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CIA macht Jagd auf US-Bürger

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Die US-Regierung hat laut Medienberichten den Geheimdienst CIA mit der Ergreifung oder gezielten Tötung des Hass-Predigers Anwar al-Awlaki beauftragt. Von Dietmar Ostermann

Von Dietmar Ostermann

Washington. Im März hatte Anwar al-Awlaki per Tonband klargestellt, was er von seinem Geburtsland hält: Die USA seien "böse", als Muslim könne er dort nicht leben, deshalb sei er "dem Dschihad gegen Amerika verpflichtet". Nun hat sich die US-Regierung laut Medienberichten revanchiert - und den Geheimdienst CIA mit der Ergreifung oder gezielten Tötung des Predigers beauftragt. Sein Name soll nach übereinstimmenden Berichten auf jene CIA-Feindliste gesetzt worden sein, deren Personen praktisch zum Abschuss freigegeben sind.

Ungewöhnlich daran ist weniger, dass Präsident Barack Obama das unter George W. Bush begonnene Tötungsprogramm fortsetzt. Dass Washington seit Obamas Amtsantritt den Drohnenkrieg intensiviert hat, ist bekannt. So wurden laut der linksliberalen Denkfabrik New America Foundation seit Anfang 2009 allein in Pakistan 666 mutmaßliche US-Feinde durch Raketen getötet. In den Bush-Jahren 2004 bis 2008 waren in Pakistan von US-Drohnen "nur" 230 Zielpersonen liquidiert worden.

Außergewöhnlich am Fall Al-Awlaki ist, dass er US-Bürger ist. Laut US-Medien ist es das erste Mal, dass die CIA eine Tötungserlaubnis für einen Landsmann erhielt. Der Sohn arabischer Eltern wurde 1971 in New Mexico geboren und erhielt damit automatisch den US-Pass. 1977 zog er in den Jemen. Später studierte Al-Awlaki in den USA und predigte in mehreren Moscheen. 2002 ging er zurück in den Jemen. Laut US-Behörden hat er Verbindungen zu den Attentätern vom 11. September 2001 gehabt. Zuletzt tauchte sein Name im Zusammenhang mit dem im Jemen rekrutierten Detroit-Attentäter Umar Farouk Abdulmutallab auf, der versuchte, ein Flugzeug in die Luft zu sprengen. Auch mit dem US-Militärpsychiater Nidal Hassan soll Al-Awlaki in E-Mail-Kontakt gestanden haben, bevor der im November auf dem US-Stützpunkt Ford Hood 13 Menschen erschoss.

Die US-Regierung betrachtet Al-Awlaki nicht mehr nur als Sprachrohr El Kaidas. "Die Gefahr,die von ihm ausgeht, ist nicht mehr nur auf Worte beschränkt", zitierte die New York Times einen US-Beamten. Die Abgeordnete Jane Harman nannte ihn "Terrorist Nummer eins in Bezug auf die Bedrohung gegen uns". Laut US-Medien soll sich sogar der nationale Sicherheitsrat mit dem Fall Al-Awlaki befasst haben.

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