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Macron, der Trump-Flüsterer

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Von: Axel Veiel

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Der französische Präsident Emmanuel Macron scheint den US-Präsidenten Donald Trump gut im Griff zu haben.
Der französische Präsident Emmanuel Macron scheint den US-Präsidenten Donald Trump gut im Griff zu haben. © afp

Wenn ein Europäer beim US-Präsidenten Donald Trump Gehör findet, dann der französische Präsident Emmanuel Macron.

Sie scheinen nicht eben füreinander geschaffen. Frankreichs Staatschef und der US-Präsident – auf den ersten Blick passt das überhaupt nicht. Hier der junge Technokrat und überzeugte Europäer Emmanuel Macron, der globale Herausforderungen wie Klimawandel und Gestaltung des Welthandels auf internationaler Ebene angehen will. Dort der die EU verachtende, entschlossen Amerikas Rückzug von der Weltenbühne betreibende Donald Trump. 

Macron und Trump, das passt

Doch die beiden können gut miteinander. Wenn ein Europäer bei Trump ein offenes Ohr findet, dann der Franzose, der an diesem Montag zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Washington erwartet wird. Schon der äußerst virile Händedruck beim ersten Zusammentreffen in Brüssel hatte signalisiert: Macron und Trump, das passt. Am Vorabend des französischen Nationalfeiertags folgte ein die Bande festigendes Diner im Sterne-Restaurant des Eiffelturms und tags drauf die den Amerikaner beeindruckende Militärparade auf den Champs-Elysées. 

Macron, das ist eben auch der schwierige Kundschaft gewohnte ehemalige Geschäftsbanker, der Realpolitiker, der, ausgestattet mit Charisma, seinem Land zu alter Größe verhelfen will. Der New Yorker Immobilienmagnat Trump, der Amerika wieder groß machen will, sieht im Franzosen den Bruder im Geiste. Dass beide als vermeintlich chancenlose Außenseiter ins Präsidentschaftsrennen gezogen waren, es wider alle Prognosen für sich entschieden, eint ebenfalls. Hinzu kommt: Beide schätzen das klare Wort. 

Kaum hatte Macron Mitte Mai vergangenen Jahres im Elysée-Palast die Geschäfte aufgenommen und den amerikanischen Freund vom neuen Büro aus angerufen, tauschten die zwei auch schon die Handynummern aus. „Ich bin für den direkten Dialog, rufen Sie mich an, wann immer Sie wollen“, soll der Amerikaner gesagt haben. Seitdem telefonieren die zwei im Schnitt alle 14 Tage miteinander, reden Klartext. 

Ob der Franzose nun Trumps Slogan „Make America great again“ zu einem „Make our planet great again“ abwandelte, um die Absage des US-Präsidenten an das Pariser Klimaschutzabkommen zu geißeln, oder den Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem als „bedauerliche Verletzung internationalen Rechts“ verurteilte: Verübelt wurde es Macron nicht, im Gegenteil. Die weniger zu Klartext neigende deutsche Kanzlerin, die Trump Ende nächster Woche ebenfalls einen Besuch abstattet, dürfte sich deutlich schwerer tun, Gehör zu finden, gar die Gunst des Gastgebers zu gewinnen. 

Trump gedenkt, dem französischen Freund höchste Ehren zu erweisen. So bittet der Amerikaner Macron und dessen Gattin Brigitte gleich am Montag zum Diner in den Mount Vernon, den ehemaligen Landsitz George Washingtons. An historischer Stätte dürfte der Gastgeber dann die Verlässlichkeit des Franzosen herausstreichen, der zum gemeinsamen Militärschlag gegen das syrische Regime die Hand gereicht hat. 

Konkrete Ergebnisse nicht abzusehen

Fragt sich noch, ob die französisch-amerikanische Freundschaft konkrete Früchte tragen wird. Dass Trump beim Klimaschutz die Kehrtwende vollzieht, dem von ihm seit Jahren geschmähten Pariser Vertragswerk seine Reverenz erweist, ist unwahrscheinlich. Und es spricht auch nicht viel dafür, dass der in Syrien zum Rückzug blasende Amerikaner auf Macrons Drängen hin dort weiterhin Präsenz zeigen, beim Aufbau einer Nachkriegsordnung maßgeblich mitwirken wird. 

Bleibt das Nuklearabkommen mit dem Iran. Es sieht Auflagen und Beschränkungen für Teherans Atomprogramm vor sowie eine schrittweise Lockerung der über den Iran verhängten Sanktionen. Trump will das Vertragswerk Anfang Mai aufkündigen. Macron will es retten, hofft auf ein Umdenken der USA. Zumindest würde er gern sicherstellen, dass die Teheran mit neuerlichen Wirtschaftssanktionen drohenden Amerikaner akzeptieren, dass die Europäer vertragstreu und mit dem Iran im Geschäft bleiben. 

Wobei Macron auch beim Klimaschutz nicht lockerlassen will. Er sei ziemlich sicher, seinen Freund Trump in den nächsten Monaten oder Jahren für das Pariser Abkommen zu gewinnen, hat der Franzose wissen lassen. 

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