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Französische Soldaten posieren am Nationalfeiertag an der Bastille mit Touristinnen fürs Erinnerungsfoto.

Nationalfeiertag

Macron und seine militärischen Ambitionen

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  • Birgit Holzer
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Zum Nationalfeiertag konkretisiert Frankreich seine Pläne fürs Weltall: Angekündigt ist ein Raumfahrtkommando innerhalb der Luftwaffe. 

In perfekt synchronen Bewegungen marschierten die Militäreinheiten über die Pariser Pracht-Avenue Champs-Élysées. Am Himmel donnerten 40 Helikopter und 67 Flugzeuge über Paris, die teilweise aus anderen europäischen Ländern stammten. Frankreich nutzt seinen Nationalfeiertag am 14. Juli traditionell, um die eigene Geschichte und militärische Macht zu zelebrieren. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht der Präsident als oberster Armeebefehlshaber, der zunächst die Champs-Élysées hinabfuhr. Dabei kehrten Mitglieder der „Gelbwesten“-Protestbewegung Emmanuel Macron demonstrativ den Rücken und pfiffen lautstark.

Macron hatte das Motto „gemeinsam handeln“ ausgegeben, das sich auf eine verstärkte militärische Zusammenarbeit in Europa bezieht. Nach den Kontroversen unter den europäischen Staats- und Regierungschefs bei der auf die EU-Wahl folgenden Vergabe von Spitzenposten umringten ihn nun einige von ihnen auf der Ehrentribüne. Eingeladen waren die Vertreter der neun weiteren Länder, die sich an der 2018 von Frankreich initiierten „Europäischen Verteidigungs-Initiative“ beteiligen, unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Macrons Weltraumkommando ist kein Grund zur Freude

Vor einem Monat war auf der Pariser Luftfahrtmesse ein erstes Modell eines europäischen Luftkampfsystems vorgestellt worden, das Deutschland und Frankreich federführend bis 2040 entwickeln. Auch der im Januar unterzeichnete deutsch-französische „Aachener Vertrag“ sieht die Ausbildung einer „gemeinsamen Militär-Kultur“ vor. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die vor allem dank Macrons Unterstützung gute Chancen auf die EU-Kommissionspräsidentschaft hat, war dem französischen Staatschef durch ihr Engagement für die verteidigungspolitische Annäherung beider Länder aufgefallen.

Militärische Neuheiten wie das „Flyboard“ lässt Frankreichs Staatschef am Nationalfeiertag präsentieren.

Aber hier enden seine Ambitionen noch nicht. Am Samstag hatte Macron bei einer Rede im französischen Verteidigungsministerium die Gründung eines Raumfahrtkommandos innerhalb der Luftwaffe für September angekündigt, „um die Entwicklung und Verstärkung unserer Fähigkeiten im Weltraum zu gewährleisten“. Der Weltraum sei ein „neuer Bereich der Konfrontation“. Experten gehen davon aus, dass die vorwiegend digitalen Spitzentechnologien aus bestehenden Heeresabteilungen zusammengezogen werden.

Erst Ende Juni hatte auch die Nato eine Weltraum-Strategie beschlossen. Man wolle nicht „den Weltraum militarisieren“, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg damals. In Wirklichkeit läuft der neuste militärische Trend genau darauf hinaus. Hauptziel der Operation ist es, französische Satelliten gegen Attacken zu schützen.

Armeeministerin Florence Parly sagte am Sonntag, ein französischer Militärsatellit sei bereits einmal Ziel einer „unfreundlichen“ Operation geworden. Ein fremder Militärsatellit habe sich ihm auf unübliche Weise „genähert“. Auf die Frage nach der Herkunft gab Parly bekannt, es sei ein russischer Satellit gewesen. Man wisse aber nicht, ob er es darauf abgesehen habe, sein Ziel auszuspionieren oder dessen Laufbahn zu beeinflussen. Auf jeden Fall werde Frankreich sämtliche militärischen Satelliten binnen sieben Jahren ersetzen, fügte die Ministerin an. Die 1500 im All befindlichen Satelliten diverser Länder könnten zu „umkämpften“ Zielen werden.

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