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Macron beendet Mission in Westafrika

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Von: Stefan Brändle

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Blick zurück ohne Ergebnis: Französische Soldaten der Barkhane-Truppe in Mali im April dieses Jahres.
Blick zurück ohne Ergebnis: Französische Soldaten der Barkhane-Truppe in Mali im April dieses Jahres. © Imago / Le Pictorium

Frankreichs Bilanz der Militäroperation in der Sahelzone fällt bitter aus.

Paris – Fast ein Jahrzehnt lang kämpften bis zu 5500 französische Elitesoldaten gegen den Vormarsch libyscher und algerischer Jihadisten in den Sahelraum südlich der Sahara. Anfangs gab es einen Erfolg: 2013 verhinderten die Franzosen die Ausrufung eines islamistischen Gottesstaates namens Azawad im Norden Malis. Heute wüten die Jihadisten aber weiter in der Region; vor allem in Mali und Burkina Faso sterben bei Attacken auf Dörfer täglich Menschen.

Seit dem Militärputsch in der malischen Hauptstadt Bamako Mitte 2021 sind die Franzosen nicht mehr erwünscht. Die Operation „Barkhane“ wurde seither sukzessive abgebaut. Am Mittwoch hat sie Emmanuel Macron bei einem Auftritt im Militärhafen Toulon „offiziell für beendet“ erklärt. 3000 französische Soldaten sollen zwar in der Region stationiert bleiben, aber nicht mehr im Rahmen einer Militärmission, sondern aufgeteilt auf bestehende Garnisonen wie etwa in Niger, Burkina Faso und Tschad.

Parallelen zu Afghanistan

Das Fazit ist unumgänglich: Frankreich hat das Vordringen der Jihadisten im bisher moderat muslimischen Sahel nicht verhindert. Und die Uno-Truppe hat das für Westafrika zentrale Mali keineswegs stabilisiert – im Gegenteil. Die mit ihren Pick-ups sehr mobilen Al-Kaida- und IS-Milizionäre breiten sich zunehmend in Gebiete aus, wo die Putschregierung in Bamako über keine Autorität verfügt. Noch sind diese Jihadisten dort nicht an der Macht. Pariser Medien ziehen dennoch Parallelen zum demütigenden amerikanischen Truppenabzug aus Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban.

Für Frankreich ist der Rückzug aus Mali noch weniger glorreich. An die Stelle der einstigen Kolonialmacht treten Söldner der russischen Privatarmee Wagner. Juntachef Assimi Goïta telefoniert regelmäßig mit Kremlchef Wladimir Putin; auf Kundgebungen in Bamako oder der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou werden russische Fahnen geschwungen und „Frankreich raus“-Parolen skandiert.

Die antifranzösischen Ressentiments sind nicht nur ferngesteuert

Die französische Diplomatie erkennt erst gerade, dass die Russen in Westafrika einen ähnlichen Propagandakrieg aufziehen wie in Sachen Ukraine. Laut der Zeitung „Le Monde“ schickt die Regierung in Paris nun Beamt:innen in die französischen Botschaften Westafrikas, wo sie per Pseudonym russische Fake News kontern sollen. Noch die absurdesten Vorwürfe – etwa, dass Frankreich den Jihadisten Waffen liefere – finden über afrikanische Twitter- und Facebook-Konten eine flächendeckende Verbreitung. Westliche Geheimdienste orten dahinter meist russische Quellen.

Doch die antifranzösischen Ressentiments sind nicht nur ferngesteuert. „Frankreich benimmt sich, als wüsste es weiterhin besser als die Afrikaner, was gut ist für sie“, erklärt der Soziologe Francis Akindès aus Côte d’Ivoire. Selbst Macrons Ankündigung von Mittwoch zeugt davon: Der Präsident verkündete die Rückberufung und Umverteilung seiner Soldaten in Afrika, als würde Frankreich dort auf heimischem Boden handeln: Vertreter:innen von Niger, Burkina Faso oder Tschad, wo der neue Beschluss gilt, waren nicht anwesend.

Inwieweit der französische Entscheid „in Absprache mit den Partnern“ erfolgte, wie Macron beteuerte, bleibt damit offen. Auch das deutsche Truppenengagement im Sahel ist davon betroffen. In Bamako werden immer mehr bürokratischen Hürden gegen Berlin aufgebaut. Damit wackelt das größte deutsche Auslandsengagement. Macrons Ankündigung dürfte den Entscheid in Berlin noch beschleunigen. (Stefan Brändle)

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