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Trotz LNG-Terminal bleibt die Sorge um Gasversorgung in Deutschland

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Von: Bona Hyun

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Offizielle Eröffnung des ersten deutschen Flüssiggas-Terminals
Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven soll die Gasversorgung in Deutschland vorantreiben. Doch es besteht weiterhin die Gefahr einer Mangellage. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven soll die Gasversorgung in Deutschland vorantreiben. Laut Kritiker:innen besteht weiterhin die Gefahr einer Mangellage.

Wilhelmshaven – Nach der Eröffnung des ersten LNG-Terminals in Deutschland gibt es Zweifel. Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven sollte die Unabhängigkeit vom russischen Gas sowie die Gasversorgung in Deutschland voranbringen. Bundeskanzler Olaf Scholz zufolge hat Schiff Höegh Esperanza, welches kürzlich am Terminal anlegte, Gas für 80.000 Haushalte mitgebracht. Kann die Gasmangel-Lücke durch die Inbetriebnahme von LNG-Terminals überhaupt geschlossen werden? Kritiker:innen sind sich nicht so sicher, wie kreiszeitung.de berichtet. Zudem befürchten Umweltverbände, dass Deutschland sich dadurch den Weg zu den Klimazielen verbaut.

„LNG-Terminal in Wilhelmshaven reicht nicht“ – Gasmangel-Lage durch Anleger behoben?

Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven könnte laut Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung dazu beitragen, die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten. Zudem erhöhe das Terminal die Möglichkeit, sich eigenständig mit Gas aus dem Ausland zu versorgen. Doch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte vor übertriebener Euphorie: Die Gefahr einer Gasmangellage bestehe weiterhin. Auch Holtemöller räumt ein, dass das LNG-Terminal in Wilhelmshaven nicht ausreiche. Der Bau weiterer LNG-Terminals müssten schnell folgen.

Die Regierung plant bis Ende des nächsten Jahres weitere LNG-Terminals in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein, in Stade in Niedersachsen und in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Diese sollen allerdings nur ein Drittel der für die Versorgung benötigten Erdgasmenge aufnehmen können. Daher sollen in Deutschland noch insgesamt elf weitere Anlagen entstehen.

Weitere LNG-Terminals geplant: Kritiker:innen befürchten Gas-Überkapazitäten

Kritiker:innen bemängeln an den Plänen der Regierung, dass zu viele Anlagen geplant seien. „Wir brauchen gar nicht so viel Gas, denn wir wollen ja langfristig klimaneutral werden“, sagte NewClimate Institute-Mitbegründer Niklas Höhne am Samstag dem WDR. Es drohten erhebliche Fehlinvestitionen, die zum Teil aus Steuergeldern beglichen werden müssten.

Würden in vier Jahren sämtliche Anlagen in den Betrieb gehen, werde die Jahreskapazität bei 73 Milliarden Kubikmetern Erdgas liegen. Das sei viel zu viel, kritisiert auch eine aktuelle Studie des NewClimate Institutes. „Der geplante Bau von LNG-Terminals schießt weit über das hinaus, was notwendig wäre, um gut durch die nächsten Winter zu kommen“, zitierte ZDF BUND-Vorsitzenden, Olaf Bandt.

Umweltverbände kritisieren LNG-Terminals – Wirtschaftsminister Robert Habeck verteidigt Pläne

Wirtschaftsminister Robert Habeck hat Pläne für den Bau der LNG-Terminals im tagesthemen-Interview verteidigt. „Von einer Überkapazität kann gar keine Rede sein“, widersprach Habeck. Die Terminals würden lediglich ein Drittel des deutschen Verbrauchs abdecken und seien flexibel nutzbar. Alle Anlagen könnten, sobald genug Wasserstoff da ist, auf einen klimaneutralen Energieträger umgestellt werden, sagte Habeck.

Doch die Umweltverbände haben Zweifel. Die Deutsche Umwelthilfe warnte laut dem Spiegel vor Risiken an weiteren geplanten Standorten. In Lubmin und in Brunsbüttel lagere Atommüll. In den dort geplanten LNG-Terminals könne es nach Aussage von Sascha Müller-Kraenner von der Deutschen Umwelthilfe leicht zu Störungen kommen. Einen Gastank neben diese nuklearen Zwischenlager zu stellen, sei gefährlich. Zudem könnte während der Inbetriebnahme chlorhaltiges Abwasser ins Meer fließen. Die Deutsche Umwelthilfe hatte rechtliche Schritte angekündigt, um das Projekt umweltfreundlicher umzurüsten.

Erstes deutsches LNG-Terminal in Wilhelmshaven startet in Betrieb

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies beteuerte, dass alle Umweltstandards beim Bau des LNG-Terminals in Wilhelmshaven eingehalten wurden. Zudem gehe es vorrangig um „Versorgungssicherheit, die warme Wohnung und die sichere Wirtschaft, die weiterarbeiten kann im Winter“, zitierte ZDF Lies.

Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven wurde Mitte November als erste von sechs Flüssiggas-Terminals realisiert. Dort wird das Spezialschiff Höegh Esperanza anlegen. Künftig wird Schiff Esperanza das von Tankschiffen angelieferte verflüssigte Erdgas in den gasförmigen Zustand umwandeln und in das deutsche Gasnetz einspeisen.

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