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Der Globus, ein filigranes, gefährdetes Gebilde: Die Forscher des Club of Rome haben wiederholt Empfehlungen gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen gegeben.
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Der Globus, ein filigranes, gefährdetes Gebilde: Die Forscher des Club of Rome haben wiederholt Empfehlungen gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen gegeben.

50 Jahre Club of Rome

Die Mahner der Menschheit

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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"Wir sind dran" heißt der jüngste Bericht der Denkfabrik Club of Rome. Resigniert haben die Experten auch nach 50 Jahren nicht.

Es war ein schmales Bändchen von 180 Seiten mit vielen Grafiken und Schaubildern. Doch das hatte es in sich. „The Limits to Growth“, zu deutsch „Die Grenzen des Wachstums“ setzte 1972 den Startpunkt für die globale Umweltdebatte. Herausgegeben von dem 1968 gegründeten Thinktank „Club of Rome“ (CoR), schaffte die Studie zur Zukunft der Menschheit es fast überall auf die Bestsellerlisten und erweiterte den politischen Horizont um das Thema Nachhaltigkeit – das damals noch niemand so nannte. Übersetzt in über 30 Sprachen, wurden von ihr 30 Millionen Exemplare verkauft. Das hat seither kein anderes wissenschaftliches Werk geschafft. 

Der Grund dafür war – auch – ein Missverständnis. Denn der Report kam als reine Weltuntergangsprophezeihung rüber. In den pessimistischen Szenarien ihres „Weltmodells“ hatten die Forscher um Dennis Meadows von der US-Universität MIT berechnet, was passiert, wenn die Weltbevölkerung ungebremst wächst, kaum neue Rohstoffvorkommen entdeckt und auch keine großen technologischen Fortschritte erzielt werden. Und das Ergebnis, das der MIT-Großrechner für diesen Fall ausspuckte, waren dramatisch: ein wirtschaftlicher und ökologischer Kollaps der Weltgesellschaft im Laufe des 21. Jahrhunderts. Folge: Die Weltbevölkerung würde drastisch zurückgehen, in Hunger und Elend. Dass es auch andere Szenarien gab, in denen durchgespielt wurde, wie dies zu vermeiden sei, interessierte die Öffentlichkeit weniger.

Die Erdölpreise explodierten weltweit, die Weltwirtschaft rutschte in die Rezession, und in Deutschland reagierte die

Die Krisen-Botschaft schlug ein – zumal als 1973, im Jahr nach der Veröffentlichung, die erste Ölkrise begann, die die Warnungen von den zu Neige gehenden Ressourcen zu belegen schien.

Bundesregierung mit autofreien Sonntagen. Doch der Erfolg der „Grenzen“ beruhte auch auf einem neuen Blick auf die Welt – ausgelöst durch die Apollo-Raumfahrtmissionen. Fünf Jahre vor der Publikation, 1967, waren die ersten Fotos von der Erde aus dem tieferen All veröffentlicht worden. Sie hatten den Zeitgenossen einen plastischen Eindruck von der Schönheit, aber auch Endlichkeit und Begrenztheit des Planeten vermittelt. Der perfekte Resonanzboden für den CoR-Report. 

Interview: Olaf Scholz - wie der Club of Rome sein Denken prägte

Der Club existiert seit 1968. An diesem Samstag feiert er sein 50. Jubiläum im schweizerischen Winterthur, wo er seit 2008 seinen Sitz hat. Die Idee, den Club zu gründen, stammte von dem italienischen Industriellen Aurelio Peccei und dem damaligen OECD-Direktor Alexander King.

Nach einer von den beiden organisierten Konferenz zu Zukunftsfragen der Menschheit in Rom beschlossen sie mit anderen Interessenten, die Ideen weiterzuverfolgen. Die Gruppe gab sich den Namen „Club of Rome“ und definierte zwei Hauptziele: Erstens, die wichtigsten Zukunftsprobleme der Menschheit und des Planeten durch interdisziplinäre und langfristig angelegte Forschung zu identifizieren. Und zweitens, Lösungen und Handlungsoptionen vorzuschlagen, um gesellschaftliche Debatten zur Verbesserung der Zukunft in Gang zu setzen.

Mit dem „Grenzen“-Report, finanziert von der Volkswagen-Stiftung, ist Letzteres fraglos perfekt gelungen. Zwar gab es auch heftige Kritik – unter anderem daran, dass das „Weltmodell“ die Wirklichkeit zu stark vereinfache, zum Beispiel Industrie- und Entwicklungsländer nicht separat behandle. Besonders in den USA und Großbritannien attackierten Wissenschaftler und Politiker die Schwächen des meadowschen Ansatzes und die „Jüngste-Gericht-Botschaft“. Doch die Studie war ganz offensichtlich genau das schonungslose Instrument, das man benötigte, um die Aufmerksamkeit der Welt zu erregen – und die Erkenntnis zu befördern, dass es grenzenloses Wachstum in einer begrenzten Welt nicht geben kann.

Verschiedene Themen der Welt

Seit den „Grenzen“ hat der Club rund 40 weitere Berichte zu den verschiedensten Themen herausgegeben – darunter Abfallproblematik, Bedrohung der Ozeane, Armut und Unterentwicklung, gesellschaftliche Folgen der Mikroelektronik, Zukunft der Arbeit, Kybernetik, Geld und Nachhaltigkeit, effiziente Ressourcennutzung, Rettung der tropischen Regenwälder. Mehrfach hat er Quasi-Updates seiner ersten Studie publiziert, so 1992 „Die neuen Grenzen des Wachstums“ und, weitere 20 Jahre später, „2052: Der neue Bericht an den Club of Rome“. 

Dabei wurde klar: Die Grenzen des Wachstums werden heute weniger von echter Ressourcenknappheit bestimmt, als von der Stabilität der Ökosysteme, die bereits seit Jahrzehnten durch eine rasant wachsende Weltbevölkerung und zu hohe Konsumniveaus überlastet werden. Im CoR-Report „Der geplünderte Planet“ überraschte der Chemiker und Rohstoff-Experte Ugo Bardi 2013 mit der Einschätzung, dass „uns keine der mineralischen Ressourcen, die wir tagtäglich aus der Erde holen und die für das Funktionieren unserer Gesellschaft unerlässlich sind, in absehbarer Zeit ausgehen wird“. Deren Nutzung ist zwar, wie Bardi zeigt, nicht unproblematisch. Doch wirklich eng auf dem Planeten Erde wird es vielmehr, weil die Menschheit das Klima destabilisiert, die fruchtbaren Böden übernutzt, die Artenvielfalt rasiert, die Urwälder dezimiert und die Weltmeere überfischt. 

Resigniert haben die Mahner des Clubs nicht. Gerade in den letzten Jahren macht er wieder mehr von sich reden. Und gerade die älteren unter den CoR-Mitgliedern sind radikaler geworden. Einer der Zukunftsforscher, der schon 1972 am „Grenzen“-Bericht mitarbeitete, der Norweger Jørgen Randers, und sein Co-Autor Graeme Maxton machten in ihrem jüngsten CoR-Bericht von 2016, „Ein Prozent ist genug“ eine Reihe konkrete Vorschläge, wie der Schwenk zu nachhaltigen Gesellschaften noch zu schaffen sei – etwa durch neue Grenzen für den globalen Handel, grüne Konjunkturpakete, mehr Urlaub, späteren Renteneintritt. Am meisten Aufsehen aber erreichten sie mit der Forderung nach einer Ein-Kind-Politik in den Industrieländern, um deren Umweltbelastung zu senken. Vorschlag: Jede Frau, die nur ein Kind aufzieht, solle im Alter von 50 Jahren einen Bonus von 80.000 Dollar bekommen. Es hagelte negative Schlagzeilen. Randers dazu: „Wir versuchen seit 40 Jahren einen Wertewandel zu erreichen. Doch mit der sanften Tour sind wir gescheitert.“

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