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Macron zu Putin: „Sobald etwas läuft, rufst du mich an“

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Von: Stefan Brändle

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Der französische Präsident Emmanuel Macron in Brüssel. (Symbolbild)
Der französische Präsident Emmanuel Macron in Brüssel. (Symbolbild) © Geert Vanden Wijngaert / afp

Ein Dokumentarfilm enthüllt, wie Frankreichs Präsident Macron bis zuletzt die Invasion der Ukraine zu verhindern suchte.

Der Dokumentarstreifen „Ein Präsident, Europa und der Krieg“ des Filmers Guy Lagache zeigt Originalmitschnitte aus einem Videogespräch von Kremlchef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am 20. Februar, also vier Tage vor Kriegsbeginn. Wobei in dem neunminütigen Ausschnitt nie von „Krieg“ die Rede ist. Macron bemüht an dem Sonntagmorgen sein Konzept der „Deeskalation“. Im Versuch, die Parteien auf das Minsker Abkommen zu verpflichten, sagt er zu Putin: „Ich möchte, dass du mir zuerst deine Sicht der Dinge darlegst, und zwar auf sehr direkte Weise, so wie wir es handhaben.“ Der Russe antwortet: „Was soll ich dir sagen? Du siehst ja auch, was gerade läuft.“

Putin meint die „Lügen“ seines ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj und verlangt, die Sicht der russischen Separatisten einzubeziehen. „Ihre Vorschläge sind mir völlig egal“, fällt Macron ein. „Ich weiß nicht, wo dein Jurist Recht gelernt hat. Ich schaue bloß das Abkommen an und versuche es anzuwenden.“

Der Franzose, der für das Minsker Abkommen eintrat, um einen direkten Kontakt zwischen Moskau und Kiew aufrechtzuerhalten, verspricht, er werde noch mal mit Kiew reden. „Ich habe Selenskyj schon gestern zur Ruhe aufgerufen. Er muss alle beruhigen, die sozialen Medien, auch die ukrainische Armee.“

Macron und Putin: „Ich telefoniere mit dir aus der Sporthalle“

Putin zeigt sich unbeeindruckt – er wusste zweifellos bereits, dass er in der anlaufenden Woche ohnehin in die Ukraine einmarschieren würde. Macron versucht noch, ein Gipfeltreffen mit US-Präsident Joe Biden zu organisieren. Der Kremlchef ist von der Idee nicht angetan, aber Macron ringt ihm immerhin eine „Grundsatzeinigung“ ab.

Putin fügt aber an: „Um dir nichts zu verheimlichen – ich wollte gerade Eishockey spielen gehen. Ich telefoniere mit dir aus der Sporthalle.“ Mit anderen Worten: Der Gipfel kann warten. In der Tat fand er nie statt.

Macron lässt aber nicht locker: „Bleiben wir in Echtzeit in Kontakt“, schlägt er zum Schluss vor. „Sobald etwas läuft, rufst du mich an.“ Putin antwortet sarkastisch auf Französisch: „Ich danke Ihnen, Monsieur le Président.“

Macron und Putin: Moskau spricht von einem „Bruch des diplomatischen Geheimnisses“

Der Dokumentarfilmer Lagache erhielt den Ausschnitt nicht auf obskuren Wegen, sondern mit Billigung des Elysées. Nur eine Szene schnitten Macrons Leute weg. Eine Sprecherin des russischen Außenministerium verurteilte dennoch den „Bruch des diplomatischen Geheimnisses“.

Warum sich Macron über diesen naheliegenden Vorwurf hinwegsetzte, ist offen. Offenbar glaubt er, noch nicht genügend erklärt zu haben, wie sehr er sich bei mehr als 20 Gesprächen mit Putin bemüht hatte, einen Waffengang zu verhindern oder zu stoppen. Der von mehr als zwei Millionen Menschen auf France-2 verfolgte Ausschnitt erweckt allerdings zugleich den Eindruck einer gewissen Naivität. Auch in Paris gab es negative Reaktionen. Ex-General Dominique Trinquant meinte etwa, Macron sei in der persönlichen Konfrontation mit Putin „zu weit gegangen“. Auch der Kriegsreporter Vincent Hugeux gab zu bedenken, dass der Krieg eine zu erste Sache sei, um ihn auf eine persönliche Ebene herunterzubrechen.

Hugeux wendet sich auch gegen einen kurzen Ausschnitt des Films, in dem Macron auf eine Telefonverbindung mit dem deutschen Kanzler Olaf Scholz warten muss, um über dessen Rüstungsentscheide informiert zu werden. „Wenn die Deutschen nicht mehr pünktlich sind und sich wiederbewaffnen, sehe ich schwarz für die Zukunft“, scherzt Macron. Das wirkt in diesem Kontext in der Tat etwas deplatziert.

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