„Luanda Leaks“

Die Machenschaften der Isabel dos Santos

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Die Tochter des angolanischen Ex-Präsidenten soll illegal Milliarden angehäuft haben. Nach Medienrecherchen erstreckt sich ihr Imperium auch auf Kontakte zu deutschen Firmen.

Niemals zurückbezahlte Anleihen von Staatsunternehmen in dreistelliger Millionenhöhe, schamlos überteuerte Beraterverträge und staatliche Dekrete, die vom Papa zu Gunsten ihrer Privatgeschäfte erlassen wurden: Isabel dos Santos, die reichste Frau Afrikas und Tochter des früheren angolanischen Staatspräsidenten, soll ihr Milliarden-Vermögen auf schäbigste Weise erworben haben. Das geht aus mehr als 700 000 Dokumenten hervor, die dem Internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) von der in Paris ansässigen „Plattform zum Schutz von Informanten in Afrika“ zugespielt wurden.

Den Recherchen zufolge verfügt die 46-jährige Milliardärin zusammen mit ihrem kongolesischen Mann Sindika Dokolo über ein Imperium von mehr als 400 Firmen in 41 Staaten der Welt, von denen 94 in Steueroasen wie Malta, Mauritius und Hongkong angesiedelt sind. Ihr Reichtum hat der Angolanerin mit britischer Staatsangehörigkeit zu zahlreichen Villen – darunter einem 50 Millionen Euro teuren Anwesen in Monte Carlo –, einer 30 Millionen Euro teuren Jacht sowie einer künstlichen Insel in Gestalt eines Seepferdchens in Dubai verholfen.

Insgesamt soll sich die älteste Tochter des 38 Jahre lang regierenden Ex-Präsidenten Eduardo dos Santos mehr als eine Milliarde Euro an angolanischen Staatsgeldern widerrechtlich angeeignet haben, teilte ein Gericht in der Hauptstadt Luanda jüngst mit, das zumindest ihr in dem südwestafrikanischen Land gehaltenes Vermögen einfrieren ließ. „Jedes Mal, wenn sie irgendwo auf der Welt auf dem Titel eines Hochglanzmagazins erscheint oder in Südfrankreich eine ihrer glamourösen Partys veranstaltet, trampelt sie auf den Sehnsüchten der Angolaner herum“, kommentierte Andrew Feinstein von der britischen Antikorruptionsorganisation „Corruption Watch“.

Viele der illegalen Transaktionen wurden nach den von Dutzenden von Journalisten in monatelanger Kleinarbeit ausgewerteten Dokumenten sogar unter den Augen internationaler Beraterfirmen getätigt. Auch eine Tochterfirma der staatlichen deutschen Förderbank KfW soll dos Santos bei der Vermehrung ihres Reichtums geholfen haben: Die Ipex-Bank stellte einer angolanischen Bank vor fünf Jahren fast 50 Millionen Euro zur Verfügung, mit der die „Sodiba“-Brauerei der Präsidententochter deutsche Industrieanlagen erwerben konnte. Das Projekt war zuvor von Papa dos Santos per Dekret genehmigt worden. Die KfW wehrt sich gegen Vorwürfe, illegal gehandelt zu haben. Es sei um eine Exportfinanzierung für Brauerei- und Getränkeanlagen des deutschen Anlagenbauers Krone gegangen. Vertragspartner war die angolanische Bank BPC, wie die Ipex-Bank am Montag mitteilte. „Unseren Vertragspartner identifizieren wir gemäß den geltenden Compliance-Richtlinien und den Anforderung des Geldwäschegesetzes.“ Auf Grundlage dieser Prüfung habe nichts gegen die Finanzierung gesprochen.

Vater erließ nötige Dekrete

Im Verlauf ihrer atemberaubenden Karriere wusste sich die „Prinzessin“, wie dos Santos zu Hause nicht ohne Bitterkeit genannt wird, Anteile an einer angolanischen Diamantenfirma, am größten Telkom-Unternehmen Unitel, zwei Banken und dem größten Zementproduzenten anzueignen – meist mit Hilfe ihres Vaters, der die nötigen Dekrete erließ. 2016 setzte er seine älteste Tochter auch zur Generaldirektorin des staatlichen Erdölkonzerns Sonangol ein, der für 90 Prozent der angolanischen Devisen sorgt. Die Position wusste die in Großbritannien ausgebildete Geschäftsfrau zu lukrativen Beraterverträgen und Joint Ventures zu nutzen, die ihrem Imperium zugute kamen. Als sie schließlich von ihrem Posten enthoben wurde, zeichnete sie noch schnell Rechnungen in zweistelliger Millionenhöhe für eine ihrer Firmen ab. (mit dpa)

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