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Donald Trump stellt sein Kabinett zusammen. Die ersten aus seinem alten Team müssen bereits gehen.

Donald Trump

Machtkämpfe im Trump-Team

Der designierte US-Präsident Trump baut aktuell sein Regierungsteam auf. Medienberichten zufolge brechen erste Machtkämpfe offen aus, zwei ehemalige Berater wurden bereits "entfernt".

Eine Woche nach seinem überraschenden Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen arbeitet der designierte Präsident Donald Trump mit Hochdruck an der Zusammenstellung seines Kabinetts. Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani ist offenbar einer der heißesten Anwärter auf das Amt des Außenministers, wie Äußerungen von Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway im Fernsehsender Fox News vermuten ließen. Medienberichten zufolge brechen im Team Trumps aber auch erste Machtkämpfe offen aus.

"Sein Name wurde sehr ernsthaft als Außenminister genannt", sagte Conway dem Sender Fox News mit Blick auf Giuliani. "Es ist ein Job, für den er qualifiziert ist und den er außergewöhnlich gut machen würde." Der frühere New Yorker Bürgermeister gilt als einer der engsten Vertrauten von Trump. Er hatte den Milliardär im Wahlkampf anders als viele Republikaner-Kollegen vorbehaltlos unterstützt.

Ursprünglich war der 72-jährige Giuliani als künftiger Justizminister gehandelt worden. Er selbst hatte zunächst auch im Fernsehen erklärt, dass er sich dieses Amt zutraue. Am Montag dann sagte er aber überraschend bei einer Veranstaltung in Washington, dass er nicht das Justizressort leiten wolle.

Bizarre Wutattacken von Giuliani

Giuliani war wegen seiner Erfolge bei der Kriminalitätsbekämpfung in New York und vor allem wegen seines beherzten Einsatzes nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 einst parteiübergreifend bewundert worden. Bei vielen US-Bürgern hat Giuliani durch seine Allianz mit Trump und zum Teil bizarre Wutattacken im Wahlkampf an Ansehen eingebüßt. Für seinen wild gestikulierenden Parteitagsauftritt erntete er beispielsweise viel Spott aus der US-Comedybranche.

Der Sender CNN berichtete, Trump prüfe allerdings noch, ob Giulianis Geschäftsbeziehungen - darunter seine Lobbyistentätigkeit für einen venezolanischen Ölkonzern - einer Berufung ins Amt des Außenministers entgegen stehen könnten. Für den Posten kommt Berichten zufolge auch der frühere UN-Botschafter der USA, John Bolton, infrage. Der scharfe UN-Kritiker ist wie Giuliani, der ihn am Montag als "sehr gute Wahl" bezeichnete, ein Falke. Auf die Frage, ob es noch eine bessere Wahl als Bolton gebe, sagte Giuliani: "Vielleicht ich, ich weiß es nicht."

CNN zitierte eine Quelle aus dem Umfeld des Übergangsteams, wonach hart um die zu vergebenden Kabinettsposten gerungen werde. Es sei wie bei einem "Messerkampf". Neben Giuliani und Bolton sind demnach auch der ehemalige General Michael Flynn und Senator Jeff Sessions aus Alabama aussichtsreiche Anwärter auf einen Platz am Kabinettstisch.

Wichtigen Berater aus Team "entfernt"

Bereits am Sonntag hatte seine ersten wichtigen Personalentscheidungen getroffen. Zum Chefstrategen im Weißen Haus ernannte der 70-Jährige seinen ultrarechten Wahlkampfmanager Stephen Bannon; Republikaner-Parteichef Reince Priebus soll Stabschef werden.

Spekulationen entzündeten sich am Dienstag an dem Rückzug von Mike Rogers, der im Übergangsteam für nationale Sicherheit zuständig war. Zuvor hatte Trump bereits mit der Degradierung des Gouverneurs des Bundesstaats New Jersey, Chris Christie, vom Posten des Leiters seines Übergangsteam zu einem von mehreren Stellvertretern für Unruhe gesorgt. Christie wurde durch den designierten Vizepräsidenten Mike Pence ersetzt.

Zeitung "New York Times" berichtete zudem, dass Trump einen weiteren wichtigen Berater für Außen- und Sicherheitspolitik, Matthew Freedman, aus dem Team entfernt habe. Nach Angaben von US-Verteidigungsvertretern hat das Team im Pentagon, das die Amtsübergabe organisieren soll, bis zum Dienstagnachmittag noch keinen Kontakt zu ihren Ansprechpartnern in der Trump-Mannschaft.

Ungeachtet seiner Vorbehalte gegen den künftigen US-Präsidenten Trump haben sich die Republikaner unterdessen erneut für Paul Ryan als Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus ausgesprochen. Bei einer Abstimmung hinter geschlossenen Türen wurde der 46-Jährige von den Abgeordneten seiner Partei einstimmig bestätigt, wie die Republikaner-Fraktion in Washington mitteilte. Die formale Wahl findet nach dem 3. Januar statt. Der 46-Jährige war im Wahlkampf auf Distanz zu Trump gegangen. (afp)

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