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Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth im Jahr 2011.

Lothar Späth

Lothar Späth ist tot

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Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Lothar Späth, ist tot. Er starb im Alter von 78 Jahren. Späth war von 1978 bis 1991 Ministerpräsident.

Was wäre gewesen, wenn... er auf dem Parteitag 1989 in Bremen Helmut Kohl bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden herausgefordert hätte? Stünde heute Lothar Späth als „Kanzler der Einheit“ in den Geschichtsbüchern? Auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit hat der baden-württembergische Ministerpräsident damals die offene Auseinandersetzung gescheut, obwohl Kohl damals am Tiefpunkt schien. Warum ihn plötzlich der Mut verließ, hat erst vor kurzen Heiner Geißler enthüllt, den Kohl damals als CDU-Generalsekretär ablöste.

Lothar Späth gehörte zu den Rastlosen in der Politik. Immer ein (manchmal) neuer Gedanke. Immer ein neues Projekt. Stets darauf bedacht, dass seine eigene Bedeutung nicht unterschätzt würde. So gelang dem Sohn eines Samenhändlers aus Sigmaringen ein schneller Aufstieg. Mit 28 Jahren war er Finanzreferent im badischen Bietigheim, zwei Jahre später Bürgermeister. 1968 zog er als CDU-Abgeordneter in den Landtag ein, vier Jahre später führte er die Fraktion. 1978 wurde er zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gewählt – als Nachfolger von Hans Filbinger, der wegen seiner Uneinsichtigkeit im Umgang mit seiner Nazi-Vergangenheit hatte zurücktreten müssen. Da war Lothar Späth 40 Jahre alt und der jüngste Regierungschef der Republik.

Drei Mal sollte er als Zugpferd seiner Partei die absolute Mehrheit verteidigen. Dann musste auch er die Villa Reitzenstein vor Ablauf einer Wahlperiode verlassen. Seine größte Stärke, die selbst seine Gegner anerkannt hatte, wurde ihm zum Verhängnis. Die Nähe zur Wirtschaft. Er kannte sie alle, die wichtigen Unternehmer im Ländle. Einen kannte er zu gut: Helmut Lohr, der Chef des Elektronik-Konzerns SEL. Dass er für ihn ein Joint Venture hätte noch als landesväterliche Wirtschaftspflege durchgehen können. „Cleverle“ nannten sie ihn mit einer Mischung aus Hoch- und Missachtung.

Aber dass Späth sich von seinem Freund zu einem kostenlosen Urlaub in der Ägäis einladen ließ, war nicht so clever. Besonders weil es herauskam. Und Korrekt war es erst recht nicht, zumal SEL im Jahr der Reise ohne Ausschreibung einen dicken Auftrag der Landesregierung erhalten hatte. Als Journalisten der Geschichte auf die Spur gekommen waren, gab es kein Halten mehr – zumal sie eine so schöne Schlagzeile hergab: „Traumschiff-Affäre“. Die Recherchen liefen auf Hochtouren und förderten mehr Gefälligkeiten weiterer Unternehmen zutage. 1991 gab Späth erst den Job des Ministerpräsidenten auf, dann auch sein Landtagsmandat.

Damit war seine politische Karriere (fast) beendet. Zehn Jahre später erinnerte sich Edmund Stoiber seiner. Der Kanzlerkandidat der Union machte ihn im Bundestagswahlkampf 2002 zum „Superminister“ für Wirtschaft Arbeit und Aufbau Ost. Doch da der CSU-Chef gegen Gerhard Schröder verlor, wurde es für Späth nichts mit der Rückkehr in die Politik. Er blieb in der Wirtschaft, wo sein Ruf als cleverer Hans-Dampf-in-allen Gassen nicht gelitten hatte. Im Gegenteil.

Zweite Karriere in Jena

Mit 54 Jahren startete er noch einmal durch. Nur wenige Monate nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident war er von Stuttgart nach Jena umgezogen. Späth machte aus dem ehemaligen VEB Carl Zeiss Jena einen der wenigen DDR-Staatskonzerne, die im neuen Deutschland reüssierten.
Das Verhältnis zu Helmut Kohl war auch im Alter nicht zu kitten. Zu schwer wo dessen Zorn, weil Späth sich zusammen mit Rita Süßmuth, Ernst Albrecht und Heiner Geißler gegen ihn verschworen hatte, weil sie den in der Bevölkerung immer weniger beliebten Kanzler nicht für den richtigen Kandidaten für die Bundestagswahl 1990 hielten. Gescheitert ist der Putsch, passend bei Späth, an der Wirtschaft.

In einem Interview mit dem Magazin der Süddeutschen Zeitung erinnerte sich Geißler: „Er ist zur Deutschen Bank, ich will nicht sagen zitiert worden, aber jedenfalls war er dort. Die Banker haben ihm gesagt: Kohl soll bleiben“. Bankchef Alfred Herrhausen war ein persönlicher Freund Kohls. Seinem früheren Regierungssprecher Manfred Zach hatte Späth, ohne Namen zu nennen, berichtet, „die Wirtschaft sage, man stürzt keinen CDU-Kanzler.“

Im Alter von 78 Jahren ist Späth am Freitag in einem Pflegeheim bei Stuttgart gestorben.

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