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England

Sarah Everard: Londons Polizei nach hartem Einsatz in der Kritik 

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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Das Verhalten der Polizei von London bei einer Mahnwache zum Gedenken an die ermordete Sarah Everard sorgt für Empörung.

  • Trotz der strikten Corona-Einschränkungen haben im Süden Londons hunderte Menschen eine Mahnwache für die ermordete Sarah E. abgehalten.
  • Unter Tatverdacht steht ein 48 Jahre alter Polizist, der am Samstag dem Haftrichter vorgeführt wurde.  
  • Der Fall hatte einen landesweiten Aufschrei gegen Gewalt und Belästigungen von Frauen ausgelöst.

London - Die Londoner Polizei steht wegen ihres Einsatzes bei einer nicht genehmigten Mahnwache für die entführte und getötete Sarah Everard heftig in der Kritik. Die Wut wächst. Polizeibeamte hatten am Samstagabend Teilnehmer:innen der Mahnwache in Handschellen gelegt, weil sich trotz strikter Corona-Einschränkungen im Süden Londons zum Gedenken an die 33-Jährige Sarah E. versammelt hatten.

Sarah E. hatte am Abend des 3. März die Wohnung einer Freundin in Clapham verlassen und war nie bei sich zu Hause angekommen. Das Verschwinden der jungen Frau und die darauf folgende Suche hatten das ganze Land schockiert und bewegt. Der Fall löste vor allem eine Debatte über die Sicherheit von Frauen aus. Ein Polizeibeamter, der einer Einheit zum Schutz von Parlamentariern und Diplomaten angehört, war am Dienstag festgenommen worden, nachdem Leichenteile der jungen Frau in einem Waldstück in der Grafschaft Kent im Südosten Englands unweit seines Hauses gefunden worden waren. Am Samstag wurde der 48-Jährige vor Gericht der Entführung und des Mordes beschuldigt.

Demonstrierende während einer Mahnwache für die getötete Sarah E. im Stadtteil Clapham Common.

Gewalt gegen Frauen: Übergriffe und Angst sind an der Tagesordnung

Der Fall löste einen landesweiten Aufschrei gegen Belästigungen und Gewalt an Frauen aus. Es geht dabei nicht nur um extreme Fälle, wie den von Sarah Everard, sondern um alltägliche Übergriffe und um die Angst, die für Frauen ständiger Begleiter ist.

Auf Videos von dem Polizeieinsatz am Samstagabend war zu sehen, wie Polizisten mehrere Frauen gewaltsam abführten. Eine Frau wurde auf den Boden gedrückt. „Die Beamten vor Ort waren mit einer sehr schwierigen Entscheidung konfrontiert“, rechtfertigte eine Scotland-Yard-Sprecherin den Einsatz später, bei dem es vier Festnahmen gegeben hatte. Die Menschen hätten am Abend eng zusammengestanden, dabei sei das Risiko von Übertragungen des Coronavirus sehr hoch gewesen. Keine Bedenken habe es den Tag über gegeben, als viele Menschen Blumen an dem improvisierten Gedenkort niederlegt hatten. Selbst die britische Herzogin Kate (39) hatte es sich nicht nehmen lassen, am Samstag Blumen niederzulegen.

Fall Sarah Everard: Londoner Polizei verteidigt den Einsatz

„Die Szenen in Clapham heute Abend sind zutiefst verstörend“, schrieb der britische Oppositionsführer Keir Starmer bei Twitter. „Ich teile ihre Wut und Bestürzung darüber, wie dies gehandhabt wurde. Das war nicht die richtige Art und Weise, diesen Protest zu überwachen.“ Auch der konservative Abgeordnete Steve Baker sprach von „unsäglichen Szenen“ und forderte Premierminister Boris Johnson auf, „das Lockdown-Gesetz jetzt zu ändern“.

Die Londoner Polizei verteidigte das Eingreifen der Beamten. Dieses sei notwendig gewesen, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, sagte die stellvertretende Polizeipräsidentin Helen Ball. Wegen der dicht gedrängten Menge habe „ein sehr reales Risiko“ von Coronavirus-Infektionen bestanden. Zudem habe „eine kleine Minderheit“ die Polizisten beschimpft, geschubst und mit Gegenständen beworfen. Vier Teilnehmer wurden wegen Verstößen gegen die öffentliche Ordnung und die Corona-Auflagen festgenommen.

Einsatz gegen Demonstrierende: Reaktion der Beamten überzogen

Auf Twitter verwiesen viele Nutzer auf eine ausgelassene Feier von Fußballfans vor einer Woche im schottischen Glasgow. Tausende Menschen hatten den Sieg der schottischen Meisterschaft durch die Glasgow Rangers auf den Straßen der Stadt gefeiert. Die Polizei schritt damals nicht ein.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan nannte die Szenen des Polizeieinsatzes „inakzeptabel“. Die Polizei habe zwar die Verantwortung, die Corona-Maßnahmen durchzusetzen, aber von den Bildern werde klar, dass die Reaktion der Beamten „weder angemessen noch verhältnismäßig“ war, so der Labour-Politiker.

Bei der Bewegung „Reclaim these Streets“ gingen unterdessen bis Sonntagfrüh knapp 500 000 Pfund (rund 582 000 Euro) an Spenden ein. Ursprünglich sollten damit Strafen bezahlt werden, mit denen die Veranstalterinnen hätten rechnen müssen, wenn sie die Mahnwache wie geplant durchgeführt hätten.

Jamie Klingler, eine der Organisatorinnen von „Reclaim these Streets“ sagte der britischen Nachrichtenagentur PA, es fühle sich an, wie im Zentrum einer Flutwelle zu stehen, bei der die halbe Bevölkerung (an die Männer gerichtet) sage: „Das ist euer Problem, ihr müsst es in den Griff bekommen, und zwar jetzt, wir werden es nicht länger hinnehmen.“ (Stefan Krieger mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Victoria Jones

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