Ein Macho von nebenan

Tony Abbott, nach eigenen Angaben der künftige Premier Australiens, hat etwas von einem Vorabendserien-Star. Jeder hat ihn schon mal gesehen, aber sein Bekanntheitsgrad hat nicht unbedingt etwas mit der Qualität seiner Arbeit zu tun. Am heutigen Samstag wird gewählt in Australien, und Umfragen prophezeien ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Amtsinhaberin Julia Gillard vor der Labor-Partei und ihrem rechtsliberalen Herausforderer.

Von Pia Volk

Tony Abbott, nach eigenen Angaben der künftige Premier Australiens, hat etwas von einem Vorabendserien-Star. Jeder hat ihn schon mal gesehen, aber sein Bekanntheitsgrad hat nicht unbedingt etwas mit der Qualität seiner Arbeit zu tun. Am heutigen Samstag wird gewählt in Australien, und Umfragen prophezeien ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Amtsinhaberin Julia Gillard vor der Labor-Partei und ihrem rechtsliberalen Herausforderer.

Abbott, der gewandte Redner, gönnte sich keine Ruhe, besuchte in der Nacht zum Freitag noch einen Pub, eine Polizeiwache, einen Blumenmarkt. Bloß keinen Wähler verpassen, hieß die Devise. Ernste Wirtschaftsdebatten mied der Kandidat zwar. Bei Themen aber, bei denen manch anderer sich auf die Zunge beißt, plauderte der 52-Jährige frei heraus, was ihm in den Sinn kam. Jungfräulichkeit hält er für ein Geschenk, das man nicht leichtfertig hergeben sollte. Von Homosexualität fühlt er sich ein wenig bedroht. Und er findet, dass schlechte Chefs besser seien als gar keine Chefs.

Abbott, 1957 eher zufällig in London als Sohn australischer Eltern geboren, kam im Alter von drei Jahren nach Sydney. In Warringah, im Norden der Metropolregion, liegt heute auch sein Wahlkreis. Der gläubige Katholik besuchte zunächst ein Priesterseminar und arbeitete eine Zeit lang als Journalist, bevor er die politische Laufbahn einschlug. Seit 1994 gehört Abbott dem Parlament an. Als Arbeitsminister hat er Gesetze erlassen, die zu den erbittertsten Gewerkschaftsprotesten der australischen Geschichte führten. Unter anderem erleichterten sie Kündigungen und froren Mindestlöhne ein. Die Labor-Regierung unter Kevin Rudd hat die Gesetze zwar wieder abgeschafft, doch die Angst, dass Abbott im Fall eines Wahlsiegs eine neue Version auflegen könnte, geht im Land um.

Mit der derzeitigen Premierministerin Gillard verbindet Abbott mehr, als vermutlich beiden lieb ist. Beide sind auf ihre Posten gelangt, nachdem der jeweilige Parteichef gestürzt wurde. Nun müssen sie beweisen, dass sie trotzdem vertrauenswürdig sind. Während Gillard bei Wählerinnen als emanzipierte Frau punktete, stellte sich Abbott als Familienmensch dar. Er und seine Frau wüssten, was es heiße, eine Hypothek abzuzahlen, sagte er in einer Fernsehdebatte. Auch hat er sich für sechs Monate bezahlten Erziehungsurlaub eingesetzt, während Labor nur drei Monate anbietet.

Doch die Strategie verfing nicht so recht. Wählerinnen sehen in Abbott eher den Macho, zeigt er sich doch gern in kessen Badeshorts am Strand, wo er noch immer als Rettungsschwimmer arbeitet. Bei Männern kommt er besser an; sie erkennen in Abbott einen Kumpel von nebenan.

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