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Einige französische Regionen steuern auf einen erneuten Lockdown zu. Entscheidungen dazu sollten am Donnerstagabend fallen.
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Einige französische Regionen steuern auf einen erneuten Lockdown zu. Entscheidungen dazu sollten am Donnerstagabend fallen.

Corona-Krise

Lockdown encore une fois

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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In Teilen Frankreichs steht der nächste Lockdown an.

Es war ein Vabanque-Spiel – und Emmanuel Macron hat es verloren. Während einige europäische Länder früh einen dritten Lockdown beschlossen, glaubte der französische Präsident wochenlang darum herumzukommen. Einzig eine Ausgangssperre ab 18 Uhr ordnete er an. Vor wenigen Tagen erklärte Macron gegenüber Jugendlichen, sie müssten nur noch „vier bis sechs Wochen“ warten – dann werde alles wieder gut. Doch am vergangenen Wochenende schossen die Fallzahlen in Frankreich in die Höhe: Fast 30 000 Neuansteckungen an einem Tag wurden registriert, am Mittwoch sogar 38 500. Die Intensivstationen im Land sind gesättigt; aus dem Großraum Paris müssen Dutzende Kranke in andere Landesteile verlegt werden.

M acron musste deshalb reagieren. Am Donnerstagabend wollte er neue Einschränkungen verkünden. Sie könnten sich auf den Großraum Paris und Nordfrankreich beschränken. Genaueres stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Gefährliche Kehrtwende

Der Entscheid ist mehr als nur symbolisch, er stellt eine Kehrtwende dar. Paris und der Norden sind zudem ausschlaggebend für die Wirtschaftskraft des Landes. Mit der Region um Nizza an der Côtes d’Azur, die bereits teilweise abgeschottet war, erreichen die Restriktionen 18 von 66 Millionen Menschen im Land.

Für Macron ist es ein politischer Rückschlag, der gut ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen ins Gewicht fällt. Ein Großteil der Kritik klingt heute wenig überzeugend: Als Macron im Januar die Durchhalteparole für Wirtschaft und Schulen herausgab, gab es kaum Widerspruch. Bloß übernahm sich der Präsident einmal mehr und sprach sich von seinem Wissenschaftsrat los, der ihn seit Beginn der Covidkrise eng beraten hatte. Elysée-Berater:innen tönten, der Präsident habe genug über die Ursachen und Konsequenzen der Pandemie gelesen, um nun selber entscheiden zu können. Und er entschied, dass Frankreich ohne dritten Lockdown durch die Krise kommen sollte.

Dass er nun doch noch das verhasste „confinement“ (Einsperrung) verfügen muss, wird Macron aus einem einfachen Grund als persönliches Scheitern ausgelegt: Erfolg hätte seine Offenlassen-Strategie nur haben können, wenn die Impfkampagne parallel dazu so schnell vorangekommen wäre wie etwa in Großbritannien. In Frankreich sind aber erst sieben Prozent geimpft. In einem Monat sollen es 14 sein, verspricht Premierminister Jean Castex. „Nicht einmal im Traum“, ätzt der bekannte Notfallarzt Patrick Pelloux.

Die Zeitung „Libération“ kommentiert, dass sich die 93 Prozent nicht Geimpften fragen müssten, „wo Macron seine versprochene Strategie versteckt hält“. Um noch allgemeiner zu werden: „Wo ist der Schneid des jungen Präsidenten geblieben, wo seine Ambition, seine Vorstellung von Frankreich? Wohin führt er sein Land? Kein seriöser Mensch vermöchte dies zu sagen.“ Die laute Kritik an Macron wirkt auch deshalb übertrieben, weil sich die Bevölkerung selber nicht sehr geradlinig verhält. Gerade ist sie wieder sehr impfkritisch. Diese Haltung erklärt das Schneckentempo mindestens so sehr wie bürokratische oder logistische Hemmnisse. Auch ist Macron stärker von anderen EU-Ländern abhängig als er zugeben könnte.

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