Katholische Kirche

Männerverein unter Druck

Deutschlands Kardinäle und Bischöfe treffen sich zu ihrer Herbsttagung. Über den katholischen Oberhirten dräut nach wie vor ihr Hauptproblem: null Prozent Frauenquote.

In Sichtweite des Kölner Doms prangt seit einiger Zeit ein Aufkleber mit dem schönen Spruch „Marie darf nicht die Messe feiern, doch Kevin darf – dank seinen Eiern.“ Man könnte sagen: das vielleicht größte Dilemma der katholischen Kirche in einem Satz komprimiert. Frauen sind per se von den wichtigsten Ämtern ausgeschlossen. Sie wollen sich das nicht mehr bieten lassen.

Seit gestrigem Dienstag müssten sich 69 katholische Kirchenobere – alles Männer, versteht sich – in Fulda bei ihrer Herbstvollversammlung um das Missverhältnis der Kevins und der Marien kümmern. Die Chancen dafür stehen nicht gut – der konservative Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat das just vergangene Woche ganz klar gemacht: Jesus hatte zwölf Apostel, „und unter ihnen waren keine Frauen“. Noch Fragen? „Ich verstehe das Ziel dieser Diskussion nicht.“

Doch auch wenn es der Kardinal nicht versteht, die Debatte geht weiter. Kürzlich lobte die Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Mechthild Heil, sogar ausdrücklich ein kirchenkritisches Video von Carolin Kebekus. Darin wandte sich die Kölner Komikerin gegen die Diskriminierung der Frauen im „Männerverein Kirche“: „Sie dürfen gerne dem Priester die Klamotten rauslegen und beim Pfarrfest einen Kuchen backen, aber ein wichtiges Amt und eine Stimme bekommen sie nicht.“ Das ist mal Fakt.

Als die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) Kebekus die Verletzung religiöser Gefühle vorwarf, wies Heil das im „Kölner Stadt-Anzeiger“ als „abgegriffen“ und „völlig falsch“ zurück. „Ich kann nur sagen: Was ist eigentlich mit den Gefühlen unzähliger Frauen, die von der Kirche über Jahrhunderte verletzt wurden, ohne dass die sich darum geschert hätte?“

Ähnliche Äußerungen waren am 4. September auch bei den Regionalkonferenzen des Synodalen Wegs zu hören. Der Synodale Weg ist der seit Anfang des Jahres laufende Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland. Er hat durchaus so etwas wie eine Aufbruchsstimmung zuwege gebracht. Noch nie verfügten die deutschen katholischen Gläubigen über ein vergleichbares Forum, in dem über alle brisanten Themen öffentlich und gleichberechtigt diskutiert wird. Es soll am Ende dabei aber auch etwas herauskommen.

„Und da habe ich eher wenig Hoffnung“, sagt Andrea Voß-Frick von der Bewegung Maria 2.0, die gleiche Rechte für Frauen fordert. Am Schluss werde Rom das letzte Wort haben, und „spätestens seit dem Schreiben der Kleruskongregation von Juli diesen Jahres besteht hier wenig Anlass zu Optimismus“.

Besagtes Schreiben ist auch Thema in Fulda. In fast allen Bistümern laufen derzeit große Umstrukturierungen – Gemeinden werden zu größeren Einheiten zusammengefasst, weil es immer weniger Gläubige und kaum noch Priester gibt. Doch hat der Vatikan verfügt, die Priester müssten weiterhin das Sagen haben.

Reformbereite deutsche Bischöfe mussten daraufhin offen ihren Ungehorsam bekunden. Für den Bamberger Ludwig Schick ist Roms Order „nicht annehmbar“ und Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck ist überzeugt, sie sei „faktisch gar nicht zu realisieren“. Mittlerweile hat der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing dem Vatikan Gespräche über die Instruktion vorgeschlagen. Aber die Herbstversammlung werden erfahrungsgemäß darauf hinauslaufen, dass nur einige eher vage Stellungnahmen kommen.

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster warnt auch davor, dass die Arbeit des Synodalen Weges „weichgespült“ werde auf den „enormen“ Druck Roms, weitergereicht von konservativen Oberhirten wie dem Kölner Woelki und dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Wie verhärtet die Fronten seien, zeigen nach Schüllers Ansicht Woelkis und Voderholzers Äußerungen über ein angeblich beschämendes theologischen Niveau der Reformvorschläge. „Engagierte Theologinnen und Theologen, die Mitglieder des Synodalen Weges sind, werden öffentlich als Dilettanten der Theologie desavouiert.“ Und die ohnehin schon lange nicht mehr unkritischen Gläubigen würden dann auch für solche Reformprozesse – ob nun anfangs wagemutig auf dem Synodalen Weg oder nun immer kleinlauter – kein Interesse mehr aufbringen, wenn die nicht direkt an ihrer Lebenswirklichkeit dran sind. Dass die katholische Kirche das offenbar schlicht ignoriert, kann Schüller nur verwundern.

Dabei drängt die Zeit: Allein 2019 kehrten hierzulande mehr als 270 000 Menschen der Kirche den Rücken. So viele wie noch nie. (Christoph Driessen, dpa)

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