Buch über Franz Josef Strauß

Macht und Missbrauch

Contra für die CSU Legende. "Ich wollte den Gutgläubigen die Augen öffnen. Sie sollten nicht mehr aufschauen zu einem Riesendenkmal Strauß". So steht es im Vorwort des Schlötterer-Buches. Von Iris Hilberth

Von IRIS HILBERTH

München. Als Wilhelm Schlötterer im Oktober sah, wie die CSU-Granden am 20. Todestag von Franz Josef Strauß jenem Mann huldigten, den sie nicht müde werden als Übervater der Partei darzustellen, da wurde dem Ex-Ministerialbeamten im bayerischen Finanzministerium erneut klar.

Es ist wichtig, dieses Buch zu schreiben. Ein dreiviertel Jahr später liegt "Macht und Missbrauch" vor. Darin rechnet Schlötterer mit der Ära Strauß ab und verschont die Nachfolger des skandalumwitterten Ministerpräsidenten nicht.

Vieles von dem, was der heute 70-Jährige beschreibt, ist bekannt. Doch indem der Autor Fälle von Begünstigung, Rechtsbeugung und Strafvereitelung aneinanderreiht, zeichnet er das Bild eines nahezu autokratischen Regimes in Bayern.

In seinem Vorwort betont er: "Ich wollte den Gutgläubigen die Augen öffnen. Sie sollten nicht mehr aufschauen zu einem Riesendenkmal Strauß, sie sollten Bescheid wissen über Max Streibl, sie sollten keine bitteren Tränen über Stoibers Sturz vergießen, und sie sollten Erwin Huber so sehen, wie er sich sonst nicht darstellte."

Schlötterer, seit gut 30 Jahren CSU-Mitglied, hält es mit dem früheren Kultusminister Hans Maier: "Der kleine Mann in der CSU ist schon in Ordnung." Der große Mann oft eben nicht, schließt Schlötterer daraus und will belegen, dass nach der Amtszeit von Ministerpräsident Alfons Goppel Männer Bayern regierten, die vor allem an ihrem eigenen Vorteil und dem ihrer Freunde interessiert waren. Schlötterer schildert, was einem wie ihm blühen konnte, der als Steuerbeamter die Großen nicht laufen lassen wollte: Zwangsversetzungen, Disziplinarverfahren und Strafantrag wegen angeblicher Verletzung des Steuergeheimnisses.

Schlötterer hatte mit Beschwerden, Briefen und Petitionen an den Landtag Kungelei und Korruption angeprangert. Zwei Untersuchungsausschüsse gab es. Schlötterer sieht sich als denjenigen, der Anfang der 90er Jahre den Anstoß zur Aufdeckung der Amigo-Affäre gab. Sie führte zum Rücktritt Streibls als Ministerpräsident.

Den aktuellen obersten Bayern Horst Seehofer kann das Buch nicht kalt lassen. Er pflegt den Mythos Strauß. Und wie: Als Sozialministerin Christine Haderthauer sagte, Strauß sei als Vorbild ungeeignet, wäre sie fast aus dem Kabinett geflogen.

Wilhelm Schlötterer: Macht und Missbrauch. Franz Josef Strauß und seine Nachfolger. Fackelträger-Verlag. 22,95 Euro.

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