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Avi Gabbai nach seiner Wahl.
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Avi Gabbai nach seiner Wahl.

Knesset-Wahl

Der Macron-Effekt

  • Inge Günther
    VonInge Günther
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Avi Gabbai ist Spitzenkandidat für die nächste Knesset-Wahl. Und der Quereinsteiger ist nach Jahren des Niedergangs die Hoffnung der israelischen Arbeiterpartei.

Avi Gabbai ist kein eingefleischter Genosse. Der israelischen Arbeitspartei gehört er erst ein halbes Jahr an. Aber er hat die Avoda, wie sie auf Hebräisch heißt, im Sturm erobert. Im innerparteilichen Rennen um den Spitzenplatz setzte sich der politische Newcomer gegen sechs Bewerber durch und schlug bei der Stichwahl am Montag mit 52 Prozent der Stimmen auch den erfahrenen Altlinken Amir Peretz. Ein „Macron-Effekt“ hat ihm offenbar Flügel verliehen.

Mit dem 50-jährigen Avi Gabbai haben die Labour-Mitglieder ein unverbrauchtes Gesicht zur Nummer eins gekürt, das – so wie der neue französische Staatspräsident – vor allem ihrem Drang nach Neuanfang entspricht. Einen derartigen Durchmarsch hat es in Israels Staatsgründerpartei, zu der historische Größen wie David Ben-Gurion, Jitzchak Rabin und Schimon Peres zählen, noch nicht gegeben. Seit Jahren hat sie im Kampf gegen ihren Niedergang reihenweise Parteichefs verschlissen. Umso größere Hoffnungen richtet das linksliberale Lager nun auf Gabbai, der nicht ins klassische Schema passt.

Was früher als Manko gezählt hätte, gilt inzwischen als Pfund. Von Hause aus ist Gabbai kein Sozialdemokrat, sondern ein Quereinsteiger, der seine politische Karriere in „Kulanu“ („Wir alle“) begann – einer Abspaltung vom rechten Likud. In der Regierung Benjamin Netanjahu diente er kurz als Umweltminister. Einer, den keiner kannte, bis Gabbai im Mai 2016 vergrätzt über Netanjahus Intrigen das Handtuch schmiss. Damals machte der Premier quasi im Handstreich den Rechtspopulisten Avigdor Lieberman zum Verteidigungsminister, während er dem Anschein nach mit Labour über einen Kabinettseintritt verhandelte. Bei so schmutzigen Tricks mache er nicht mit, verkündete Gabbai und machte sich davon.

Als Saubermann der politischen Mitte könnte er, so das Kalkül, Stimmen aus labour-fremden Gefilden gewinnen. Zumal ihm ein weiterer Trumpf zugute kommt: Gabbai stammt aus einer marokkanischen Einwandererfamilie. Er wuchs mit sieben Geschwistern in einem Transitlager in Jerusalem auf und hat sich aus eigener Kraft hochgearbeitet, bis hin zum Chefmanager der israelischen Kommunikationsgesellschaft Bezeq. Bislang war die Arbeitspartei unter den Misrahim, wie die orientalischen Juden in Israel heißen, als zu elitär, zu aschkenasisch (also europäisch) verpönt. Mit Gabbai an der Spitze hofft sie, dieses wahlschädigende Image abzustreifen.

Sein Nachteil: Gabbai besitzt kein Mandat. Den Oppositionsführer im Parlament soll Izchak Herzog vorerst weiterspielen. Gabbai selbst will sich darauf konzentrieren, den Genossen wieder Mut einflößen. Anderes, etwa seinen Friedensplan, lässt er ähnlich vage. „Ich glaube an das, woran Rabin geglaubt hat“, sagt er in Anspielung auf den fast schon legendären Labour-Chef, der die Osloer Abkommen mit den Palästinensern schloss. Als unbeschriebenes Blatt bietet Gabbai zumindest eines reichlich: Projektionsfläche.

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