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Pariser am Canal de l’Ourcq. 

Frankreich

Krise in Frankreich: Macron versucht zu beruhigen

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Der französische Präsident rechtfertigt die Verlängerung der Ausgangssperre.

In Frankreich gilt das präsidiale Wort noch etwas: Millionen von Franzosen warteten seit Tagen gespannt auf Macrons Fernsehansprache, in der Hoffnung auf eine Lockerung der strikten Ausgangssperre. Aber vielleicht erwarteten sie zu viel: Mit 567 Todesfällen am Vortag und insgesamt über 14 000 angesteckten Patienten hatte der Präsident gar keine Wahl, als das „confinement“, wie man in Frankreich sagt, zu verlängern.

Und zwar länger, als ursprünglich geplant: Bis Mitte Mai, also noch einen ganzen Monat lang, sollen die Franzosen zu Hause bleiben, wie kurz vor der Ansprache durchsickerte. Und die Maßnahme sieht nur wenige Ausnahmen – Pflege, Einkaufen, Berufsfahrten – vor; in Paris ist tagsüber seit ein paar Tagen sogar das Joggen verboten.

Corona-Krise in Frankreich: Macron stützt sich auf wissenschaftliche Berater 

Macron stützt sich auf den Rat seiner wissenschaftlichen Berater, die vor einer zweiten Welle im Sommer warnen, falls der Lockdown zu früh aufgehoben wird. Die meisten Franzosen können dieses Argument nachvollziehen. Trotzdem stehen Macron und seine Regierung zunehmend unter Druck. In den Umfragen hat der Präsident stark an Boden verloren. Seit seinem ersten TV-Auftritt vor einem Monat hat er viel des guten Willens der Bevölkerung verspielt. Viele Franzosen werfen ihm vor, er habe ihnen die Wahrheit vorenthalten, um seine eigenen Unfähigkeit zu kaschieren. Die Rechtsextremistin Marine Le Pen spricht von „Regierungslügen“. Macrons Stab hatte zuerst deklariert, Schutzmasken nützten nichts. Jetzt leiten die Berater eine Kehrtwende ein, empfehlen gar das Tragen selbst gemachter Stoffmasken. Eine mögliche Schlussfolgerung: Die ursprüngliche Empfehlung hatte ihren Grund wohl nur darin, dass die Regierung nicht genug Masken auftreiben konnte.

Frankreich: Deutschland meistert das Problem besser 

Ähnliches gilt für die Covid-19-Tests. Bewundernd schauen die Franzosen auf Deutschland, welches das Problem besser meistert. In Frankreich können in nächster Zeit nur 0,5 Prozent der Einwohner auf das Coronavirus getestet werden. Das Newsportal Mediapart wirft der Regierung in Paris ein „Fiasko“ vor. Erboste Bürger haben bereits gegen sechs Minister – darunter Premier Edouard Philippe – wegen Missmanagement Klage beim Sondergericht für Regierungsvertreter eingereicht. Macron entgeht einer Beschwerdeschrift nur deshalb, weil er als Staatschef Immunität genießt.

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