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Während die Infektionszahlen explodieren, wird weiter gelockert – wie hier Mitte März in Berlin.
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Während die Infektionszahlen explodieren, wird weiter gelockert – wie hier Mitte März in Berlin.

Corona-Virus

Lockdown gegen dritte Corona-Welle: Verzweifelter Ruf nach dem „Holzhammer“

  • Alicia Lindhoff
    vonAlicia Lindhoff
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Eine Petition für einen kurzen, harten Lockdown unterzeichnen in wenigen Tagen mehr als 75.000 Menschen. Sie haben das Gefühl, von einer lauten Minderheit niedergeschrien zu werden.

„Ich bin Ärztin, meine Kolleg:innen und ich sind abgekämpft mittlerweile, einige sind selbst heftig erkrankt, ein lauwarmer Lockdown verlängert diesen untragbaren Zustand quasi endlos.“

„Wir sind beide voll arbeitende Eltern mit drei Kindern. […] Obwohl wir alles tun, um eine Infektion zu verhindern, können wir es nicht, weil wir raus müssen. Jeden Tag. Nein unser Job ist nicht systemrelevant!“

„Durch meine Vorerkrankungen bin ich Hochrisikopatientin. Shopping, Reisen und andere Dinge fehlen auch mir – aber erst einmal würde ich gerne überleben“.

„Ich bin Erzieherin, wie meine Kolleg:innen am Ende der Kraft. Urlaube regenerieren schon lange nicht mehr, es ist Angst vor Burnout oder Long Covid.“

Vier Menschen, vier Pandemie-Schicksale, vier Kommentare von Tausenden. Sie alle berichten von ihrer persönlichen Situation, ihren Ängsten, ihrer Wut – und erklären so, warum sie eine Petition unterzeichnet haben, die – wenn sie Erfolg hätte – zumindest kurzfristig ihre Freiheit einschränken würde.

Lockdown gegen dritte Welle: Petition haben mehr als 76.000 Menschen unterzeichnet

„Wir fordern einen strikten Lockdown gegen die dritte Welle. Jetzt.“ So haben es Friedemann Karig und Samira El Ouassil in ihrer Petition an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) formuliert. Stand Donnerstag, 12 Uhr, haben mehr als 76.000 Menschen unterzeichnet. Mehr, als auf jeder „Querdenken“-Demo der vergangenen Monate aufgelaufen sind.

Und tatsächlich haben viele der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner das Gefühl, in ihrem Wunsch nach besserem Schutz seit einem Jahr von einer lauten Minderheit übertönt zu werden. Zuletzt legte eine Befragung durch Infratest dimap von Mitte März nahe, dass lediglich einem Viertel der Deutschen die aktuellen Corona-Auflagen zu weit gehen - Tendenz sinkend. Demgegenüber stehen 32 Prozent der Befragten, die sich schärfere Regeln wünschen - Tendenz steigend. Nur noch 38 Prozent fanden die aktuellen Maßnahmen der Situation angemessen - deutlich weniger als noch in den Monaten zuvor.

Der Streit um die Osterruhe war der letzte Tropfen für die Corona-Lockdown-Petition

Vor diesem Hintergrund, vor allem aber wegen der sprunghaft steigenden Infektionszahlen und der überlasteten Intensivstationen, beobachteten die Initiator:innen Karig und El Ouassil die Debatten über Lockerungen schon seit Wochen mit wachsender Wut. Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Entscheidung, die geplante Osterruhe wieder zurückzuziehen – und Angela Merkels Entschuldigung. „Wir hatten das Gefühl, dass sie sich für das Falsche entschuldigt“, sagt Karig der FR. „Statt für die Idee der Osterruhe hätte sie sich dafür entschuldigen sollen, dass keine schärferen Maßnahmen beschlossen worden sind.“

Dabei macht er eines deutlich: „Niemand mag Lockdown. Mit einem Lockdown die Pandemie zu bekämpfen ist, als würde man jemandem bei Einschlafproblemen mit einem Hammer auf den Kopf hauen.“ Aber es sei momentan eben die einzige Möglichkeit, um die dritte Welle zu brechen. Dass es soweit gekommen ist, sei ein reines Versäumnis der Politik.

Der Schriftsteller Friedemann Karig und die Autorin Samira El Ouassil haben die Petition gestartet.

Corona-Lockdown: Auch Christian Drosten verwendet Bild vom Holzhammer

Das Bild vom Holzhammer hatte zuletzt auch der Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast „Corona-Update“ verwendet und gesagt, er sehe keine andere Möglichkeit als einen kurzen, harten Lockdown. So wie das Gros der Fachleute aus Wissenschaft und Medizin.

Warum die Entscheider:innen es trotzdem nicht umsetzen? Karig macht dafür unter anderem die „Merkelsche Ideologie von Maß und Mitte“ verantwortlich, die selbst in einer so fundamentalen Krise noch den Kompromiss suche. Außerdem die „deutsche Wirtschaftsgläubigkeit“, nach dem Motto: „Wenn die Wirtschaft brummt, wird sich alles andere schon regeln.“ Nur so könne er sich erklären, dass über eine Homeoffice-Pflicht nie eine ernsthafte Debatte stattgefunden habe.

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