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„Ahmadi Bye-Bye“: Mahmud Ahmadinedschad.

Iran

Was macht eigentlich... Ahmadinedschad?

Keine leichten Zeiten für den iranischen Noch-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad: Erst verliert er die Wahl und jetzt muss er sich auch noch Häme und Spott gefallen lassen.

Von Farshid Motahari

Vor der Wahl war er Sündenbock, nach der Wahl musste er sich dann auch noch sehr viel Spott gefallen lassen. Definitiv keine leichten Zeiten für den iranischen Noch-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad.

Teheran ist eine sehr große Stadt, aber nirgendwo dort konnte man den Jubel von Hunderttausenden nach dem Sieg des Reformkandidaten Hassan Ruhani bei der Präsidentenwahl überhören. Staatschef Mahmud Ahmadinedschad mag es in den Ohren geklungen haben. Immer wieder erschallte höhnisch „Ahmadi Bye-Bye, Ahmadi Bye-Bye“.

Vor den Wahlen war Ahmadinedschad noch felsenfest überzeugt, dass er beliebt sei im Volk. Sein Sprachrohr, die staatliche Nachrichtenagentur Irna, lobte noch „die beste Regierung“ in der 34-jährigen Geschichte der Islamischen Republik. Der Hardliner Said Dschalili galt vor dem Votum als Geheimfavorit und als derjenige, der die Politik Ahmadineschads fortführen würde. Dann aber erhielt Dschalili gerade mal 4 Millionen von über 36 Millionen Stimmen. „Zahlen lügen nicht“, sagt ein Journalist.

Beobachter sprechen von einem peinlichen Abgang. Ahmadinedschad habe sich völlig verschätzt. „Er hat ernsthaft behauptet, dass unter seiner Führung der Iran nach den USA die zweite Weltmacht war“, sagt ein ausländischer Diplomat in Teheran. Er sorgte mit „unnötiger Hetz-Rhetorik“ gegen Israel – O-Ton Ruhani – nicht nur für internationale Empörung, sondern auch für israelische und amerikanische Kriegsdrohungen.

„Provokateur vom Amt“

Und zu Hause machte sich der „Provokateur vom Amt“ mit angeblichen Enthüllungen über Spitzenpolitiker, die er aber nie beweisen konnte, immer mehr Feinde. Einer davon ist Parlamentspräsident Ali Laridschani. Der geht nun gerichtlich gegen ihn vor.

Aber endgültig gestolpert ist er wohl über Statistiken, die am Ende keiner mehr ernst nahm. „Als Präsident dem Volk falsche Statistiken zu präsentieren ist unverzeihlich“, sagt Ruhani. Laut Ahmadinedschad war der Iran nach den Krisen in den USA und Europa das einzige Land ohne Einbrüche in der Wirtschaft. Dafür legte er dann Statistiken vor, die mit der Realität nie übereinstimmten. „Wenn die nationale Währung binnen zwölf Monaten nur noch die Hälfte wert ist, dann kann irgendetwas mit diesen Statistiken nicht stimmen“, sagt ein Wirtschaftsexperte.

Auch der Klerus, allen voran der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei, unterstützte Ahmadinedschad in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr. Nun wird gemunkelt, dass er nach vier Jahren wiederkehren will, wenn er wieder fürs Präsidialamt kandidieren darf. Andere glauben, dass er sich zurückzieht. Bis August ist Ahmadinedschad noch im Amt. „Hoffen wir, dass bis dahin nichts mehr passiert“, so der Wirtschaftsexperte.

Auf die Frage der Nachrichtenagentur Fars, was er nun machen wolle, grinste Ahmadinedschad nur. Das interpretierten viele als: „Werdet ihr noch früh genug sehen.“ Dem Wahlergebnis zufolge hat er aber nicht gerade viele Anhänger im Land. Daher stand auch auf einer iranischen Facebook-Seite: „Wir laden Ahmadis Anhänger sehr herzlich zum Essen ein – viel müssen ja wir nicht bezahlen.“ (dpa)

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