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Die Zeit ist um: Innenminister Collomb posierte noch im August neben einem Porträt Macrons.

Frankreich

Macron gehen die Minister aus

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Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron muss den nächsten Rücktritt hinnehmen.

Frankreichs Regierung stolpert von einer Krise in die nächste. Gut einen Monat nach dem Abgang des populären Umweltministers Nicolas Hulot hat in der Nacht zum Mittwoch Frankreichs Innenminister Gérard Collomb den Hut genommen, auch er ein politisches Schwergewicht. Vergeblich hatte Staatschef Emmanuel Macron am Montag versucht, ein Machtwort zu sprechen, den zum Rücktritt Entschlossenen aufzuhalten. Der Staatschef machte deutlich, dass allein er es sei, der über Ernennung, Verbleib und Entlassung eines Ministers zu entscheiden habe. Collomb zeigte sich unbeeindruckt, beharrte auf dem Rückzug, entschied das Kräftemessen für sich. Zurück bleibt ein in Beliebtheitsumfragen auf 30 Prozent Zustimmung abgestürzter Präsident, dessen Ansehen und Autorität Schaden genommen haben. 

Ein Nachfolger vom Kaliber Collombs ist nicht in Sicht. Um die Lücke provisorisch zu schließen, hat Macron am Mittwoch Regierungschef Edouard Philippe zusätzlich mit der Leitung des Innenressorts betraut. Der Abgang Collombs trifft den Staatschef umso härter, als der 71-jährige ehemalige Sozialist zu den Getreuen der ersten Stunde zählt. Der erfahrene Politiker hatte an Macrons Aufstieg vom Außenseiterkandidaten zum Staatschef maßgeblich Anteil. Und wie Hulot, der Macron beim Abschied mangelndes umweltpolitisches Engagement vorwarf, hat auch Collomb den Präsidenten kurz vor Schluss heftig attackiert. 

Collomb will nach Lyon

Der Innenminister bezichtigte den Präsidenten der Selbstherrlichkeit, riet zu demütigerem Auftreten. Anstatt an erster Stelle Macron über die Rücktrittspläne zu informieren, offenbarte sich Collomb vorab der konservativen Zeitung „Figaro“. Als der Staatschef, wie vom Weggefährten empfohlen, auf den französischen Antillen Volksnähe praktizierte, legte Collomb nach und stellte im „Figaro“ klar,     dass er trotz der Vorbehalte des Präsidenten gehen werde. Ins Rathaus von Lyon strebt Collomb zurück, wo er von März 2001 bis Mai 2017 Bürgermeister war.

Das derzeitige Stadtoberhaupt von Lyon, Georges Képénékian, hat am Dienstag in vorauseilendem Gehorsam bereits das Amt niedergelegt. Die Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich) nannte das Rücktrittsspektakel nicht unzutreffend „eine Komödie in drei Akten“, die so in Frankreich noch nie zu sehen gewesen sei. 

Bei den Gründen für den überstürzten Abgang dürfte die Affäre um Macrons prügelnden ehemaligen Leibwächter Alexandre Benalla eine Rolle gespielt haben. Um Schadensbegrenzung bemüht, hatte der Innenminister versichert, den früheren Sicherheitsbeauftragten Macrons nicht gekannt zu haben – eine wenig glaubhafte Stellungnahme, die Collomb der Lächerlichkeit preisgab. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass der Minister sich beizeiten von einem Präsidenten absetzen wollte, an dessen politischen Erfolg er nicht mehr glaubt. 

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