Mahdie, 16
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Mahdie, 16

Afghanistan

Mahdie, 16

  • vonPhilipp Hedemann
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„Ich habe Angst, vergewaltigt zu werden.“

„Ich habe mit meiner Mutter und meinem kleinen Bruder im Zelt geschlafen, als ich von Schreien geweckt wurde. Ich habe noch schnell unsere Pässe, unser Handy, das Ladegerät, Seife und Zahnpasta in eine Tasche gestopft. Dann sind wir gerannt. Zunächst auf einen Hügel. Wir dachten, wir seien dort sicher, aber die Flammen kamen auch dahin. In der Panik wurden viele Familien getrennt. Ich habe einen Vater schreien hören: ,Wo ist mein Sohn? Wo ist mein Sohn?‘

Wir wissen nicht, wer das Feuer gelegt hat. Aber viele Flüchtlinge sagen, es waren rechtsradikale Griechen, die alle Geflüchteten mit einem riesigen Feuer für immer von der Insel vertreiben wollten. Aber wir sind noch hier. Deshalb habe ich große Angst, dass sie nicht aufhören, bis wir wirklich weg sind, und weitere Feuer legen. Aber wo sollen wir hin? Niemand will uns haben! Als wir weglaufen wollten, hat die Polizei uns gestoppt. Jetzt schlafen wir auf einem Lidl-Parkplatz. Wir können aber nicht reingehen und uns etwas zu essen kaufen. Wir haben kein Geld. Soldaten haben uns ein paar Bohnen zu essen gegeben. Aber es war viel zu wenig, und wir wissen nicht, wann wir das nächste Mal etwas bekommen.

Die Polizei lässt die Menschen, die uns helfen und versorgen wollen, nicht zu uns durch. Ich habe seit einem Jahr in Moria gelebt. Ich habe von Leuten gehört, die es nicht mehr ausgehalten und sich umgebracht haben. Ich bin mit meiner kranken Mutter und meinem elfjährigen Bruder allein. Ich habe Angst, vergewaltigt zu werden. Wir müssen hier weg. Ich hoffe auf ein Wunder. Ich hoffe, dass ein europäisches Land mich und meine Familie aufnimmt.“

Aufgezeichnet von Philipp Hedemann.

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