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Gibt sich kämpferisch: Luiz Inácio Lula da Silva.

Comeback

Lula mischt Brasiliens Politik auf

Der freigelassene Ex-Präsident attackiert seinen Nachfolger Bolsonaro.

Nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis hat sich Brasiliens Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva mit scharfen Angriffen gegen seinen Nachfolger Jair Bolsonaro in der politischen Debatte zurückgemeldet. Lula bezeichnete Bolsonaro als „Schurken“ und kündigte an, durch das Land zu reisen. In einer Rede vor Anhängern solidarisierte sich Lula zudem mit den unter Druck geratenen linksgerichteten Regierungen Südamerikas, die die Freilassung begrüßt hatten. In mehr als 70 Städten demonstrierten derweil Zehntausende Brasilianer gegen die Freilassung Lulas. Allein in São Paulo beteiligten sich tausende Menschen an der Kundgebung.

Vor dem Sitz der Metallarbeitergewerkschaft in São Bernardo do Campo nahe São Paulo wurde der linksgerichtete Ex-Präsident am Samstag von Vertrauten und Unterstützern warmherzig empfangen. Sein ultrarechter Nachfolger Bolsonaro sei gewählt worden, „um für das brasilianische Volk zu regieren und nicht für die Milizen in Rio de Janeiro“, sagte Lula. Und: „Ich bin zurück.“ Über alle Etagen des Gewerkschaftsgebäudes in São Bernardo do Campo hing ein riesiges Transparent mit Lulas Konterfei.

Schulterschluss mit Morales

Lula hatte das Gefängnis am Freitag nach mehr als eineinhalb Jahren Haft unter dem Jubel seiner Anhänger verlassen. Möglich geworden war die Freilassung nach einem Urteil des Obersten Gerichts. Dieses hatte am Donnerstag eine Regelung aufgehoben, wonach ein Verurteilter schon vor Ausschöpfung aller Rechtsmittel inhaftiert werden kann, wenn seine Verurteilung bei der ersten Berufung bestätigt wurde. Lulas Anwälte hatten nach dem Urteil umgehend seine Freilassung beantragt.

Lula kündigte an, er werde durch Brasilien reisen. Dabei wolle er „zeigen, dass dieses Land viel besser sein könnte, wenn es einen Präsidenten hätte, der nicht so viel auf Twitter lügt wie Bolsonaro“. Er werde weiter kämpfen, „um das Leben des brasilianischen Volkes zu verbessern“.

Bolsonaro schrieb am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter, Lula sei zwar „momentan frei, aber schuldig“. Im vergangenen Jahr hatte Bolsonaro während seines Wahlkampfes verkündet, er wolle, dass Lula „im Gefängnis verrottet“.

Derweil feierten linke Politiker aus ganz Lateinamerika die Freilassung Lulas. Glückwünsche erhielt er unter anderem vom neugewählten Staatschef Argentiniens, Alberto Fernández. Auch der umstrittene venezolanische Staatschef Nicolás Maduro und Kubas Staatsoberhaupt Miguel Díaz-Canel begrüßten die Freilassung. Lula bekräftigte am Samstag seine „Solidarität“ mit den linksgerichteten Regierungen Südamerikas. Er rief auch dazu auf, den wegen eines umstrittenen Wahlergebnisses belasteten bolivianischen Präsidenten Evo Morales zu unterstützen.

Lula, der von 2003 bis 2010 Präsident Brasiliens war, war 2017 nach einem Aufsehen erregenden Verfahren wegen Korruption zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Ihm wird vorgeworfen, eine Luxuswohnung als Gegenleistung für lukrative Aufträge des Staatskonzerns Petrobras an das Bauunternehmen OAS erhalten zu haben. (afp)

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