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Burkinabeische und französische Soldaten in der Wüste. Sie würden sich jede Waffenhilfe wünschen.

Afrika

Macron allein in der Wüste

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Kaum eine europäische Nation will sich in der Sahelzone an dem Anti-Terror-Einsatz der Franzosen und der dortigen Staaten anschließen. Frankreich drängt dafür umso mehr.

Das Gipfeltreffen in der Pyrenäenstadt Pau dauerte nur ein paar Stunden. Zeit genug für Präsident Emmanuel Macron, seinen fünf Amtskollegen aus Mali, Niger, Burkina Faso, Tschad und Mauretanien ins Gewissen zu reden. Das Resultat war eine – zweifellos vorbereitete – Schlusserklärung, die den französischen Militäreinsatz gegen die vorrückenden Dschihadisten in Westafrika ausdrücklich gutheißt. Der zentrale Passus klang wie eine Antwort auf die regional wachsenden Widerstände gegen die Truppenpräsenz der einstigen Kolonialmacht.

Konkret versprach Macron, die französische Operation „Barkhane“ durch 220 Mann zu verstärken. Die Operation soll sich nicht mehr nur auf das Wüstengebiet in und um Nordmali konzentrieren, sondern auch auf das Grenzgebiet mit Burkina Faso und dem Niger, wo der „Islamische Staat in der Sahara“ seit Monaten wütet. Im Zentrum Malis soll die UN-Truppe Minusma stärker in Erscheinung treten, und in der Tuareg-Stadt Kidal soll die malische Armee die Ordnung aufrechterhalten.

Kidal allein zeigt schon das ganze Problem auf: Franzosen und Malier sind sich alles andere als einig, wie mit den Nomaden zu verfahren ist – was die antifranzösischen Demonstrationen in der Hauptstadt Bamako zusätzlich anheizt. Erlangten die Tuareg die Unabhängigkeit, ginge halb Mali verloren.

Die Militäreinsätze sollen in Zukunft von einer „Koalition für den Sahel“ koordiniert werden. Dieses Gremium, das an die westlichen Allianzen im Irak erinnert und unausgesprochen französisch gelenkt wäre, umfasst laut Gipfelerklärung „Barkhane“ mit bisher 4500 Soldaten die 5000 Mann starke, aber erst im Aufbau befindliche Einsatztruppe G5-Sahel jener Fünfergruppe sowie die europäische „Task Force Takuba“ mit mehreren Hundert Soldaten „williger“ EU-Staaten.

Die nach einem Tuareg-Schwert benannte EU-Einheit war im vergangenen Sommer von Paris angekündigt worden und sollte eigentlich jetzt einsatzbereit sein. Bisher haben aber nur Belgien und Estland ein paar Soldaten entsandt; Tschechien überlegt noch. Paris hofft auf die Beteiligung von zehn Staaten, vor allem von Deutschland. Macron weiß, dass in Berlin große Skepsis herrscht, ob ein Militäreinsatz die einzig richtige Antwort in dem riesigen und mittellosen Sahel ist. Am Ende des Gipfels in Pau wurde deshalb die Rolle zweier deutsch-französischer Initiativen namens „P3S“ (2019) und „Allianz für den Sahel“ (2017) für wirtschaftlichen und politischen Aufbau betont.

Macron verhehlt nicht, dass ihm die deutsche Beteiligung sehr wichtig wäre. Sein Werben kommt zwar verklausuliert daher, ist aber nicht frei von Verärgerung über die Passivität Berlins. Die Zweifel vieler Europäer am selbstlosen Engagement der Ex-Kolonialmacht verstärken die Frustrationen in Paris nur noch. Kritik aus Berlin kontert Macron mit dem Hinweis, dass Frankreich nicht nur über europäische Verteidigung rede – im Sahel tue es wirklich etwas für die Sicherheit Europas und bezahle das mit Blut. Aus diesem Grund organisierte Macron am Montag auch ein Gipfelfoto vor den Grabkränzen jener sechs Soldaten aus Pau, die im Dezember in Mali gefallen waren.

Alarmiert sind die Franzosen auch durch die jüngste Ankündigung der USA, ihre militärischen Mittel aus Westafrika abzuziehen. Die in der Sahara entscheidende Luftüberwachung der Amerikaner würde dem französischen Generalstab schmerzlich fehlen. In Pau appellierten die sechs Präsidenten mit Nachdruck an Washington, vor Ort zu bleiben.

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