+
Ein Mitglied der Revolutionsgarden läuft über das Deck des britischen Tankers Stena Impero. 

Golfkrise

Krise am Golf: Großbritannien hofft auf europäische Hilfe

  • schließen

Die Krise am Persischen Golf schwelt weiter. Teheran kündigt die Hinrichtung angeblicher US-Spione an.

Im Konflikt mit dem Iran will Großbritannien den Konfrontationskurs der USA nicht mitmachen. Zum Schutz der Schifffahrt durch die Straße von Hormus werde es eine maritime Sicherheitsmission europäischer Staaten geben, sagte Außenminister Jeremy Hunt am Montag im Unterhaus. Die Beschlagnahme eines unter britischer Flagge fahrenden Öltankers durch iranische Revolutionsgarden wertete der Engländer als „Akt staatlicher Piraterie“. Ein Sprecher der Downing Street nannte den Vorgang „illegal und inakzeptabel“. Man setze aber auf eine diplomatische Lösung. Die Distanz zwischen London und Washington verdeutlichte US-Außenminister Mike Pompeo: „Die Alleinverantwortung für die Sicherheit ihrer Schiffe fällt Grossbritannien zu.“

Das iranische Fernsehen zeigte am Montag Bilder der 23 Besatzungsmitglieder des Tankers Stena Impero, den Revolutionswächter am Freitag zum Einlaufen in den Hafen von Bandar Abbas gezwungen hatten. Die Staatsbürger Indiens, Russlands, Lettlands und der Philippinen wirkten gesund und munter. Ihr Schiff gehört der schwedischen Reederei Stena. Diese internationale Dimension will sich London offenbar zu Nutze machen. Allerdings gab es bis zum Abend keine Details darüber, ob und in welcher Weise die europäischen Nato-Verbündeten den Briten zu Hilfe eilen wollen.

Streit zwischen den USA und dem Iran eskaliert

Die Eskalation der Spannungen an einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt geht auf die Kündigung des Iran-Abkommens durch US-Präsident Donald Trump zurück. In der Zwischenzeit hat Washington die Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegen Teheran verschärft. Britische Experten wie der konservative Lord Norman Lamont sprechen von einer „verheerenden Wirkung“, nicht zuletzt weil der Rial um 60 Prozent gefallen ist und dadurch Importe enorm teuer geworden sind. Großbritannien hat zwar wie seine europäischen Verbündeten Deutschland und Frankreich, die ebenfalls am Atomabkommen beteiligt waren, die amerikanischen Maßnahmen kritisiert und beide Länder vor einem „Krieg aus Versehen“ gewarnt; man werde aber in Teheran „als Teil der US-Sanktionen“ wahrgenommen, sagte Lamont der BBC.

Lesen Sie auch den News-Ticker zur Golfkrise

Unterdessen geht die Eskalation zwischen den USA und der islamischen Republik weiter. Am Montag gab Saudi-Arabien, Irans wichtigster Rivale in der Region, bekannt, zum ersten Mal seit dem ersten Golfkrieg 1991 würden US-Truppen auf saudischem Boden stationiert. Später verkündete der Iran, man habe 17 Spione der CIA identifiziert, vor Gericht gestellt und teils zum Tod verurteilt.

Das Aufbringen der Stena Impero wird von iranischen Stellen ganz offen mit der Beschlagnahme eines iranischen Tankers zu Monatsbeginn in Verbindung gebracht. Grace 1 mit Rohöl im Marktwert von rund 100 Millionen Dollar an Bord war vor der Küste der britischen Kronkolonie Gibraltar durch Royal Marines aufgebracht worden. Zur Begründung sagte London damals, die geplante Lieferung des Öls an die syrische Banias Refinery Company verstoße gegen EU-Sanktionen. Die Briten hatten mit der Beschlagnahme, anders als der Nato- und EU-Partner Spanien, einer amerikanischen Bitte entsprochen.

Machtlosigkeit der Brexit-Nation Großbritannien

Schifffahrtsexperten in London diskutierten zu Wochenbeginn mögliche Konsequenzen. Die Rede war von der Umflaggung britischer Schiffe zu Ländern wie China, die dem Iran freundlich gegenüberstehen. Durch die Straße von Hormus, den Zugang zum Persischen Golf zwischen Iran und Oman, wird ein Drittel des weltweiten Ölbedarfs abgewickelt, die Zielländer liegen vor allem in Asien. Die Meeresenge weist an der engsten Stelle zwischen zwei Inseln eine Breite von lediglich 38 Kilometern auf. Seit der Beschlagnahme rät die britische Regierung Schiffen unter britischer Flagge, die Wasserstraße zu meiden. Acht Tanker liegen nun im Persischen Golf fest.

Die britische Regierung steht im Unterhaus in der Kritik wegen des Ausblutens der Royal Navy. Derzeit befindet sich lediglich die Fregatte HMS Montrose in der Region; zwei Marine-Überwachungshubschrauber waren im Frühjahr von ihrem Stützpunkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten abgezogen worden. Übers Wochenende wurden nun ein Navy-Tanker sowie der Zerstörer HMS Kent mobilisiert. Die verspäteten Maßnahmen könnten nicht über die Machtlosigkeit der Brexit-Nation hinweg täuschen, glaubt Professor Lawrence Freedman vom Londoner King’s College: „Großbritanniens Möglichkeit zu unabhängigem Handeln sind sehr begrenzt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion