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Brasilien-Wahl: Lula wendet sich mit Appell an Bolsonaros Unterstützer

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Von: Kira Müller

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Luiz Inacio Lula da Silvabegrüßt seine Anhänger  während einer Wahlkampfveranstaltung. Nach dem knappen Sieg kommt es zu einer Stichwahl zwischen ihm und Amtsinhaber Bolsonaro am 30. Oktober 2022.
Luiz Inacio Lula da Silvabegrüßt seine Anhänger während einer Wahlkampfveranstaltung. Nach dem knappen Sieg kommt es zu einer Stichwahl zwischen ihm und Amtsinhaber Bolsonaro am 30. Oktober 2022. © Bruna Prado/dpa

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Spitzenkandidat Lula verspricht auch den Evangelikalen Unterstützung. Sie gelten als Unterstützer von Amtsinhaber Bolosonaro.

Brasilia - Luiz Inacio Lula da Silva hat einen offenen Brief an die Evangelikalen des Landes Brasilien veröffentlicht. Aus dem Brief geht hervor, dass, wenn der Kandidat gewählt werden würde, er die Religionsfreiheit respektieren würde – so wie er es während seiner Präsidentschaft von 2003 bis 2010 getan hatte.

„Wir leben in einer Zeit, in der Lügen intensiv eingesetzt werden, um Menschen in gutem Glauben Angst zu machen und sie von einer Kandidatur abzuhalten, die sie mehr verteidigt“, heißt es in dem Brief, veröffentlicht kurz vorm zweiten Wahlgang in Brasilien. „Deshalb hatte ich das Bedürfnis, mein Engagement für die Religionsfreiheit in unserem Land zu bekräftigen.“

Evangelikalen unterstützen Bolsonaro zu 70 Prozent

Die erste Abstimmungsrunde der Wahl zum Präsidenten in Brasilien hatte Lula mit knappem Vorsprung gewonnen und führt auch weiterhin vor Bolsonaro. Nun findet am 30. Oktober eine Stichwahl statt. Brasilianische Meinungsumfragen hatten unterschätzt, wie groß der Zuspruch aus der Bevölkerung für den rechtsextremen Führer Jair Bolsonaro ist, der einen Großteil seiner Unterstützung von Evangelikalen und anderen Konservativen erhält.

Selbsternannte Evangelikale machen in der brasilianischen Bevölkerung fast ein Drittel aus, mehr als doppelt so viel wie vor zwei Jahrzehnten. Etwa 65 Prozent der Evangelikalen unterstützen Bolsonaro. Lula bekommt Unterstützung von etwa 31 Prozent. Das geht aus einer am Freitag (14. Oktober) veröffentlichten Umfrage von Datafolha hervor. Katholiken unterstützen inzwischen wohl weitgehend den selbst katholischen Lula da Silva.

Vorwurf an Lula: Schließung von Kirchen und Rückzieher bei Abtreibung

Im Vorfeld der diesjährigen Abstimmung wurde Lula vorgeworfen, bei der Wahl zum Präsidenten, die Schließung von Kirchen zu planen. Doch Lula hält dagegen und erwähnte im Brief: „Jeder weiß, dass es nie das geringste Risiko für Kirchen gab, als ich Präsident war. Im Gegenteil. Meine Regierung wird in keiner Weise gegen die Religionsfreiheit vorgehen“.

Zusätzlich wurde er wegen des Themas Abtreibung von Bolsonaros Lager angegriffen. Er behauptete eine Abtreibung solle „ein Recht“ sein – später machte er einen Rückzieher, wegen der weit verbreiteten Gegenaktionen im Land.

Auch beim Thema Abtreibung, das mehr als 70 Prozent der Brasilianer meist ablehnen, versuchte Lula, Ängste zu zerstreuen: „Für mich ist das Leben heilig, das Werk Gottes, des Schöpfers, und meine Verpflichtung war und wird es immer sein, es zu schützen“, schrieb er und fügte hinzu, dass er zwar persönlich gegen Abtreibung sei, es aber eine Angelegenheit sei, die nicht vom Präsidenten, sondern von Kongress entschieden werden müsse.

Bolsonaro wird Niederlage womöglich nicht akzeptieren

Beobachter bezweifeln unterdessen, ob Bolsonaro eine verlorene Wahl akzeptieren wird. Er hat monatelang behauptet, dass das elektronische Wahlsystem von Brasilien anfällig für Betrug sei – ohne Beweise. Justizexperten haben Bolsonaros Betrugsvorwürfe als unbegründet zurückgewiesen. (Kira Müller)

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