+
Er ist wieder wer: Alfa-Chef Bernd Lucke.

Alfa

Luckes zweiter Versuch

  • schließen

Die neue Partei Alfa definiert sich vor allem über die scharfe Abgrenzung zur AfD. Der Programmentwurf gibt Luckes letzte Rede auf dem Parteitag der AfD in Essen wieder.

Seit Sonntagabend hat Deutschland eine neue Partei, Alfa, die Allianz für Fortschritt und Aufbruch. Für Bernd Lucke, den neuen Vorsitzenden, ist sie sein zweiter Aufbruch. 2013 gründete er die euroskeptische Alternative für Deutschland (AfD), die sich fortan immer weiter in eine nationalkonservative Partei, Schwerpunkt Ostdeutschland, verwandelte und dem Wirtschaftsprofessor auf dem Parteitag in Essen Anfang des Monats schließlich einen Tritt verpasste. Er selbst formuliert es etwas anders: Die AfD sei ihm „entgleist“.

Nun also Alfa, der nette Versuch, hervorgegangen aus dem „Weckruf 2015“, einem rund 4000 Mitglieder zählenden Verein von ehemaligen AfDlern, denen der Schwenk nach Rechtsaußen und Pegida unter der neuen Parteichefin Frauke Petry nicht passt. Angeblich gibt es über 5000 Interessenten. Auch die Europaabgeordneten Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty, ehemals Mitglieder der AfD, wollen eintreten.

Was Luckes Alfa genau ist, muss sich noch zeigen. Es soll natürlich um Euro und Europa, aber auch um Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit gehen. Klar ist nur, was Alfa nicht ist. Die in Kassel gegründete Partei definiert sich über die scharfe Abgrenzung zur AfD der Dresdnerin Petry und allem, was in der AfD in den vergangenen Monaten hochgekocht ist: Blinde Putin-Verehrung und ein tiefer Hass auf US-Amerika, pro Austritt aus der Nato, Ende der Westbindung, die Nähe zu Pegida und ähnlichen fremdenfeindlichen Krawallbewegungen. Die Präambel des Programmentwurfs liest sich wie eine persönliche Abrechnung Luckes mit den alten Mitstreitern Frauke Petry, Alexander Gauland, Konrad Adam: „Wir wenden uns gegen eine Politik der populistischen Schlagworte“, heißt es. Man wolle kein „Schwarzweißdenken“, sondern setzte auf Sachkunde. „Gegen hetzerische Äußerungen oder Versuche, fundamentale Persönlichkeitsrechte von Minderheiten einzuschränken“, werde man sich entschieden einsetzen.

Der Erfolg bleibt ungewiss

Der Programmentwurf gibt im Grunde Luckes letzte Rede auf dem Essener AfD-Parteitag wider, als er angesichts der katastrophalen Lage und der Flüchtlingsmassen in Syrien, Irak und Libyen dazu aufrief, Herz zu zeigen und zu helfen wo es geht – eine Rede, für die er gnadenlos ausgebuht wurde. „Wir bekennen uns zu einem von Nächstenliebe bestimmten Umgang mit Hilfsbedürftigen“, heißt es nun bei Alfa. Es sei „menschliche Pflicht“, Kriegsflüchtlingen und politisch Verfolgten zu helfen. „Wir lehnen es strikt ab, Einwanderung nach ‚völkischen‘ oder kulturchauvinistischen Kriterien zu steuern.“

Damit Alfa auch Alfa bleibt und sich nicht wie einst die AfD über Nacht in eine andere Partei verwandelt, wollen Lucke und Mitstreiter diesmal besser aufpassen: Einen Antrag auf Parteimitgliedschaft stellen, reicht nicht. Aufgenommen wird man zunächst für ein Jahr auf Probe als „Gastmitglied“ ohne Stimmrecht. Außerdem führt der Parteivorstand eine Liste von Bösewichten, die niemals Alfa-Mitglied werden dürfen.

Ob Alfa Erfolg haben, Wahlen gewinnen oder nur eine von etlichen unwesentlichen Kleinparteien sein wird – das ist höchst ungewiss. Sie konkurriert bundesweit weiter mit der AfD, die nach den monatelangen Streitereien in Umfragen auf drei Prozent gesackt ist. Aber auch mit der wieder aufstrebenden FDP.

Elf Prozent Wählerpotenzial habe man, schätzt Lucke. Die Partei hofft auf Frustrierte aus allen Lagern. Wenigstens etwas Struktur hat Alfa schon: Durch AfD-Überläufer ist sie in den Landes-Parlamenten von Thüringen und Bremen und im Straßburger Europaparlament angekommen. Ohne je gewählt worden zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion