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Ratlose Gesichter: Präsident Muhammadu Buhari (li.) und Armeechef Tukur Yusuf Buratai.

Terrorgruppe

Machtlos gegen Boko Haram

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In Nigeria ist die Terrorgruppe wieder erstarkt, die Regierung hat ihr nichts entgegenzusetzen.

Der Mann schreit. Mit seinem Handy filmend eilt er über ein staubiges Gelände, das er als einen Stützpunkt der Armee vorstellt: Verbrannte Hütten sind zu sehen, ausgebrannte Panzer, verstreute Kochutensilien, Patronenhülsen. „Mehr als hundert Soldaten sind hier gestorben“, schreit der Mann, selbst ein Soldat: „Sie töten uns jeden Tag. Die Situation wird immer schlimmer.“

Mit „sie“ in dem Video, das seinen Weg zu Youtube gefunden hat, sind die Kämpfer der islamistischen Extremistengruppe Boko Haram gemeint. Sie werden von Nigerias Präsident Muhammadu Buhari schon seit Jahren als „technisch besiegt“ oder „gänzlich geschlagen“ bezeichnet – entweder ein frommer Wunsch oder eine glatte Lüge: Insgesamt 17-mal haben die Extremisten in den vergangenen vier Monaten Militäreinrichtungen angegriffen: Die jüngste Attacke galt dem in dem Video festgehaltenen Camp Metele im Nordosten des Landes, bei dem Mitte November mindestens 40, vielleicht auch mehr als 100 Soldaten getötet wurden. Die Militärführung verlor zunächst kein Wort über den Vorfall. Erst als das Video die Runde machte, wurde der Überfall jetzt bestätigt, allerdings mit einer wesentlich niedrigeren Opferzahl.

Der anonyme Videofilmer bringt auch jede Menge schrottreifes Militärgerät ins Bild: „Das Zeug ist nutzlos“, schimpft der Soldat, „sie haben es nur pro forma hierhergebracht.“ Dass sie unter schlechtesten Bedingungen bis zur völligen Erschöpfung kämpfen müssten, beklagen die Grenadiere seit Jahren. Immer wieder kam es auch zu Meutereien und Fahnenflucht. Buhari wechselte seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren bereits viermal die Militärführung aus, genutzt hat das offenbar nichts. Nun meldete sich der südafrikanische Chef einer rund 100 Mann starken Söldnertruppe zu Wort, die Buharis Vorgänger Goodluck Jonathan kurz vor dem letzten Urnengang engagiert hatte, um seine Chancen auf eine Wiederwahl zu stärken. Er erhalte fast täglich Hilferufe von Soldaten, die seine Rückkehr wünschten, behauptet Eeben Barlow auf seiner Facebook-Seite: „Sie sind völlig demoralisiert.“

Im Februar stehen Wahlen an

Dem Chef der Specialized Tasks, Training, Equipment and Protection (STTEP) genannten Privatarmee wird nachgesagt, die Extremisten so effektiv wie keiner zuvor bekämpft zu haben: Seine Söldner sollen die Boko-Haram-Kämpfer auf ein kleines Gebiet im Sambisa-Wald zusammengetrieben haben. Als Buhari die Wahlen gewann, kündigte er jedoch den Vertrag mit der Barlow-Truppe: Nigerias Streitkräfte würden mit dem Problem alleine fertig, hieß es zur Begründung.

In den vergangenen zwei Jahren kam es auf der Seite der Extremisten zu folgenreichen Veränderungen. Wieder einmal spalteten sich die Boko-Haram-Milizionäre Ende 2016 auf: In einen Flügel, der dem bisherigen Chef Abubakar Shekau loyal blieb, und den „Islamischen Staat in Westafrika“ (ISWA), der inzwischen von Abu Musab al-Barnawi angeführt wird – nachdem sein Vorgänger Mamman Nur von den eigenen Leuten ermordet wurde. Womöglich sei er zu moderat gewesen, vermuten Terrorexperten. Anders als Shekau – der sich auf Selbstmordattentate konzentriert – sucht al-Barnawi die direkte Konfrontation mit den Streitkräften: Auf sein Konto sollen die 17 Angriffe auf militärische Einrichtungen gehen, die den Sohn des Boko-Haram-Gründers Mohammed Yussuf jetzt ins Rampenlicht katapultierten.

Nicht allen kommt die jüngste Eskalation ungelegen: Für Februar sind wieder Wahlen anberaumt. Die Tatsache, dass Präsident Buhari mit dem Extremistenproblem nicht fertig wird, stärkt die oppositionelle People’s Democratic Party (PDP) und deren Kandidaten Atiku Abubakar. Buhari wirft seinem Kontrahenten das Ausschlachten einer nationalen Tragödie für den Stimmenfang vor. Genau dasselbe hatte der Ex-General vor vier Jahren allerdings auch getan.

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