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Klima-Aktivist von Polizei in Lützerath geräumt: „Das ist für mich schon Folter“

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Von: Nail Akkoyun

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Sie kämpfen für Lützerath und verschanzen sich dafür in Gebäuden und Kellern. Einer davon ist Klima-Aktivist Wolfgang. Er berichtet von seiner Räumung.

Erkelenz – Die Räumung des Dorfes Lützerath am Rande des rheinischen Braunkohletagebaus nähert sich dem Abschluss. Am Freitag (13. Januar) begann die Polizei mit der Räumung des letzten Gebäudes. Unter den Aktivistinnen und Aktivisten war auch Wolfgang, der sich gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten bereits seit Silvester in dem Ort verschanzt hatte. Im Gespräch mit fr.de von IPPEN.MEDIA berichtet er von seiner Räumung.

Wie viele andere Demonstrierende hatte sich auch Wolfgang in einem der leerstehenden Häuser verbarrikadiert, als die Polizei anrückte. Mithilfe eines Karabiners und einer Kette hatte er sich an einem Kellerrohr befestigt. Seit einem Jahr hat er sich komplett dem Umweltaktivismus verschrieben, kündigte seinen Job. Aktuell lebt er eigenen Angaben nach von Erspartem, das bald aufgebraucht sei. Doch Geld scheint ihm nicht wichtig zu sein.

Bei der Räumung von Lützerath entfernen zwei Polizeibeamte einen Aktivisten vom Protestort.
Bei der Räumung von Lützerath entfernen zwei Polizeibeamte einen Aktivisten vom Protestort. © Christopher Neundorf/Imago

Polizei räumt Lützerath: Demonstrant soll vor Schmerzen geschrien haben

Wolfgang wird am Donnerstag (12. Januar) aus dem Keller des Gebäudes geräumt. Er nennt es „aus dem Lock gelöst“. Die Einsatzkräfte hätten ihn die Treppe hinaufgetragen, zuvor sei er mit einem Schlagstock bedroht worden – zu Gewalt sei es ihm gegenüber jedoch nicht gekommen. Ganz anders sei es laut Wolfgang einem Aktivisten gegangen, der sich im selben Keller der Räumung widersetzte.

„Ein Mensch, der bei uns unten im Keller war – der hatte schon so 180, 190 Kilo – wurde so lange mit Schmerzen traktiert, bis er selbst ging“, sagte Wolfgang. Laut ihm hätten die Einsatzkräfte die Arme und Beine des Mannes „in verschiedene Richtung“ gezerrt, um ihn zum Treppenausgang zu bewegen. Dabei habe der „sehr laute Schmerzensschreie ausgestoßen“.

„Das ist für mich schon Folter, wenn ein Mensch einfach liegen bleiben möchte und ein anderer ihm so lange Schmerz hinzufügt, bis getan wird, was gewollt ist“, sagte Wolfgang mit Blick auf die Situation. Auch von anderen habe er von groben Handgreiflichkeiten gehört und gelesen. Von offizieller Seite heißt es: Fünf Polizisten seien durch Fremdeinwirkung verletzt worden, konnten aber weiter im Einsatz bleiben. Aufseiten der Besetzerszene sei eine Person leicht verletzt worden.

Wie die Polizei berichtet, hätten mehr als 300 Menschen Lützerath bis Donnerstagabend verlassen. Wie viele Demonstrierende sich noch auf dem umzäunten Gelände aufhalten, sagte die Polizei am Freitag zunächst nicht. Nach Schätzung einer dpa-Reporterin handelte es sich noch um mehrere Dutzend.

Von Lützerath nach Keyenberg: Auch Greta Thunberg ist dabei

Für Samstag ist im Lützerather Nachbarort Keyenberg eine große Kundgebung angekündigt. Die Polizei rechnet mit 6000 bis 7000 Demonstrierenden. Zu der Veranstaltung will auch die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg kommen, wie sie auf Twitter ankündigte. Auch Wolfgang wird da sein und protestieren. Er möchte dem Klima-Aktivismus treu bleiben: „Was ist denn die Alternative?“ (nak)

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