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Bereits jetzt sind Frauen im Maximilianeum unterrepräsentiert.

Bayernwahl

Der Männerclub im Maximilianeum

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Schon im alten bayerischen Landtag waren die Frauen stark unterrepräsentiert ? das Verhältnis wird sich nun verschlechtern.

Barbara Stamm kann sehr emotional sein. „Es wird eine Umstellung in meinem Leben geben“, sagte sie kürzlich tapfer. Die Präsidentin des Landtags, die vor 42 Jahren als Nachrückerin ins Parlament eingezogen war, kandidierte zwar noch einmal – und zwar auf Platz 1 der Liste in Unterfranken. Doch nach den schlechten Umfragewerte der CSU galt es als unwahrscheinlich, dass sie dem nächsten Parlament wieder angehören wird. 

Das neue Parlament wird ein Männerclub werden. Bereits jetzt sind Frauen mit etwa 28 Prozent im Maximilianeum unterrepräsentiert – und alles deutete schon vor dem Wahlsonntag darauf hin, dass ihr Anteil weiter sinken wird – allen Sonntagsreden zum Trotz. Das liegt auch, aber nicht nur an der CSU: Nur 20 der 91 Direktkandidaten der Christsozialen sind Frauen.

Das Verhältnis war schon immer einseitig, wurde oft aber durch Listenkandidatinnen etwas abgefedert. Bei einem schwachen CSU-Ergebnis dürfte es kaum ein CSUler über die Liste in den Landtag einziehen. Die Stimmenkönigin Stamm wäre das prominenteste Opfer. In Oberbayern dürfte es Wissenschaftsministerin Marion Kiechle treffen. „Ich war ja immer gegen die Quote“, sagt Stamm, „aber heute bin ich völlig anderer Meinung.“

In anderen Parteien ist die Situation noch schlechter. Die AfD könnte im neuen Landtag mit nur einer einzigen Frau vertreten sein: Landesvize Katrin Ebner-Steiner. Auf der Oberbayern-Liste fand sich nur eine Kandidatin auf den ersten zehn Plätzen. Bei Freien Wählern und FDP sah es nur etwas besser aus: Drei Frauen kandidierten unter den ersten zehn.
Vorstoß für eine Parität

Katharina Schulze sieht in der Entwicklung „ein echtes Demokratieproblem für Bayern“. Die Hälfte der Gesellschaft sei nicht ausreichend im Parlament vertreten, moniert die Grünen-Spitzenkandidatin, die im Wahlkampf stark die Frauenkarte spielte. SPD und Grüne haben beide eine Quote bei der Listenaufstellung: Im Reißverschlussverfahren wird sie mit Männern und Frauen besetzt. 2013 zogen bei den Grünen exakt so viele Frauen wie Männer ein – durch den Wechsel von Margarete Bause in den Bundestag und den Austritt von Claudia Stamm sank der Anteil auf 41 Prozent.

SPD stellte mit 45 Prozent den höchsten Anteil an Frauen

Zuletzt stellte die SPD mit 45 Prozent den höchsten Anteil an Frauen. „Der Landtag soll die Bevölkerung repräsentieren“, findet Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Demnach müsste der Frauenanteil bei 50 Prozent liegen. Die SPD will die Parität im Wahlrecht festschreiben. Auch die Grünen planen einen solchen Vorstoß. Schulze schwebt eine 50-Prozent-Mindestquote für Frauen auf Wahllisten vor. „Das wäre schon mal ein starkes Zeichen mit Symbolkraft, wenn es auch durch das bayerische Wahlsystem nicht automatisch dazu führen würde, ein 50:50-Verhältnis im Landtag herzustellen“, sagt die Grünen-Politikerin. 

Womit man wieder bei der CSU wäre: Die wird auch 2018 mit Abstand die meisten direkt gewählten Abgeordneten stellen, aber nur 22 Prozent der Kandidaten waren weiblich. Jeder einzelne Kandidat wurde im Stimmkreis von der Basis aufgestellt.

Barbara Stamm reagiert bei diesem Thema inzwischen gereizt: „Wann kapieren es denn die Frauen?“, fragt die 73-Jährige. Es müssten sich eben mehr Frauen vor Ort in den Parteien engagieren. „Es nutzt uns nichts, wenn wir immer nur jammern und wehklagen.“

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