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Lücken im System der Terrorabwehr

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US-Präsident Obama hat die amerikanischen Geheimdienste scharf kritisiert.
US-Präsident Obama hat die amerikanischen Geheimdienste scharf kritisiert. © Foto: dpa

Der US-Präsident hat die Verantwortung für die Pannen bei der Beinahe-Katastrophe übernommen - und eine selbstkritische Analyse veröffentlicht. Acht Behörden bekamen die Aufgabe, Mängel zu beseitigen. Von Dietmar Ostermann

Von Dietmar Ostermann

Washington. Auf sechs dicht bedruckten Seiten kann in den USA seit Donnerstagabend jeder Bürger nachlesen, was nach Ansicht des Weißen Hauses vor zwei Wochen bei dem Beinahe-Flugzeuganschlag von Detroit im US-Sicherheitsapparat schief gelaufen ist. Ebenfalls veröffentlicht wurde ein dreiseitiges Memorandum, in dem Präsident Barack Obama acht Behörden konkrete Aufgaben zuweist, Mängel abzustellen. Zuvor hatte er persönlich die Verantwortung für die Beinahe-Katastrophe übernommen: "Die Verantwortung liegt bei mir."

Bemerkenswert an dem Vorgang ist weniger der Inhalt der gelisteten Pannen. Dass es Hinweise gab, etwa eine Warnung des Vaters von Umar Farouk Abdulmutallab, dem Fast-Attentäter von Detroit, war bekannt.

Neu sind nur Details. Etwa: US-Geheimdienste konzentrierten sich bei der beteiligten El-Kaida-Zelle im Jemen auf die "strategische Bedrohung" in der Region, nicht auf Hinweise zu möglichen Anschlagsplänen gegen die USA. Nirgends liefen die Informationen zu Abdulmutallab zusammen; niemand war verantwortlich, einzelnen Hinweisen nachzugehen. Fazit: Washington hatte genug Informationen, den Anschlag zu vereiteln. Eine "Serie menschlicher Fehler" und Lücken im System der Terrorabwehr verhinderten das.

Doch so unspektakulär das Papier scheint, so revolutionär ist der Vorgang: Nur zwei Wochen nach dem Anschlag liegt dem US-Volk eine selbstkritische Analyse aus dem Weißen Haus vor. Auch US-Regierungen neigten bisher nach schweren Pannen von Sicherheitsapparat oder Militär eigentlich dazu, die Öffentlichkeit im Dunklen zu lassen, abzuwiegeln, Sündenböcke zu suchen oder angebliche Sachzwänge der Geheimhaltung zu reklamieren.

Anders Obama: Der Präsident habe schnell Fehler analysieren und Lehren aus der Beinahe-Katastrophe ziehen wollen, sagte der Stabschef im nationalen Sicherheitsrat, Denis McDonough. Mit einer schnellen öffentlichen Aufarbeitung gibt Obama einmal mehr demonstrativ den Anti-Bush. Dazu gehört auch seine Ansage, man werde das Land energisch schützen, ohne in eine "Belagerungsmentalität" zu verfallen und Bürgerrechte zu opfern.

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