Klimawandel

Die Macht der Investoren

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Zwölf Großanleger versprechen ein klimaneutrales Anlageportfolio bis 2050.

Wirksame Schritte im Kampf gegen den Klimawandel sind im globalen Maßstab rar. Die Pläne von UN-Generalsekretär Antonio Guterres und einem Bündnis zwölf großer Kapitalanleger wie der Allianz haben das Zeug dazu. Mit geballter Anlegermacht soll das finanzstarke Dutzend dafür sorgen, dass Unternehmen, in die sie investiert haben, klimaneutral wirtschaften. Verweigern sie sich, wird das Investment beendet. Die zwölf Großanleger verpflichten sich in jedem Fall, 2050 ein klimaneutrales Anlageportfolio zu haben. Verkündet wurde der Plan beim UN-Klimagipfel in New York im Beisein von Allianz-Chef Oliver Bäte. „Das Bekenntnis sendet ein starkes Signal, dass Finanzmärkte und Investoren auf die Wissenschaft hören“, sagt der Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, Inger Andersen.

Das glaubt auch Allianz-Vorstand Günther Thallinger. Ein Jahr lang war er zuletzt im UN-Auftrag unterwegs, um große Versicherer und Pensionsfonds zu einer Allianz im Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen. „Es ist ein erfreulich guter Start“, sagt Thallinger zum nun vorweisbaren Zwischenergebnis. Insgesamt brächten die zwölf Großinvestoren ein Anlageportfolio von 2,1 Billionen Euro zusammen. Gut ein Drittel davon entfällt auf die Allianz.

Für Normalverbraucher ist das eine schier unfassbare Summe. Wenn man aber weiß, dass Großinvestoren wie die Allianz global insgesamt rund 45 Billionen Euro in Anlagen stecken haben, relativiert sich das. Deshalb will das Klimabündnis weitere Mitstreiter gewinnen. Binnen eines Jahres soll sich die Anlagesumme auf rund 4,5 Billionen Euro verdoppeln, sagt Thallinger.

Die Gründungsmitglieder der Großanleger-Allianz im Kampf gegen den Klimawandel sind regional unterschiedlich verteilt. Aus Deutschland ist bislang nur der Münchner Versicherer Allianz mit von der Partie. Am stärksten repräsentiert ist Skandinavien. Schweden stellt mit den Pensionsfonds AMF und Alecta sowie dem Versicherer Folksam drei Großinvestoren. Aus Dänemark stammt Pension Danmark, aus Norwegen Storebrand und aus Finnland Nordea Life and Pension. Aus Europa sind zudem die Schweizer Versicherer Swiss Re und Zurich Teil der Klimainitiative und das französische Finanzinstitut Caisse des Depot.

Einfach war das Werben um Mitstreiter nicht, lässt er durchblicken. Nicht immer sei er auf offene Türen gestoßen. Skandinavische Finanzkonzerne und Pensionsfonds waren leicht zu gewinnen. Die Hälfte der Anleger-Allianz stammt von dort. Anders sieht es in Asien und den USA aus. Bislang hat sich kein asiatischer Großanleger zum Bündnis bekannt. Aus den USA konnte der kalifornische Pensionsfond Calpers gewonnen werden, worauf Thallinger besonders stolz ist.

„US-Konzerne können sich nicht so aus dem Fenster lehnen“, weiß er. Auf die Frage, ob das an US-Präsident Donald Trump liegt, gibt der Manager eine diplomatische Antwort: „Unternehmerische Entscheidungen sind immer abhängig von den politischen Rahmenbedingungen.“ Asiatische Konzerne würden dagegen beobachten, ob aus der Initiative etwas Großes wird. Auch hier hat Thallinger die Hoffnung auf Beitrittskandidaten nicht aufgegeben. „Wir wollen überzeugen“, sagt Thallinger. Die Großanleger im Bündnis wollen mit Unternehmen, in die sie investiert haben mit einer Stimme sprechen und sie zu klimaneutralem Wirtschaften bewegen. Einzelstimmen könnten wenig ausrichten, auch wenn die Allianz im Konzert der globalen Großanleger einer der echten Riesen ist. Zusammen sei aber einiges möglich. Anfangen wolle man bei Energieversorgern oder Bergbauunternehmen, die im großen Stil an der Produktion oder Verstromung fossiler Energieträger beteiligt sind.

Verpflichtendes Ziel aller Großanleger sei es, bis 2050 ein klimaneutrales Anlageportfolio zu haben. Entweder dadurch, dass betroffene Firmen klimaneutral werden oder dadurch, dass sie aus dem Portfolio fliegen. Für das Klima besser wäre Ersteres. Die genauen Spielregeln dafür würden gerade definiert. Sie müssten differenzieren zwischen Dienstleistern, für die es relativ leicht ist, klimaneutral zu werden und der Zementindustrie, wo vieles schwerer falle. Der Druck auf betroffene Konzerne steigt, je mehr Großanleger mitmachen. Steigen sie serienweise bei Verweigerern aus, drohen angesichts großer Anlegermacht Kursstürze.

Selbstlos ist die Initiative nicht. Bei großen Investoren hat sich vielfach die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Anlagen in Unternehmen besser entwickeln, die in ihrem Wirtschaften umschwenken und klimaneutral werden. Das Kalkül ist, dass betroffene Anlageportfolien überproportional im Wert steigen. „Den Klimawandel abmildern ist die Herausforderung unseres Lebens“, findet Allianz-Chef Bäte.

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