Iglo rief seine Chicken Nuggets zurück, weil aus Versehen Nuggets mit Käsefüllung hinein geraten sein könnten. Ein Skandal ist das nicht.
+
Iglo rief seine Chicken Nuggets zurück, weil aus Versehen Nuggets mit Käsefüllung hinein geraten sein könnten. Ein Skandal ist das nicht.

Lebensmittel

Lückenhafte Kontrollen

  • vonThorsten Fuchs
    schließen

Wann sind Lebensmittel wirklich sicher? Zwei Statistiken geben Hinweise. 

Das Vertrauen ist nach wie vor groß: 76 Prozent der Deutschen halten Lebensmittel, die man hierzulande kaufen kann, für sicher oder doch eher sicher. Die Zahlen belegen zunächst einmal eine gesunde Distanz zu teils sehr aufgeregten Debatten. Aber besteht das Vertrauen auch zu Recht?

Eine absolute Maßzahl für die Sicherheit von Lebensmitteln gibt es nicht – und kann es nicht geben. Aufschluss darüber könnten nur allumfassende Kontrollen geben. In Deutschland aber fällt, wie die Organisation Foodwatch vor Kurzem enthüllte, jede dritte vorgesehene Kontrolle aus. Die Zahl der Kontrollen insgesamt ist in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen, der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure beklagt einen eklatanten Personalmangel. Alles im Blick zu behalten, können die Prüfer kaum leisten.

Zwei Statistiken geben zumindest Hinweise auf die Sicherheit von Lebensmitteln: Die erste ist die Zahl der Lebensmittelwarnungen, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf der Website lebensmittelwarnung.de veröffentlicht. Sie stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an: von 25 beim Start im Jahr 2011 auf 186 im vergangenen Jahr. Auch in diesem Jahr setzt sich der Trend offenbar fort, bis Ende November waren es bereits 183 Meldungen.

Dass die Warnungen trotz rückläufiger Kontrollen steigen, ist auffällig. Verbraucherschützer erklären den Anstieg unter anderem mit gestiegenem Kostendruck und schlecht geschultem Personal. Andererseits ist auch das Internetportal des Bundesamtes bekannter geworden, der Druck auf die Unternehmen steigt. Auch verbirgt sich hinter vielen Meldungen wenig Skandalöses: So rief Iglo Anfang des Monats Chicken Nuggets zurück, weil aus Versehen Nuggets mit Käsefüllung in die Packungen gelangt sein könnten. Für Allergiker und Menschen mit Milchunverträglichkeit kann das ein Problem sein – ein Skandal ist es eher nicht.

Eine weitere wichtige Größe zur Beurteilung der Sicherheit von Lebensmitteln ist die Zahl der Krankheitsausbrüche, die mit Lebensmitteln im Zusammenhang stehen. Hier ist der Trend negativ. So berichten das Robert-Koch-Institut und das BVL für das vergangene Jahr über 416 Krankheitsausbrüche – also Fälle von Lebensmittelverunreinigungen, die Krankheiten auslösten. Ursache war in den meisten Fällen rohe Milch, Ursprungsort waren meist Restaurants und Cafés (24 Prozent) vor dem eigenen Haushalt (21 Prozent), Kantinen (8 Prozent) und Schulen sowie Kindergärten. Die Angst vor mangelnder Sicherheit in Gaststätten wird aber eher selten genannt, wenn die Deutschen zu ihren Sorgen bezüglich der Lebensmittelsicherheit befragt werden.

Knapp 2500 Menschen erkrankten 2018, elf Menschen starben – das sind etwas mehr als 2017 (mit 389 Ausbrüchen und vier Todesfällen) und 2016 (397 Ausbrüche, ebenfalls vier Todesfälle). In den beiden größten Ausbrüchen infizierten sich die Erkrankten, jeweils rund 200, mit Salmonellen.

Der Trend war zuletzt also wenig ermutigend. Dennoch betont Nikolaus Bosch, Strafrechtler mit Schwerpunkt Lebensmittelstrafrecht an der Universität Bayreuth, dass es „sehr wenige echte Lebensmittelskandale“ in Deutschland gebe. Der Strafrahmen dafür sei völlig ausreichend: „Wir brauchen kein neues Strafrecht in diesem Bereich.“

Foodwatch klagt aktuell über einen Boykott der Stadt Frankfurt. Dabei geht es um Kontrollen in der Gastronomie.

Kommentare