Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bei seinem Besuch im unwettergeschädigten Dorf Tende am Montag (10.01.2022) schlug Emmanuel Macron (r.) nicht nur Wut entgegen.
+
Bei seinem Besuch im unwettergeschädigten Dorf Tende am Montag (10.01.2022) schlug Emmanuel Macron (r.) nicht nur Wut entgegen.

Staatspräsident

Corona in Frankreich: Provokante Aussage zu Ungeimpften wird für Macron zum Problem

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
    schließen

Mit einem derben Spruch gegenüber Ungeimpften lässt Frankreichs Präsident Macron den Wahlkampf eskalieren. Sich selbst leistet er damit einen schlechten Dienst.

Paris – Ein Wort hallt drei Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl durch das Land: „emmerder“. Es bedeutet etwa so viel wie „auf den Wecker gehen“ und stammt vom sattsam bekannten Fluch „merde“ ab. Wohlerzogenen Mitmenschen sollte solcherlei nicht über die Lippen kommen, noch weniger einem Staatspräsidenten. Und doch sagte Emmanuel Macron in der vergangenen Woche in einem Interview über die nicht gegen das Coronavirus geimpften Landsleute, er wolle sie „emmerder“ – so lange nerven, bis sie sich piksen lassen.

Der Eliteschulabsolvent aus den besseren Kreisen hat nicht einmal die Entschuldigung, er habe volksnah mit vulgär verwechselt: Den Ausspruch tat Macron sehr bewusst in einer autorisierten Schriftfassung. Vermutlich wollte er damit die konservative, in der Impffrage lavierende Präsidentschaftskandidatin Valérie Pécresse in die Zwickmühle bringen.

Corona in Frankreich: Ungeipmfte demonstrieren in großer Zahl gegen Macron

Der Schuss geht allerdings nach hinten los. In der Kritik steht nun Macron. Der Bürgermeister des südwestfranzösischen Dorfs Lavaurette schickte das Porträtbild des Staatspräsidenten, das in Frankreich in jedem Rathaus zu hängen hat, an den Absender zurück. „Heute, da Bürger beschimpft werden von einem, der ihnen eigentlich dienen sollte, schicken wir das Porträt zurück, damit Sie es in den Latrinen der Republik recyclen können“, sagte Nils Passedat.

Die Ungeimpften bringt Macron nicht in die Impfzentren, sondern auf die Straße: Am Samstag (08.01.2022) gingen im ganzen Land 105.000 „emmerdés“, wie sie sich nun nennen, auf die Straße.

Als der Präsident am Montag (10.01.2022) in ein unwettergeschädigtes Tal im Hinterland von Nizza reiste, zeigten die Fernsehkameras vor allem eine Frau, die Macron ihre beiden Handflächen entgegenhielt. Darauf stand: „Je t’emmerde“ – du kannst mich mal. Macron ließ sich nicht provozieren. „Nur Mut“, sagte er gefasst. „Schützen Sie sich und auch die anderen.“ Damit hob er sich auch von seinem rechten Widersacher Eric Zemmour ab, der in Marseille mit erhobenem Mittelfinger reagiert hatte, als ihm eine Frau ihren eigenen zeigte.

Corona in Frankreich: Macrons Verhalten macht es seinen Abgeordneten schwer

Dass sich Macron nach seinem Spruch wieder staatsmännisch souverän gibt, als wäre nichts, wirkt auf viele Menschen im Land aber wie Schauspielerei. Auch Impfbefürworter:innen goutieren das nicht: Laut einer Umfrage ist zwar eine Mehrheit dafür, Druck auf Ungeimpfte auszuüben – aber nicht mit beleidigenden Sprüchen, die in der politisch angespannten Lage Öl ins Feuer gießen.

Macrons Abgeordnete können davon ein Lied singen. Von den monatlich rund 100 Attacken auf Politiker:innen ist vor allem seine Partei „La République en marche“ betroffen. So wurde der Abgeordnete Stéphane Claireaux am Sonntag (09.01.2022) im Überseegebiet Saint-Pierre et Miquelon mit dem Rücken zur Wand minutenlang mit getrocknetem Seetang beworfen. Er habe den Eindruck gehabt, „gesteinigt“ zu werden, erzählte er später.

„Macron überzeugt die Leute nicht mehr, er verärgert sie“, resümiert der Kommunikationsberater Denis Pingaud das auslaufende Mandat des Präsidenten.

Macron führt in den Umfragen in Frankreich

Die liberale Webseite „Contrepoints“ unterstellt ihm „populistisches Marketing“: Indem er die Nation spalte, leiste er der Radikalisierung der Kampagne Vorschub. Impfgegner:innen erklären schon in trumpistischer Manier, das Resultat der französischen Präsidentschaftswahl im April könne nur getürkt sein, wenn der Wiederwahlkandidat die Kampagne kraft seines Amts dirigiere. Wenn er das Kandidatenfeld mit genau kalkulierten Sagern zu destabilisieren versuche, denke er nicht an das Allgemeinwohl, sondern nur an sich.

In Umfragen führt Macron deutlich gegen das Trio zu seiner Rechten, bestehend aus Valérie Pécresse, Marine Le Pen und Eric Zemmour. Doch diese Erhebungen sind mit Vorsicht zu genießen. Die Wahl besteht aus zwei Urnengängen, dazu kommt die Unsicherheit wegen der Pandemie. Und mit seinem Spruch macht Macron eine instabile Kampagne noch unvorhersehbarer. (Stefan Brändle)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare