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„Wollen schnell Kasse machen“: Umweltschützer erhebt nach Lützerath schwere Vorwürfe gegen RWE

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Von: Bona Hyun

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Demonstration nahe bei Tagebau Garzweiler Lützerath
Lützerath wird abgebaut. Laut dem BUND gehe es dem RWE aber viel mehr, als nur um die Förderung von Braunkohle. © Federico Gambarini/dpa (Symbolbild)

Lützerath wird abgebaggert, Proteste der Klima-Aktivisten waren vergebens. Laut dem Umweltverband BUND geht es RWE aber um mehr als nur Kohle-Strom.

Lützerath – Die Polizei hat die Räumung des rheinischen Braunkohledorfs Lützerath beendet. Noch im Januar wird der Energiekonzern RWE Lützerath für die Braunkohle abbaggern. Doch für Umweltaktivisten ist das Kapitel noch nicht abgeschlossen. Diskussionen um den Abbau von Braunkohle und ob es sich in Lützerath nur um „reine Symbolpolitik“ handele, gehen weiter. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Nordrhein-Westfalen nimmt klar Stellung zu Lützerath und schießt gegen RWE.

RWE will Kohle in Lützerath abbauen und „Kasse machen“ – BUND-NRW schießt gegen Energiekonzern

„Immer mehr Gutachten zeigen, dass die Kohle unter Lützerath nicht benötigt wird. Da fragt man sich natürlich, warum RWE tabula rasa macht“, sagte der Geschäftsleiter Umwelt- und Naturschutzpolitik des BUND-NRW, Dirk Jansen, auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA. RWE hatte mehrfach betont, dass es ohne die Kohle unter Lützerath keine „ausreichenden Kohlemengen“ gebe, um die Kraftwerke zu versorgen.

Doch dem Energieversorgungskonzern gehe es nicht nur um die Stromversorgung, meint der BUND. Laut Jansen hat RWE erkannt, dass sich die Kohle unter Lützerath günstig gewinnen lässt. „RWE will also, solange die Strompreise hoch sind und die französischen AKW nicht laufen, noch schnell Kasse machen“, sagte Jansen. Zudem habe es der Konzern auf die Wiederherstellung der Kulturlandschaften abgesehen und will dafür an die Flächen kommen.

„Lützerath ist mehr als nur ein Symbol“ – BUND NRW drängt auf schnellen Braunkohle-Ausstieg

Jansen betonte außerdem, dass „Lützerath mehr als ein Symbol“ sei. „Es ging nie vorrangig um den Erhalt eines alten, aber längst von den Bewohnern verlassenen Weilers. Es ging immer unter die Kohle darunter“, sagte Jansen der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA. Jansen zufolge wird Deutschland die Klimaziele „krachend verfehlen“, wenn die Braunkohle gefördert wird.

Jansen drängt auf mehr Tempo. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien verlaufe viel zu schleppend. „Bei der Verstromung von einer Tonne Braunkohle wird unweigerlich eine Tonne CO2 freigesetzt. Wegen seiner langen Verweildauer in der Atmosphäre bleibt jedes Molekül lange klimawirksam“. Jansen pocht angesichts des fortschreitenden Klimawandels auf einen schnellen Braunkohle-Ausstieg und eine Reduzierung der bis dahin noch geförderten Menge.

Lützerath ist klimapolitisch „völlig irrelevant“ sagte Wirtschaftsforscher Hüther bei Anne Will

Weniger dramatisch sah Michael Hüther die Situation in und um Lützerath. In der ARD-Talkshow „Anne Will“ bezeichnet der Wirtschaftsforscher die Proteste in Lützerath als „reine Symbolpolitik.“ Klimapolitisch sei Lützerath doch „völlig irrelevant”, urteilte der Ökonom. Es sei wichtiger, sich darum zu kümmern, dass andere Energiegewinnung zusammen mit anderen Ländern vorangetrieben werde. Der Emissionshandel müsse auf Vordermann gebracht werden.

Auch Klimaforscher Dr. Hans-Jochen Luhmann, Emeritus am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, sagte zu fr.de: „Ob die Braunkohle abgebaut wird oder nicht, ist für die Emissionsbilanz Deutschlands zwar wichtig, aber für die Emissionsbilanz Europas ist es irrelevant.“

Proteste in Lützerath – Klima-Aktivisten kämpften gegen Abbau der Braunkohle-Region

Klima-Aktivisten hatten tagelang gegen den Abbau von Lützerath protestiert. Im vergangenen Herbst hatten die Grünen mit dem Energiekonzern ausgehandelt, dass Lützerath als letztes Dorf abgebaggert wird. Der Energiekonzern RWE soll im Gegenzug bereits 2030 aus der Kohle aussteigen, acht Jahre früher als ursprünglich geplant.

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE beziffert den Anteil von Braunkohle an der Stromerzeugung im Jahr 2021 auf 20,2 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs von rund 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Braunkohle muss als einziger fossiler Energieträger in Deutschland nicht aus dem Ausland importiert werden und ist in großen Mengen verfügbar. Zudem lässt sich daraus günstig Strom produzieren. (bohy)

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