionelle werden nicht vergiftet, Journalisten nicht erschossen. Putin hat Angst, dass das in sein Land kommt“.

Maischberger: Robert Habeck sichtlich „angefasst“

Zum Schluss hat sich Sandra Maischberger noch Vizekanzler Robert Habeck (Bündnis 90 / Die Grünen) zum Zwiegespräch in der ARD eingeladen und könnte ihn nun vor allem zu den Fragen der künftigen Energiequellen angesichts des Stops von Nord Stream 2 befragen. Bevor sie das tut, will sie allerdings auch vom Vizekanzler noch detailliert seine Einschätzung zur militärischen und diplomatischen Situation wissen. „Wir stehen kurz vor einem massiven Landkrieg in Europa,“ bringt ein angestrengt und besorgt wirkender Robert Habeck nur mühsam hervor. „Es fällt schwer zu glauben, dass man wieder in ein diplomatisches Gespräch einsteigen kann.“ Trotzdem sei es richtig, weiter das Gesprächsformat mit Putin zu suchen, „aber im Moment ist das nicht gewollt“. 

Nachdem eine an diesem Teil des Abends ziellos wirkende Sandra Maischberger dem Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz zunächst noch direkt ins Gesicht sagt, er wirke „wirklich angefasst“, ihn dreimal vergeblich fragt, ob die Linie der Bundesregierung, keine Waffen zu liefern, auch seine eigene sei, ihm einen völlig überflüssigen und auch bereits gelöschten recht zynischen Tweet des Außenbeauftragten der EU Josep Borrell über mögliche Sanktionen der EU und wie sie die Vorlieben russischer Oligarchen wie Shopping in Mailand treffen könnten, ist es endlich Zeit für die Analyse der Energiesituation.

Aber da bleibt schon kaum noch Sendezeit übrig. Der Stopp der Pipeline Nord Stream 2, von der Habeck ohnehin noch nie ein Fan war, sei zunächst noch gar keine Sanktion, sondern ein reguläres Prüfverfahren, erklärt der. Darüber hinaus könne die aktuelle Situation, so bedrohlich sie sei, insofern auch eine Chance bieten, als sie ein Treiber für Veränderungen sein könnte: Deutschland müsse nicht abhängig von russischem Gas sein. „Die energetische Unabhängigkeit ist ein hoher Wert“, so Robert Habeck und fügt mit Blick auf die Energiewende hinzu: „Wozu wir bereit sind müssen, ist hinreichend klar“. Klarer jedenfalls als weite Teile dieses ARD-Abends, der in viele Einzelteile zerfiel. (Teresa Schomburg)

Auch interessant

Kommentare