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Luisa Neubauer
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Klimaaktivistin Luisa Neubauer in Leipzig.

Interview

Luisa Neubauer warnt vor „Ausredensucherei“ nach Bundestagswahl

  • Daniel Dillmann
    VonDaniel Dillmann
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  • Tobias Utz
    Tobias Utz
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Im exklusiven Interview mit der FR spricht die Klimaaktivistin Luisa Neubauer über ihre Forderungen an die kommende Bundesregierung.

Frau Neubauer, die Bundestagswahl 2021 steht vor der Tür. Haben Sie schon gewählt?

Nein, das mache ich am Sonntag – ganz klassisch.

Sie haben bisher noch nie eine Wahlempfehlung abgegeben: Warum tun Sie das nicht? Und warum empfehlen Sie beispielsweise nicht die Grünen?

Wir haben 30 Jahre lang in diesem Land erlebt, wie man die Klimakrise an eine Partei outgesourct hat. Man hat immer gesagt: „Die Grünen bekommen nicht die Prozente, dann gibt es eben keinen Klimaschutz.“ Dieses Verständnis hat uns in die Krise getrieben. Alle demokratischen Parteien haben die Aufgabe, Ideen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens vorzulegen. Genau deshalb möchte ich keine der Parteien aus ihrer Verantwortung entlassen.

Dennoch ist es natürlich für jedes Kind erkennbar, dass es einige Parteien gibt, die nicht vorhaben, ins Unbequeme zu gehen und etwas gegen die Klimakatastrophe zu unternehmen. Andere Parteien planen hingegen deutlich mehr. Da sagen wir ganz einfach: Hören Sie auf die Wissenschaft, beispielsweise hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung die Parteiprogramme in einer Studie überprüft. Wir mobilisieren am Freitag zum Klimastreik, da es zwar große Unterschiede zwischen den Parteien gibt. Aber keine Partei schlägt das vor, was notwendig wäre. Deshalb reicht klima-bewusstes Wählen allein nicht aus, sondern es braucht auch den Druck von der Straße.

Nach Ihrem Auftritt bei Markus Lanz am Dienstag hat die Tageszeitung Welt Ihnen und Fridays for Future fehlendes Demokratieverständnis unterstellt. Wenn es um eine „gute Sache“ gehe, sei Demokratie nicht das Mittel der Wahl.

Dass die Welt uns Demokratiefeindlichkeit vorwirft, ist mittlerweile eine traditionelle Institution geworden. Das machen ihre Kollegen dort gefühlt dreimal die Woche – und dafür braucht es keinen Auftritt von mir bei Markus Lanz. Wer sich nicht ernsthaft mit der Klimakrise beschäftigen will, greift eben zu solchen populistischen Pseudoargumenten

Das Pariser Abkommen wurde demokratisch, einstimmig verabschiedet, die Mehrheit der Gesellschaft will mehr Klimaschutz und jede demokratische Partei hat das 1,5 Grad Ziel in ihrem Programm stehen. Kein Klimaschutz ist undemokratisch und gefährdet die Demokratien. Denn je mehr Klimakrise auf unser hereinbricht, desto häufiger wird der Notstand regieren.

Luisa Neubauer, Klimaaktivistin bei Fridays for Future

Bleibt die ältere Generation bei Ihrer Mobilisierung für die Klimapolitik auf der Strecke?

Die Klimakrise ist nicht per se ein Problem von jungen Leute, nur weil sie länger auf diesem Planeten leben. Es ist weder unsere alleinige Verantwortung, noch unser alleiniges Problem. Unter den 20.000 Hitzetoten im Sommer sind wenige junge Menschen, sondern vor allem ältere Menschen. Gleichzeitig erleben wir mittlerweile, dass sich alle Generationen für die Klimapolitik engagieren. Immer mehr ältere Menschen organisieren sich und bringen sich ein. Das ist großartig.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer in Leipzig.

Armin Laschet und die Union wollen der Thematik nun mit ihrem „Zukunftsteam“ begegnen. In dem Team ist unter anderem Wiebke Winter: Sehen Sie Personen wie Wiebke Winter als natürliche Verbündete der Fridays for Future-Bewegung oder ist sie ein Gegenentwurf beziehungsweise ein Feigenblatt der Union?

Es braucht in allen Parteien dringend Menschen, die für Klimaprogramme kämpfen. Es ist toll, dass es sie auch in der Union gibt. Die CDU/CSU hat sich dafür entschieden, keinen einzigen Vorschlag der Klimaunion mit in das eigene Programm zu nehmen. Irgendwann wird die Union sicher noch einmal zu ihrer eigenen Ökologie finden. Und wir haben nun wirklich keine Zeit darauf zu warten.

Ob Wiebke Winter ein Feigenblatt der Union ist, muss sie wohl selbst beantworten.

Im „Zukunftsteam“ ist unter anderem auch Friedrich Merz: Er hat sich zuletzt auch als Klimaschützer inszeniert. Wie ernst können Sie das nehmen?

Die Stärke der Union ist bekanntermaßen ihr Opportunismus. Ich glaube, dass das die Union in einem Umfeld, in dem sich Klimabewusstsein und Macht nicht mehr widersprechen, zu ganz neuen Höhen bereit ist.

Was Friedrich Merz betrifft: Er hatte jede Gelegenheit, aufrichtig darzulegen, dass er die Klimakrise tatsächlich angehen möchte. Stattdessen hat er Umweltverbände kriminalisiert und in Talkshows für Kohlekraftwerke geworben – ich saß neben ihm. Es wäre natürlich mehr als okay, falls mich Friedrich Merz in Zukunft vom Gegenteil überzeugen würde.

Zur Person

Luisa Neubauer ist Aktivistin. Sie organisiert klimapolitische Veranstaltungen, beispielsweise Schulstreiks, für die Organisation Fridays for Future. Die studierte Geografin engagiert sich des Weiteren für Stiftungen und NGOs, vornehmlich aus dem Klima- und Naturschutzbereich. Die 25-jährige Neubauer stammt aus Hamburg.

Die Bedingungen der Corona-Pandemie hat den Demonstrationen von Fridays for Future ein wenig den Wind aus den Segeln genommen. Ist der morgige Klimastreik nun das Comeback kurz vor der Bundestagswahl 2021?

Wir haben auch durch die Corona-Krise hindurch mobilisiert, beispielsweise mit 25.000 Menschen coronakonform am Brandenburger Tor. Trotz Pandemie hat Fridays for Future erstmals dafür gesorgt, dass sich alle Parteien überlegt haben, was sie für das Klima unternehmen wollen. Was wir jetzt erleben, dass sich die Gesellschaft klimapolitisch endlich zu Wort meldet – und klarmacht: Wir sind bereit dafür zu kämpfen, egal wer uns regiert.

Keines der vorgelegten Wahlprogramme der großen Parteien genügt laut Studien, um das 1,5-Grad-Ziel rechtzeitig zu erreichen: Was ist Ihre Prognose für den Wahlsonntag? Wer regiert die kommenden Jahre Deutschland?

Wir werden es erleben, da brauche ich gar nicht herumraten. Was wir jedoch nach der Wahl erleben werden, ist, dass es zur Ausredensucherei der weniger ökologisch orientierter Parteien kommen wird. Sie werden Gründe produzieren, warum Klimapolitik nun nicht mehr so wichtig sei. Doch alle Parteien stehen - mehr in der Verantwortung, ihren Versprechen gerecht zu werden. Denn ein Wahlsieger steht schon fest, und das ist das 1,5-Grad-Ziel. Alle demokratischen Parteien haben sich dazu verpflichtet. Und von allen werden wir es einfordern. (Interview: Daniel Dillmann, Tobias Utz)

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