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K-Frage

Machtkampf in der Union: Dämpfer für Markus Söder

  • vonPatrick Guyton
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Markus Söders Verhalten der vergangenen Tage ist mit Hochmut zu erklären, nicht aber mit Berechnung. Eine Analyse.

München - Über Monate, ja schon über ein Jahr gibt Markus Söder den ebenso seriösen wie zupackenden Staatsmann. Ernst in der Stimme, ernst im Blick, redet er in den Talkshows, spricht bei den vielen Pressekonferenzen in München und Berlin. Aus dem einstigen Haudrauf ist ein Ausbund an politischer Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit geworden, so die Wahrnehmung – in Teilen der Bevölkerung, in seiner CSU und auch in Teilen der CDU-Schwester. Sein wichtigster Einsatz: der Kampf gegen Corona.

Was ist da nun geschehen am Sonntag, als der CSU-Chef erklärte, er sei bereit zur Unions-Kanzlerkandidatur, wenn die CDU dies „breit unterstützt“? Söder hat lange, viel zu lange damit hinterm Berg gehalten. Er hat mit der K-Frage kokettiert, die hohen Zustimmungswerte ebenso genossen wie die Hilferufe aus der Union nach ihm. Söder hat nicht auf normale Weise seine Bewerbung in den Ring geworfen – er hat sie mit einer Forderung, ja einer Bedingung an die Schwesterpartei verknüpft: Ich würde es schon machen, aber ihr müsst voll hinter mir stehen.

Söder könnte auch 2025 noch Kanzler werden - er wäre dann erst 58.

Söder hätte die Union fast ins Desaster gestürzt

Dass die immer noch große CDU mit ihren 15 Landesverbänden und einem neuen Vorsitzenden da nicht ruckzuck mitgehen kann – Söder war das in dieser Dimension offenbar nicht in den Sinn gekommen. Armin Laschet hätte womöglich sein Amt dann schon wieder hingeworfen, das Desaster wäre komplett.

Nur mit einer großen Hybris ist zu erklären, dass der bayerische Ministerpräsident sich wohl nicht ausmalen konnte, was folgen würde: Dass sich die wichtigsten CDU-Gremien hinter ihren Parteivorsitzenden Laschet stellen, über dessen Wahl ja gefühlte Ewigkeiten gebrütet worden war. Hätte Söder früher die Karten auf den Tisch gelegt, wäre nicht der Eindruck dieser handstreichartigen Attacke entstanden. Unverständlich auch, dass er offenkundig nicht wenigstens vorab sondiert und ein paar CDU-Leute aus den Führungsgremien auf seine Seite gebracht hat.

Markus Söder: Zu sehr die bayerische Sicht

Die Ereignisse zeigen, dass der CSU-Chef keinen tieferen Einblick hat, wie die CDU funktioniert. Und das erscheint vielen dort nun als großes Manko. Sie verweisen darauf, dass Laschet immerhin moderieren, integrieren, den Laden zusammenhalten könne. Diese Art von Politikbetrieb ist Söder fremd. Im bayerischen Staatsapparat hat er alles auf sich zugeschnitten, reibungslos funktioniert es so, wie er will. Von der Fraktion im Landtag ist praktisch nichts mehr zu hören. Insgesamt wird bei den Christsozialen nur mehr wenig diskutiert.

Es ärgert Söder ungemein, wenn er sich nicht durchsetzen kann. Für ihn dürfte schon die Vorstellung kaum zu ertragen sein, hinter Laschet, als gefühlter Verlierer, in den Wahlkampf ziehen zu müssen. So hat die CSU nun nach ihrer Sitzung den Wunsch nach einer „breiteren Debatte“ in der Union hervorgezaubert. Irritierend: Laschet und Söder haben davor offenbar kein Agreement ausgemacht, wie man die K-Frage regelt, wenn beide wollen und keiner zurückzieht.

Manche zweifeln Söders Seriosität an

Zeitweise gab es eine weitere Lesart von Söders Handeln: Dass er wusste, dass er nicht zum Zuge kommen würde. Dass er aber durch sein Bereitstehen für die CSU die Preise bei künftigen Koalitionsverhandlungen hochtreiben kann. Doch so um die Ecke denkt Söder nicht. Er war vielmehr überwältigt von dem bundesweiten Zuspruch, den er in Bayern lange so vermisst hatte.

Manche zweifeln Söders Seriosität an. Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke etwa tobt: „Söder legt Flächenbrand im gemeinsamen Haus der Union.“ Mittelfristig steht der Franke aber nicht schlecht da, auch wenn er in München bleiben sollte. Verfehlt Laschet das Kanzleramt oder vermurkst er eine Regierungskoalition, stünde Söder zu Diensten. Bei der darauffolgenden Bundestagswahl 2025 wäre er in Bayern schon ein äußerst erfahrener Regierungschef – und doch mit dann 58 Jahren noch jung genug, um das Kanzleramt anzupeilen. (Patrick Guyton)

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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