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Neue Regierungschefin

Magdalena Andersson in Schweden: Wahl, Rücktritt, Wiederwahl

  • Thomas Borchert
    VonThomas Borchert
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Magdalena Andersson will Schwedens Sozialdemokratie wieder glaubwürdig machen. Innerhalb kurzer Zeit wird sie zweimal zur Ministerpräsidentin gewählt.

Stockholm - Sich zweimal innerhalb einer Woche als erste Frau im eigenen Land an die Regierungsspitze wählen zu lassen, ist unbedingt rekordverdächtig. Dasselbe gilt für einen Rücktritt nach siebeneinhalb Stunden Amtszeit, der erst wie heillose Panik daherkommt und beim zweiten Anlauf als kluger Schachzug verkauft werden kann. Die schwedische Sozialdemokratin Magdalena Andersson, am Montag vom Reichstag in Stockholm endgültig zur Ministerpräsidentin gekürt, hat einen bizarren Start hingelegt und bis zu den turnusmäßigen Neuwahlen im September noch nicht mal zehn Monate Zeit, ihr Wählervolk von dessen Sinnhaftigkeit zu überzeugen.

Die 54-jährige Ökonomin und bisherige Finanzministerin vergoss beim ersten Anlauf am Mittwoch ein paar Tränen vor den Kameras. Aber nicht, weil sie da wusste, dass die Mehrheit für die Haushaltsabstimmung ein paar Stunden später außer Reichweite war und deshalb die Umweltpartei ihren sofortigen Abschied aus der Koalition verkündete. Was wiederum ihren sofortigen Rücktritt und eine zweite Wahl wegen der veränderten parlamentarischen Grundlage unausweichlich machte.

Erste Frau in der schwedischen Regierungskanzlei: Magdalena Andersson

Andersson selbst berichtete, die freundlichen Worte zweier Parlamentskolleginnen von ganz weit links im Parlament über ihren Einzug als erste schwedische Frau in die Regierungskanzlei seien so bewegend gewesen. Man nahm es der bisherigen Finanzministerin ab, um dann von ihr selbst in höchst nüchterner, für viele opportunistisch klingender Tonlage auf den harten Boden der parteipolitischen Realitäten geholt zu werden: „Ich hab kein Problem damit, den Alternativ-Haushalt der Opposition zu verwalten.“ Da die Umweltpartei das nicht mitmachen wollte, weil auch die Rechtsaußen von den Schwedendemokraten daran mitgewirkt hatten, stellte sich Andersson der zweiten Abstimmung im Reichstag ohne Partner.

Magdalena Andersson ist die erste Frau an der Spitze von Schwedens Regierung - schon wieder.

Genau dies wurde nach der ersten Aufregung über den spektakulären, für das Wählervertrauen katastrophalen Verlauf des ersten Anlaufs von den Sozialdemokraten als Gewinn herausgestellt: Nun könne man sich für den bevorstehenden Wahlkampf ohne lästige Rücksichten auf den Juniorpartner einpegeln. Bei Umfragewerten knapp über 25 Prozent, ohne auch nur einigermaßen sichere parlamentarische Grundlage in einem heillos zerstrittenen Mittelinks-Lager steht Andersson dafür vor einer wahrhaft gewaltigen Aufgabe.

Magdalena Andersson soll glaubwürdiger sein als ihr Vorgänger

Beim Kongress der Arbeiterpartei Anfang November wurde zur Kür der Nachfolgerin des bisherigen Vorsitzenden und Regierungschefs Stefan Löfven der deutsche Überraschungs-Wahlsieger Olaf Scholz nach Göteborg gebeten. „Respekt, Aufrichtigkeit, dauerhafte Verlässlichkeit“ verkündete der Gast als sein Rezept und riss die Delegierten nicht unbedingt von den Sitzen. Das wird unter den von ihrer im 20. Jahrhundert fast unangreifbaren Hegemonialmacht im Land meilenweit entfernten schwedischen Sozialdemokrat:innen aber auch nicht von Magdalena Andersson erwartet.

NameMagdalena Andersson
ParteiSveriges socialdemokratiska arbetareparti (Sozialdemokraten)
PositionMinisterpräsidentin Schweden
Alter54 Jahre (23. Januar 1967)
GeburtsortVaksala församling, Schweden

Sie soll wenigstens glaubwürdiger und in anderer Tonlage als der glücklose, rhetorisch schwache Ex-Gewerkschaftschef Löfven eine Rückbesinnung auf klassische sozialdemokratische Sozialpolitik verkörpern. „Wir werden dem Markt die Wohlfahrt wieder entreißen“, sagte Andersson nach ihrer zweiten Wahl als Erstes.

Vor allem anderen erwartet die Wählerschaft von ihr Taten und messbare Erfolge bei der Bekämpfung der atemberaubend ausgeuferten Bandenkriminalität in Schweden mit immer mehr Toten bei Schießereien. Anderssons immer und immer wiederholtes Mantra dazu: „Ich werde jeden Stein wenden, um dieses Problem und die damit verbundene Segregationsproblematik anzupacken.“ Bei 100 sicheren Stimmen im Reichstag von 349 ein ehrgeiziges Unterfangen. (Thomas Borchert)

Rubriklistenbild: © Jonas Ekstromer/afp

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