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Die Hoaxmap visualisiert Gerüchte und widerlegt sie mit Informationen.

Hoaxmap

Den Lügen etwas entgegensetzen

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Im Netz dokumentiert die „Hoaxmap“ Gerüchte über Flüchtlinge und widerlegt sie. Das für den „Grimme Online Award“ nominierte Portal zeigt, dass viele Gerüchte deutschlandweit auftauchen.

Flüchtlinge essen Schwäne“, „Flüchtlinge weigern sich, sich in der Bank von Frauen bedienen zu lassen“ – seit Monaten kursieren im Internet immer wieder Gerüchte über Geflüchtete, die sich in Windeseile verbreiten. Eine Webseite, die mittlerweile für den ?Grimme Online Award? nominiert ist, sammelt und widerlegt diese Gerüchte: Hoaxmap.org. Eine Karte auf der Website ordnet Gerüchte einem Ort zu und widerlegt sie, meist durch Verweis auf Zeitungsberichte.

Die Unternehmensberaterin Karolin Schwarz betreut die Webseite gemeinsam mit dem Software-Entwickler Lutz Helm. Es war kein konkretes Gerücht, das zum Anlass für die Hoaxmap wurde. Vielmehr sei „die schiere Masse der Falschmeldungen und der Wunsch, etwas Ordnung zu schaffen“, der Auslöser gewesen, sagt Schwarz. Sie und Helm wollten der Stimmungsmache etwas entgegensetzen, „um zur Versachlichung der Debatte beizutragen und ein Argumentationswerkzeug zu schaffen“.

383 Gerüchte und ihre Auflösungen dokumentiert die Karte derzeit und liefert Informationen, die dabei helfen, Gerüchte und die dadurch entstehenden Vorurteile gegenüber Flüchtlingen zu bekämpfen. Die Reaktionen zu ihrem Projekt seien „überwiegend sehr positiv“, berichtet Schwarz. „Wir erhalten viele Dankes-E-Mails und auch Hinweise zu weiteren Gerüchten.“ Pro Tag seien es etwa zehn Hinweise, die die Macher erhalten. Doch auch Beschimpfungen gebe es, sagt Schwarz. „Das bleibt bei einem solchen Projekt leider nicht aus.“

Ein Blick auf die Hoaxmap zeigt, dass besonders Gerüchte nach dem Muster „Angela Merkel/Der Bürgermeister zahlt etwas für Flüchtlinge“ überall verbreitet sind. Auch die Kategorie „Geschäftsschließung“ gibt es mittlerweile, da Gerüchte über Supermärkte, die wegen vermehrter Diebstähle durch Flüchtlinge schließen, „in den verschiedensten Ecken Deutschlands auftauchen“, wie den Machern der Hoaxmap aufgefallen ist.

Gerüchte im Rhein-Main-Gebiet werden von der Hoaxmap ebenfalls dokumentiert: In Neu-Isenburg hieß es, ein Supermarkt müsse wegen Diebstählen durch Flüchtlinge schließen. Auch das Gerücht, dass in der Neu-Isenburger Erstaufnahmeeinrichtung täglich 350 Mahlzeiten entsorgt würden, ist auf der Karte zu finden. Beide Gerüchte kann die Hoaxmap widerlegen – mit einem Verweis auf einen Artikel, den die Frankfurter Rundschau Anfang Februar veröffentlicht hatte.

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