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Eine Anhängerin von Luis Lacalle Pou bejubelt in Uruguay den Sieg ihres Favoriten bei der Präsidentschaftswahl. Foto: Matilde Campodonico/dpa

Uruguay

Luis Lacalle Pou gewinnt Präsidentschaftswahl

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Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Urugay war so knapp, dass es zwei mal ausgezählt werden musste. Jetzt steht mit Luis Lacalle Pou der Sieger fest.

Am Ende steht dann doch der Machtwechsel in Uruguay. Fast vier Tage musste die Wahlbehörde nachzählen bis feststand, was sich schon am Sonntagabend abzeichnete. Es gibt einen Rechtsruck in dem kleinen südamerikanischen Land. 15 Jahre Mitte-links-Regierung der Frente Amplio sind Geschichte und ab März wird wieder ein konservativer Staatschef das Land führen. Luis Lacalle Pou, gerade 46 Jahre alt und Sprössling der bekanntesten Politikerfamilie des südamerikanischen Landes, erreichte bei der Nachzählung der Stimmen einen uneinholbaren Vorsprung.

„Uruguay hat einen neuen Präsidenten“, schrieb seine Nationale Partei auf Twitter. Sein Rivale Daniel Martínez vom Frente-Amplio-Bündnis räumte seine Niederlage ein. Das offizielle Endergebnis wurde für den Lauf des Freitags erwartet.

Nach dem äußerst engen Abstimmungsergebnis bei der Wahl am Sonntag wollte die Wahlbehörde keinen Sieger ausrufen, sondern zunächst alle Stimmen genau auszählen. Schon der knappe Vorsprung von Lacalle Pou war überraschend, hatten ihm Umfragen doch einen klaren Vorsprung vorhergesagt. Aber am Wahlabend waren auf den konservativen Herausforderer lediglich 48,71 Prozent der Stimmen entfallen, auf den Regierungskandidaten 47,51 Prozent.

Wahlsieger Lacalle Pou hat die Politik in die Wiege gelegt bekommen. Er ist Sohn des ehemaligen rechten Präsidenten Luis Alberto Lacalle, der Uruguay von 1990 bis 1995 regierte, und Urenkel eines weiteren Ex-Staatschefs. Der gelernte Anwalt gilt als detailversessener Arbeiter und guter Redner. Er erreichte schon mit 20 Jahren ein Abgeordnetenmandat, als er für seine Mutter nachrückte. Vor vier Jahren unterlag er in der Stichwahl noch dem amtierenden Präsidenten Tabaré Vázquez. Experten sagen, mit Lacalle Pou komme in dem kleinen Staat, der gerade gut drei Millionen Einwohner zählt, eine konservative, religiös geprägte Rechte an die Macht.

Der künftige Präsident hatte im Wahlkampf versprochen, die Wirtschaftssituation Uruguays zu verbessern. Das Wachstum hat sich in den vergangenen Jahren verlangsamt. In der Folge stiegen Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefizit.

Dabei ist Uruguay der wohlhabendste Staat in Lateinamerika. Mit 17 280 Dollar ist das Pro-Kopf-Einkommen nirgends in der Region höher. Lacalle Pou will vor allem die Exportzölle für die Landwirte reduzieren und Anreize für mehr und schnelleres Wachstum schaffen.

Sein Hauptaugenmerk wird er aber auf den Kampf gegen die Kriminalität legen müssen. In Uruguay stieg – vermutlich durch das Vordringen der Drogenkartelle – die Zahl der Mordfälle zwischen 2017 und 2018 nach offiziellen Angaben um 46 Prozent.

Außenpolitisch könnte Lacalle Pou das Land neu positionieren. Beobachter gehen davon aus, dass er einen konfrontativeren Kurs gegen die links-autoritäre Regierung von Nicolás Maduro in Venezuela fahren und die Beziehungen zu den USA intensivieren wird.

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